Wasser hat in Bad Kissingen Tradition, nicht nur aus den Heilquellen, sondern auch beim Abi-Streich: 1000 Wasserbomben und eine Schaumkanone boten die 120 Abiturienten gestern auf. Das Problem: Genau wegen des vielen Wassers hat der Abi-Streich seit Jahren Hausverbot im Gymnasium. Die Schüler dürfen ab der 3. Schulstunde nur auf dem ehemaligen Baseball-Feld jenseits des Stadtringes feiern.
"30 Leute haben hier übernachtet und das vorbereitet", berichtet Abiturientin Birte Bohn. Einigen sind Schlafmangel und Party anzusehen, aber die meisten haben ihren Spaß. "Zum Glück war es heute warm, aber es gab auch schon Jahre, in denen wir die Schüler frierend heimschicken mussten", kommentiert Schulleiter Frank Kubitza die Wasser-Tradition. Denn eigentlich ist nach dem Abi-Streich noch Nachmittagsunterricht angesagt.
Wegen des Wassers und der Schäden dadurch hat die Schulleitung auch das Spektakel auf die Wiese verbannt. Zudem gibt es eine lange Verbotsliste, was die Abiturienten vor Unterrichtsbeginn nicht dürfen. Wasserpistolen stehen da schon lange drauf, Mehl bislang nicht. "Aber im kommenden Jahr", kündigte Kubitza an, denn: Die Abiturienten empfingen alle Schüler mit Mehl, das sich dann jedoch im Schulhaus verteilte. Nun wird über die Reinigungskosten gestritten. Deshalb sagt Kubitza: "Ich würde mir in Zukunft einfach Abi-Streiche wünschen, an denen alle Schüler Spaß haben und bei denen sie nicht einfach weggehen."

Dazu ein Kommentar von Redakteur Ralf Ruppert:

Unbezahlbar: Einmal die Sau rauslassen dürfen

Meine eigene Verabschiedung ist jetzt auf den Tag genau 25 Jahre her: Vor allem an den Abi-Streich erinnere ich mich noch ziemlich genau. Mag sein, dass die zeitliche Distanz da einiges verklärt, aber ich habe den Tag vor allem als großen Spaß in Erinnerung: Einmal in damals noch 13 Jahren Schule so richtig die Sau rauslassen, sich in der Schule so benehmen, wie man es vorher nie durfte, das ist doch eine prägende Erfahrung, die man eigentlich jedem Schüler gönnen sollte - nicht nur im Gymnasium.
Natürlich muss das alles seine Grenzen haben, Beschädigungen und Beleidigungen dürfen nicht sein, aber dafür gibt es ja auch ein Strafgesetzbuch. Trotzdem: Lange Verbotslisten und das Hausverbot am Bad Kissinger Gymnasium kommen mir dann doch überzogen vor. Gerade mal eine Handvoll Lehrer ließ sich zumindest zu Beginn auf den Spaß ein - und selbst die mussten ständig Aufsicht schieben. Wäre schön, wenn man sich in Zukunft mit den Schülern einigen würde und ihnen die Reife zutrauen könnte, vernünftig Party zu machen.