"LIFE + Naturprojekt MainMuschelkalk" ist der Name für die aktuellen Bemühungen, herausragende Trocken- und Kulturlandschaften zu erhalten. Die ehemaligen Weinanbaugebiete zu Füßen des Hammelberges waren das Ziel für eine Exkursion für Fachleute aus den Landkreisen Bad Kissingen, Main-Spessart und Würzburg.
Seltene und bedrohte Tierarten sollen ihren Lebensraum im Bereich der wärmespeichernden Muschelkalkböden behalten.
So zum Beispiel wärmeliebende Reptilien wie Glattnatter, seltene Vogelarten wie die Zippammer, die Heidelerche oder der Wendehals. Aber auch Insektenarten wie Segelfalter, Fetthennenbläuling und Schmetterlingshaft sowie seltene Heuschrecken- und Wildbienenarten. Längs des Weinpfades, der sich unterhalb der verlassenen Hammelberger Weinterrassen und oberhalb der Kreisstraße KG 12 im Abschnitt zwischen Rod und Westheimer Gewerbegebiet erstreckt, wurde die aus Würzburg im Bus angereiste Besuchergruppe von Spezialisten in Sachen Natur fündig.
"Kleinere Winzerbetriebe aus Hammelburg haben oft nur ein paar Ar Anbaufläche", wies Landrat Thomas Bold (CSU) auf die Konzentration weniger Großbetriebe hin. "Durch die Aufgabe dieser Weinhänge hat es zu einer massiven Verbuschung geführt", so Bold. Langfristige Abhilfe soll eine Ziegenherde mit mehr als 300 Tieren schaffen. Roland Lenhart, Sachgebietsleiter Umweltschutz beim Landratsamt Bad Kissingen, habe die Idee für die Trockenmauern gehabt. "Mit Unterstützung der Bundesanstalt für Arbeit und einem Förderprojekt haben wir dies umsetzen können", freute sich Bold über die wiederhergestellte Struktur alter Weinterrassen im historischen Landschaftsbild.
Erhalten wird diese Kulturlandschaft durch die gezielte Beweidung von Dietmar Weckbachs Ziegenherde. "Am Schwedenberg und in Engenthal waren diese Ziegen heuer schon", sagte Weckbach und wies auf den Sodenberg und die angrenzenden Gebiete im Landkreis Main-Spessart hin, die heuer noch beweidet werden sollen. Insgesamt etwa 50 Hektar schaffen die 330 Ziegen im Jahr.
Alte Weinsorten sollen in der kommenden Wachstumsperiode auf den Hängen am Hammelberg angepflanzt werden, wünschte sich Lenhart. Die etwa 3000 Quadratmeter große Fläche gehört dem Landkreis. "Die Einbindung in die Allianz Frankens Saalestück ist vorgesehen", bestätigte er. LIFE-Naturführerin Katja Winter erinnerte an eine Führung für die Kinder aus der KiTa Kinderkiste vor zehn Tagen. "Da haben wir mit Natursteinen einen Überwinterungsplatz für die Zauneidechse errichtet", erzählte sie. Anhand seltener Pflanzen wie die Fetthenne und dem Insekt Fetthennenbläuling zeigte sie den Zusammenhang des vom Aussterben bedrohten Naturlebens auf den trockenen Steillagen der Muschelkalk-Verbundstrukturen.
"Alle diese Südhänge bis hin zum Sodenberg außer dem Truppenübungsplatz gehören zum Projektgebiet", wies Lenhart auch auf Schwedenberg und Trimberg hin. Der Erhalt der verbuschten Flächen stehe im Vordergrund. "Dieser Hang am Hammelberg war total zugewachsen und kein Mensch lief dort mehr durch", erinnerte Lenhart. "Der Landkreis hat noch weitere Flächen erworben, damit auch Schafherden ihre Arbeit leisten können", bestätigte er. Der Landkreis Bad Kissingen gehöre zum förderfähigen LEADER-Gebiet und deshalb sei zurzeit ein geologischer Wanderweg in Planung, der auch hier zu Füßen des Hammelberges verlaufen soll. Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) freute sich über das Projekt und würdigte die damit verbundenen Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt nahe der ältesten Weinstadt Frankens. "Das Reservat sollte deckungsgleich mit dem Naturpark Bayerische Rhön werden", erläuterte Bold die Zielvorstellung.