Sie heißt easyBeeBox . Es ist ein Bienenkasten, der den Einstieg in die Bienenzucht für Jedermann und ohne großen Zeitaufwand verspricht. Seitdem die Erfindung in der "Höhle der Löwen", einer Fernsehshow auf Vox, vorgestellt wurde, sorgen sich die Imker auch im Landkreis Bad Kissingen. Denn easy, also einfach, sei die Bienenzucht überhaupt nicht. Der Vorsitzende des Imkervereins Münnerstadt und Umgebung, Dieter Schölzke, richtet seine Kritik nicht speziell gegen den Bienenkasten - ihn kennt er nur aus dem Fernsehen - sondern gegen den seiner Meinung nach erweckten Eindruck, Bienenzucht könne ohne großen zeitlichen Aufwand und ganz spontan betrieben werden.

Bei Sebastian Maresch aus Aura war bereits der erste Boxbesitzer, der dafür Bienen kaufen wollte. Ein weiterer Anrufer wollte von ihm wissen, was er von der Box hält. In beiden Fällen hat Maresch von einem Schnellkauf abgeraten. Dieter Schölzke freut sich natürlich, wenn Menschen Interesse daran haben, die Natur zu schützen und sich deshalb der Imkerei zu widmen möchten. Denn schließlich betreibt der Verein seit vielen Jahren den Lehrbienenstand um Imkernachwuchs heranzuziehen und schon Kinder für die Thematik zu sensibilisieren. Doch es sei nicht damit getan, sich einen Bienenkasten in den Garten zu stellen und zu warten, was passiert.

Schulung nicht erforderlich

Sich ohne Grundwissen an die Bienenzucht zu wagen, sieht Dieter Schölzke ausgesprochen kritisch. Das staatliche Veterinäramt Bad Kissingen teilt diese Meinung. Es bestätigt jedoch auf Anfrage, dass sich eigentlich jedermann ein Bienenvolk im Garten ohne vorausgegangene Schulung halten kann. "Wir raten aber dringend, sich vorher eingehend mit der Bienenhaltung auseinandersetzen und entsprechende Literatur zu studieren", so die Stellungnahme aus dem Landratsamt Bad Kissingen. "Nach Ansicht unseres amtlich bestellten Bienensachverständigen für den Landkreis Bad Kissingen, Matthias Kleinhenz, ist solch ein Einstiegsmodell in die Imkerei mit Vorsicht zu genießen, weil es suggeriert, dass Bienenhaltung ganz einfach sei", heißt es weiter. Das sei sie aber nicht. Wer hier einsteigen will, brauche fundierte Grundkenntnisse rund um die Bienenhaltung. "Ein Imker hält Tiere und ist für diese auch verantwortlich", so die Pressestelle des Landratsamtes Bad Kissingen.

Zwei Jahre, rechnet der Imker Eugen Katzenberger, dauert es, bis man sich in der Bienenzucht einigermaßen sicher fühlt.Er hat vor mehr als 25 Jahren die Bienenvölker seines Vaters übernommen und ist begeisterter Hobbyimker. Trotzdem sagt er heute: "Ich habe mir damals das Imkern einfacher vorgestellt." Im Verein hat man deshalb mit dem Probe-Imkern gute Erfahrungen gemacht. Zwei Jahre können dort Einsteiger testen, ob die Zucht etwas für sie ist, ohne gleich viel Geld für den Kauf von Bienenkästen und -völkern zu investieren. Man könne sich aber auch einen erfahrenen Imker suchen und ihm zur Hand gehen, um zu erkennen, ob man Spaß an der Bienenzucht hat, sagt Dieter Schölzke.

Auch die Erfinder der Bienenbox raten zu einem Paten, der sie am Anfang begleitet, eine Online-Unterstützung wird angeboten. Aber auf der Homepage ist auch zu lesen, dass der Kasten so konstruiert ist, dass mit nur wenigen Stunden Arbeitseinsatz im Jahr ein Bienenvolk gehalten werden kann. Das halten die erfahrenen Züchter aus dem Imkerverein für reine Utopie. "Imkerei ist zeitaufwendig", betonen Dieter Schölzke und Eugen Katzenberger. Die Hauptarbeit fällt in die Monate zwischen April und August. Urlaub planen in dieser Zeit sei eher schwierig, wenn man niemanden findet, der sich dann um die Völker kümmert. "Imkerei ist ein Hobby, aber man muss Zeit investieren", meint auch Sebastian Maresch.

Viele Menschen seien sich nicht bewusst, dass die Honigbiene ein Zuchttier sei, erklärt Dieter Schölzke. Biene ist nicht gleich Biene. Und Honig sei ein natürliches Lebensmittel, dessen Reinheit kontrolliert werde. Eigentlich haben Bienenhalter einen ähnlichen Status wie Landwirte. Was wenige wissen: Eine Bienenzucht muss beim staatlichen Veterinäramt angemeldet werden. Das schreiben auch die Erfinder der Bienenbox. Jeder Imker erhält eine landwirtschaftliche Betriebsnummer.Damit verbunden sind auch Pflichten, wie das Melden von bestimmten Krankheiten.

Furcht vor Krankheiten

Die größte Sorge der Imker ist, dass sich durch fehlende Kenntnisse gefürchtete Bienenkrankheiten wie Varroa Milbe oder Amerikanische Faulbrut ausbreiten. "Wer sich nicht auskennt, hat Nullkommanix eine Krankheit im Stock", sagt Dieter Schölzke. Das Problem daran ist, dass erkrankte Bienen auch die Völker anderer Bienenhalter anstecken können. Der Schaden für die Imkerei kann dann schnell hoch sein.Deshalb braucht es sogar ein Gesundheitszeugnis, wenn Bienenvölker von einem in den anderen Landkreis verkauft werden. Ein mit Sporen der amerikanischen Faulbrut verunreinigter Honig ist zwar für den Menschen nicht schädlich, doch darf der nicht mehr verkauft werden.

Wer Bienen schützen will, aber keine Zeit für eine Bienenzucht hat, dem empfehlen die Bienenhalter des Münnerstädter Imkervereins zu aller erst einen bienenfreundlichen Garten mit wenig Schotter und viel blühenden Pflanzen. Ein kleine Wasserstelle mit Schwimmhilfe für die Insekten sei ebenfalls sinnvoll. Dringend raten die Züchter davon ab, Zuckerwasser anzubieten. "Wenn Bienen diesen trinken, tragen sie Haushaltszucker in den Stock." Dann werde der Honig mit Zucker verunreinigt und dürfe nicht mehr als Honig verkauft werden. Wer zu Importhonig greift, sollte die Behältnisse so entsorgen, dass Bienen nicht an die Reste kommen. Denn auch dadurch könnte die amerikanische Faulbrut eingeschleppt werden.