"Ein Hoch auf unseren Wald!" Nicole Wehner, Geschäftsführerin des Marktes Oberthulba, ist heilfroh um den örtlichen Forst: "Sollte das Gas wirklich Mangelware werden, können wir auf unsere eigenen Waldbestände zurückgreifen. Große Objekte, wie die Schule, werden mit Hackschnitzel beheizt und hätten im Fall des Falles keine Einbußen."

Was die weitere Versorgung mit Erdgas betrifft, hat der Markt bereits Kontakt mit seinem Versorger, den Stadtwerken Bad Kissingen aufgenommen und es laufen Gespräche: "Auch wenn das noch relativ neu ist - wir sind dran an dem Thema", versichert Wehner. Ansonsten wird versucht, Energie einzusparen, sei es bei der Straßenbeleuchtung mit Energiesparlampen oder bei der Frage, wie Photovoltaikanlagen genutzt werden können.

Hammelburg schließt Hallenbad

Die Stadtwerke Hammelburg haben bereits Notfallpläne erarbeitet und stehen in engen Kontakt mit ihren Kunden, um schnellstmöglich reagieren zu können: "Für mögliche Abschaltungen wurde eine Priorisierung durchgeführt und Sonderkunden hierüber informiert", erklärt Geschäftsführer Matthias Metz. Bei Ausrufung der Notfallstufe übernehme die Bundesnetzagentur die sogenannte Bundeslastverteilung: "Sie übernimmt also im Krisenfall hoheitlich die Reduktion der geplanten Bezugsmengen im Markt, um die Nachfrage auf das Niveau der knappen Gasmengen zu reduzieren", erklärt Metz, "Die Stadtwerke sind nur der verlängerte Arm der Bundesnetzagentur. Wir selbst haben keine Möglichkeit Gas zu speichern."

Aber die Möglichkeit Gas einzusparen, nutzen die Stadtwerke und stellen deshalb den Betrieb des Hallenbades im Saaletalbad ab 29. Juli vorläufig ein. Das Freibad, das mit Solarenergie geheizt wird, ist weiterhin geöffnet. Weitere Möglichkeiten Gas einzusparen, werden überprüft, zum Beispiel bei der Substituierung der Wärmeversorgungsanlagen und bei der Wärmeversorgung öffentlicher Objekte.

Mit "Vollgas" an der Krisenbewältigung

"Die Beherrschung des Chaos ist in diesem Zusammenhang die größte Herausforderung", sagt der Geschäftsführer, "In erster Linie gilt es, das Gasnetz im Ernstfall an eine Mangellage physikalisch anzupassen und entsprechende Vorbereitungen zu treffen. In zweiter Hinsicht sind kaufmännische Aspekte zu berücksichtigen." Alle Beteiligten würden "mit Vollgas" an der Krisenbewältigung und der Abwendung einer Gasmangellage arbeiten, so Metz.

Die Stadt Hammelburg will sich an den Empfehlungen des Städtetages orientieren, wie Kommunen Energie sparen können und prüft momentan, welche Maßnahmen ergriffen werden können.

Therme Sinnflut nicht geschützter Kunde

Bereits im Frühjahr haben die Stadtwerke Bad Brückenau ihre sogenannten "nicht geschützten Kunden" im Versorgungsgebiet angeschrieben, so Geschäftsführer Torsten Zwingmann. Nur diese Kunden wären bei Ausrufung der Notfallstufe von Gaseinsparungen oder einem Gaslieferstopp betroffen. Die Therme Sinnflut wäre einer dieser nicht geschützter Kunden, deshalb werden hier Überlegungen zur Gasversorgung angestellt. Haushaltskunden und soziale Einrichtungen (wie zum Beispiel Kliniken und Altenheime) sollen weiter versorgt werden, da sie zu den geschützten Kunden gehören. Derzeit gehen die erhöhten Einkaufspreise zu Lasten des Stadtwerks. Die Weitergabe von Mehrkosten an die Endverbraucher wäre erst möglich, wenn die Bundesnetzagentur eine erhebliche Reduzierung der Gesamtgasimportmengen nach Deutschland feststellt.

Bad Kissingen prüft mögliche Szenarien

Von den Stadtwerken Bad Kissingen liegt bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor. Die Stadt Bad Kissingen ist laut Pressesprecher Thomas Hack derzeit dabei, sich auf mögliche Szenarien vorzubereiten.

Münnerstadt stellt Beleuchtung ein

Münnerstadt erstellt momentan einen Stufenplan, der alle Szenarien von Energiesparmöglichkeiten bis hin zum Ausfall der Gasversorgung abdecken soll (wir berichteten). Die Stadt überlegt, ob relevante Bereiche der Verwaltung auf anderweitig beheizbare Gebäude ausgelagert werden könnten und hat bereits in einem ersten Schritt die Beleuchtung markanter öffentlicher Gebäude eingestellt.

Hintergrundinformation:

Laut Lagebericht "Gasversorgung" der Bundesnetzagentur wurde am 30.03.2022 die Frühwarnstufe und am 23.06.2022 die Alarmstufe des Notfallplans in Deutschland ausgerufen.

Die Lage ist angespannt und eine weitere Verschlechterung der Situation kann nicht ausgeschlossen werden, heißt es in dem Bericht weiter. Die Gasversorgung in Deutschland ist im Moment aber stabil. Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit weiter gewährleistet.

Sollten die russischen Gaslieferungen über Nord Stream 1 weiterhin auf niedrigem Niveau verharren, ist ein Speicherstand von 95 % bis November kaum ohne zusätzliche Maßnahmen erreichbar. Bislang wird noch eingespeichert. Der Gesamtspeicherstand in Deutschland liegt bei 66,4 %. Der Füllstand des Speichers Rehden beträgt 38,63 %. Unternehmen und private Verbraucher müssen sich auf deutlich steigende Gaspreise einstellen.

Der Notfallplan Gas regelt die Gasversorgung in Deutschland in einer Krisensituation.

Es gibt drei Eskalationsstufen - die Frühwarnstufe, die Alarmstufe und die Notfallstufe.

Frühwarnstufe

Die Gasversorger und die Betreiber der Gasleitungen werden verpflichtet, regelmäßig die Lage für die Bundesregierung einzuschätzen. Noch greift der Staat aber nicht ein. Vielmehr ergreifen Gashändler und -lieferanten, Fernleitungs- und Verteilernetzbetreiber marktbasierte Maßnahmen, um die Gasversorgung aufrechtzuerhalten. Dazu gehören beispielsweise die Nutzung von Flexibilitäten auf der Beschaffungsseite, der Rückgriff auf Gasspeicher, die Optimierung von Lastflüssen oder die Anforderung externer Regelenergie.

Alarmstufe

Auch in der sogenannten Alarmstufe kümmern sich die Marktakteure noch in Eigenregie um eine Beherrschung der Lage. Auch hier können die in der Frühwarnstufe genannten Maßnahmen von den Marktakteuren ergriffen werden.

Notfallstufe

Wenn die Maßnahmen der Frühwarn- oder der Alarmstufe nicht ausreichen oder eine dauerhafte Verschlechterung der Versorgungssituation eintritt, kann die Bundesregierung per Verordnung die Notfallstufe ausrufen. Jetzt greift der Staat in den Markt ein. Konkret heißt das: Die Bundesnetzagentur wird zum "Bundeslastverteiler". Sie kann dann in enger Abstimmung mit den Netzbetreibern z.B. Bezugsreduktionen verfügen. Diese Verfügungen können sich auch an einzelne Letztverbraucher wenden. Dabei sind bestimmte Verbrauchergruppen gesetzlich besonders geschützt, d.h. diese sind möglichst bis zuletzt mit Gas zu versorgen. Zu diesen geschützten Verbrauchern gehören Haushalte, soziale Einrichtungen wie etwa Krankenhäuser, und Gaskraftwerke, die zugleich auch der Wärmeversorgung von Haushalten dienen.

Weitere Informationen unter: bundesnetzagentur.de