Die deutsche Forstwirtschaft steht wegen des Klimawandels vor neuen Herausforderungen. Die waldbaulichen Maßnahmen der aktuellen Forstbetriebsplanung für die Gemeinde Nüdlingen und worauf sie in ihren gemeindlichen Jagdrevieren künftig achten muss, erläuterte Revierleiter Fabian Menzel, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Rhön-Saale, den Nüdlinger Gemeinderäten am Samstag bei einer zweistündigen Waldbegehung.

Insgesamt besitzt die Gemeinde Nüdlingen fast 930 Hektar Wald. Davon werden nach Auflösung einiger Pachtverträge seit April etwa 400 Hektar als Eigenjagdreviere genutzt. Die übrigen 530 Hektar sind als Gemeinschaftsjagdreviere weiterhin verpachtet. Nach Vorstellung der Jahresbetriebsplanung 2021 in der Gemeinderatssitzung am 6. April zeigte Revierleiter Fabian Menzel nun direkt vor Ort an Beispielen, wie es um den Nüdlinger Forst steht und was künftig zu tun ist.

"Von Fichte werden wir uns verabschieden müssen", stimmte er gleich beim ersten Halt im Revier Vorderholz (41 Hektar) die Waldgänger ein. Der Boden besteht überwiegend aus Muschelkalk mit nur geringer Humus-Auflage. Für trockene Böden dieser Art und vor allem wegen der auf lange Sicht zunehmenden Erderwärmung "pflanzen wir nicht mehr Bäume, die wir gern haben, sondern überwiegend solche, die Trockenheit vertragen". Im Revier Vorderholz ist deshalb eine Mischung aus Baumarten vorgesehen, "die die Trockenheit gut wegstecken können" wie Eichen (40 Prozent), Hainbuchen (30), Edellaubhölzer (20) und Douglasien (10).

Seit 2013 wurden allein in diesem Revier in mehreren Einzelmaßnahmen insgesamt 1000 Douglasien, 800 Kirschbäume, 200 Elsbeeren, 200 Speierlinge, 200 Roteichen und 200 Esskastanien im Gesamtwert von 5 200 Euro gepflanzt. Hinzu kamen Kosten von über 10 000 Euro für den Schutz der neuen Pflanzen. Zwischendurch wurde die Waldfläche dreimal "aufgelichtet", also Bäume mit insgesamt über 1800 Festmetern gefällt. Künftig werde es nur noch Mischwald geben, ergänzte Menzel: "Eine Monokultur ist außerdem immer schwierig, großflächig aufzuforsten."

Problematisch bei der Aufforstung ist der Verbiss durch Wild. So wurden nach Aussage Menzels im Revier Sommerrain 3 000 Douglasien gepflanzt, wobei nur jede zweite Pflanze in jeder zweiten Reihe mit einer Tubex-Hülle gegen Verbiss geschützt wurde. Die Folge: "Alle Douglasien ohne Tubex sind durch Verbiss und Fegen wieder ausgefallen." Doch nicht nur Douglasien, auch die jungen Eichentriebe sind durch Verbiss stark geschädigt. Hierzu erklärte der Revierleiter: "Je tiefer im Wald, wo größere Ruhe herrscht, desto stärker ist der Verbiss."

Da die Gemeinde Nüdlingen künftig 400 Hektar Wald in eigener Verantwortung als Jagdrevier nutzen wird, gab der FBG-Geschäftsführer den Gemeinderäten weitere Hinweise: "Rotwild frisst nicht nur die Blätter, sondern schält auch ganze Bäume durch Rindenfraß." Das Rotwild werde von Jägern zwar geschätzt und gern gehegt, es sei aber in Menge schädlich für den Wald, wies Menzel auf die gegenläufigen Interessen hin. Für die Einhaltung des behördlich festgelegten Abschussplans in ihren Revieren ist die Gemeinde künftig selbst verantwortlich. Dieser Plan gibt vor, wie viel Wild nach Alter und Geschlecht in jedem Jagdrevier zu erlegen ist.

Für die seit April von der Gemeinde als Eigenjagdreviere genutzten Flächen hat der Nüdlinger Bauhof bereits 15 geschlossene Jagdkanzeln sowie 15 offene Ansitzböcke für die Drückjagd her- und bevorzugt an Wegkreuzungen im Wald aufgestellt. Weitere 15 Ansitzböcke sollen demnächst noch gebaut werden. Für November kündigte Revierleiter Menzel eine Drückjagd an, zu der sich interessierte Jäger anmelden können. Bei dieser Form der Treibjagd wird das Wild von Treibern und auch von Jagdhunden langsam in Richtung der aufgestellten Jäger "gedrückt". Der Jagdgang ist auf 25 Schützen begrenzt. Sollten sich mehr Jäger melden, kann sich der FBG-Geschäftsführer auch zwei Jagden am Vor- und am Nachmittag vorstellen.