Sie würde funktionieren. Davon ist Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) überzeugt. Denn Rohstoffe, um eine Biogas-Anlage im Markt zu betreiben, finden sich genug. "Da wäre zum einen der Rasen- und Strauchschnitt, den die Bürger auf die Grüngutsammelplätze des Marktes bringen", sagt das Ortsoberhaupt. Andererseits fällt ausreichend verwertbares Material beim Pflegen der Ränder an den zahlreichen Orts-, Kreis-, Staats- und Bundesstraßen auf Gemeindegebiet an. "Wir lassen den Schnitt des Straßenbegleitgrüns als Mulch liegen", beschreibt Bug die bisherige Vorgehensweise an Ortsstraßen und Feldwegen sowie an gemeindlichen Grünflächen. Nicht selten hagelt es Kritik von den Bürgern. Nicht zuletzt, weil dieser Mulch Kanäle und Abwassergräben verstopft und das Regenwasser deshalb nicht richtig abfließen kann.

Als drittes Standbein für den Rohstoffbezug einer möglichen Biogas-Anlage bezeichnet der Bürgermeister Gülle und Mist der landwirtschaftlichen Betriebe, die es in der Großgemeinde gibt. 2010 waren es noch 130, die Rinder, Schweine, Schafe, Pferde und Hühner gehalten haben. Das ist in der jüngsten Kommunalstatistik nachzulesen, die im Juli 2015 veröffentlicht wurde. Inzwischen dürfte deren Zahl etwas gesunken sein. 1999 gab es noch 320 Tierhaltungen im Markt Burkardroth. Das entspricht bis 2010 einem Rückgang um 60 Prozent.

Doch was sagen die Experten? Auch sie kommen zu dem Ergebnis, dass der Betrieb einer Biogas-Anlage anhand der vorhandenen Ressourcen möglich wäre. Das ist in dem aktuellen Energiekonzept der Allianzkommunen des Kissinger Bogens, Burkardroth, Bad Bocklet, Nüdlingen und Oberthulba, nachzulesen. Dieses hat das Architekturbüro Werner Haase aus Karlstadt im Auftrag der vier Gemeinden erstellt und auf der gemeinsamen Gemeinderatssitzung am 14. Dezember vorgestellt. "Grundvoraussetzung für den Betrieb einer Biogas-Anlage ist die ausreichende ganzjährige Versorgung mit biogenem Material", ist darin nachzulesen.


Für bis zu 400 Einfamilienhäuser

Zwischen 7700 und 10 700 Megawattstunden Biogas könnten pro Jahr mit den vorhandenen Rohstoffen Grüngut, Straßenbegleitgrün und Gülle über die Anlage in Burkardroth erzeugt werden. Mit diesem Gas könnten wiederum Wärme und Strom produziert werden. Zum Vergleich: Jährlich werden etwa 25 Megawattstunden Energie verbraucht, um ein durchschnittliches Einfamilienhaus zu heizen. Somit könnte man mit dem Biogas beispielsweise ein Blockheizkraftwerk betreiben, das rein rechnerisch zwischen 300 und 400 Einfamilienhäuser mit Wärme versorgen würde.


Alternative zu Öl und Gas

Parallel zu den bereits von Bug angesprochenem Rohstoffen, die im Markt anfallen, empfiehlt das Büro langfristige Verträge mit dem Kommunalunternehmen Abfallwirtschaft des Landkreises abzuschließen. Denn auch Abfälle, die über die Biotonnen entsorgt werden, könnten in der Anlage verwertet werden. Langfristig soll die Biogas-Anlage als Alternative zur Gewinnung von Strom und Wärme dienen, und somit den Verbrauch fossiler Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas senken. Doch die Frage ist: Wer nutzt die erzeugte Wärme und den Strom?
Eine Antwort darauf hat Bürgermeister Waldemar Bug momentan nicht. Denn noch fehle ein geeigneter Wärmeabnehmer, vor allem im Sommer. In Bad Bocklet, wo die Biogas-Anlage 2017 zehn Jahre bestehen wird, wird die Wärme des Blockheizkraftwerkes zum Heizen im Kurbereich genutzt. "Zudem sind fünf, sechs private Gebäude an die Wärmeversorgung angeschlossen, darunter das Hotel Kunzmann, das auch ein Schwimmbad betreibt", sagt Thomas Beck, der Geschäftsführer im Bad Bockleter Rathaus. Der mit dem Biogas erzeugte Strom werde in das allgemeine Netz eingespeist, fügt er hinzu. "Allerdings sind die Einspeisevergütungen für den Strom momentan absolut uninteressant", betont Bug.


Die Abnehmer fehlen noch

Das und der fehlende Wärmeabnehmer sind für ihn auch die Hauptgründe, weshalb das Vorhaben Biogas-Anlage für den Markt Burkardroth momentan wirtschaftlich nicht darstellbar ist. Außerdem müsste man am Bauhof der Gemeinde in neues Gerät investieren. "Wir bräuchten Maschinen, die sowohl mähen als auch das Schnittgut einsammeln", erklärt er. Dennoch hält Bug das Konzept Biogas-Anlage für umsetzbar. Auf einen konkreten Zeitraum möchte er sich aber nicht festlegen: "Ich denke, das hängt vom Ölpreis ab." Sobald dieser ordentlich ansteige, würde nach Alternativen gesucht. "Dann könnte es recht schnell gehen." Umso besser sei es seines Erachtens, wenn ein Konzept vorliegt, mit dem weitere Planungen möglich würden.


Standortfrage

Zum Standort einer Biogas-Anlage gibt es laut dem Burkardrother Rathauschef noch keine Überlegungen. "Der hängt in erster Linie davon ab, wer die Wärme nutzt", sagt Bug. Da in der Großgemeinde vorerst keine neuen Wohngebiete mehr erschlossen werden, kommen für ihn vielmehr Industrie- oder Gewerbebetriebe infrage. Bei den vorhandenen Betrieben habe das Rathaus noch nicht weiter nachgefragt, räumt er ein.