Über 30 Jahre ist es her, dass der städtische Bauhof das Gelände der pleite gegangenen Ziegelei Paul übernommen hat. Schon damals wussten die Behörden laut Bürgermeister Ernst Stross (SPD) von Problemen mit einem Teeröltank und verhängten einen Bußgeldbescheid. "Der Bauhof hat dann die Tanks entfernt, aber das Problem im Untergrund wurde nicht erkannt", erklärte Stross am Montagabend im Stadtrat. Offenbar sind über 4000 Liter Öl ins Erdreich gedrungen.

Nachdem Mitarbeiter von einem auffälligen Geruch und einige auch von Kopfschmerzen berichtet hatten, wurde 2011 eine Luftprobe genommen und analysiert. Diese ergab eine Belastung mit Kohlenwasserstoffen. Daraufhin wurde das betroffene Magazin des Bauhofes geräumt und auch die Werkstatt ausgelagert. Die Firma B & O Concept erhielt im vorigen Jahr den Auftrag, die Belastung des Bodens und des Grundwassers zu untersuchen.
Hierfür führte sie Bohrungen durch und richtete eine Messstelle unterhalb des Gebäudes in Fließrichtung des Grundwassers ein.

Die Fachleute fanden Kohlenwasserstoffe als Rückstände des Öls. "Von dem Schadstoffausstoß sind aber keine Mitarbeiter mehr betroffen. Ihre Gesundheit hat für uns erste Priorität", betonte der Bürgermeister. Das Hammelburger Trinkwasser stamme auch nicht aus dem Grundwasser, sondern aus dem Thulbagrund, verwies Stross darauf, dass für die Bevölkerung kein Grund zur Beunruhigung bestehe.

Dr. Berthold Bangert von B & O Concept erläuterte, dass der Schadensbereich einen Durchmesser von zwölf bis 15 Metern habe. Die Bohrung habe ergeben, dass die Verunreinigung des Erdreichs in einer Tiefe von etwa vier Metern beginne. Bei fünf Metern sei eine Belastung von 15.800 Milligramm pro Kilogramm gemessen worden.
"Ab 2000 Milligramm sollten Sanierungsmaßnahmen eingeleitet werden", erläuterte der Experte. Unbelastet sei der Boden dann wieder ab einer Tiefe von circa 10,50 Meter. Das Grundwasser sei gefährdet, aber eine direkte Gefahr für Menschen, Tieren und Pflanzen gebe es nicht. Gefunden worden seien Mineralölkohlenwasserstoffe und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.

Grundwasser reinigen

"Mir schwebt eine Altlastensanierung vor", unterstrich Bangert. Als Sofortmaßnahme empfehle das Landratsamt ein hydraulisches Verfahren zur Reinigung des Grundwassers, wobei dieses durch einen Aktivkohlefilter gepumpt werde.

Die Kosten für die drei Jahre dauernde Aktion bezifferte Bangert auf über 30.000 Euro. Zudem müsse die Stadt ein Konzept für die Beseitigung der Altlasten erstellen, das ab 2016 umgesetzt werden könne. Denkbar seien ein Ausbaggern des Erdreichs oder eine Abdichtung des betroffenen Bereichs durch Spundwände. Die Kosten für einen Abbruch der betroffenen Gebäude, ein Auskoffern des Bodens und die anschließende Entsorgung schätzte der Fachmann grob auf 500.000 Euro netto. Die Variante mit den Spundwänden sei auch nicht günstiger.

CSU-Stadtrat Stefan Seufert plädierte dafür, dass Erdreich "so schnell wie möglich auszubaggern." Ernst Stross entgegnete, dass die Reihenfolge des Vorgehens bereits mit Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt abgesprochen sei. "Ausbaggern bedeutet auch Abriss der Gebäude und kann dazu führen, dass der Bauhof an dieser Stelle keine Zukunft hat", zeigte der Stadtchef die Konsequenzen auf. Möglicherweise seien auch die Stadtwerke betroffen.

Stefan Seufert wies auf die unterhalb liegenden Schrebergärten hin und regte einen Färbeversuch zur Ermittlung einer möglichen Belastung an. Dr. Bangert entgegnete, die Kleingärtner nutzten oberflächennahes Wasser aus dem angrenzenden Bach. Aus einer Tiefe von circa drei bis vier Metern gepumpt, sei dieses Wasser seiner Einschätzung nach nicht verunreinigt.

"Schon in 80er Jahren diskutiert"

SPD-Stadtrat Gregor Schmid drängte darauf, möglichst schnell ein Konzept zur Altlastensanierung zu erabeiten. "Wir müssen jetzt wissen, wie es weitergeht", betonte er.

Sein Fraktionskollege Hans-Dieter Scherpf erinnerte daran, dass schon in den 80er Jahren über Altlasten auf dem Gelände diskutiert worden sei. "Ich bin enttäuscht. Das Landratsamt war eingeschaltet, aber die Aufsichtsbehörde hat nichts gemacht", so Scherpf.

Stefan Seufert regte an, sich bald Gedanken zu machen, wo Bauhof und Stadtwerke mittelfristig einen alternativen Standort finden könnten, um die Sanierung durchzuführen. Im Februar müsse das Thema unbedingt wieder im Stadtrat auf der Tagesordnung stehen. "Für die Haushaltsberatung müssen wir wissen, wie es weitergeht", bekräftigte Seufert.