Bad Kissingen — Es ist das vertraute Bild der Bad Kissingen Hütte am Aggenstein, wenn man vom Tannheimer Tal aufsteigt: die aus Naturstein gemauerte Hütte mit dem Satteldach und der sonnigen Terrasse davor begrüßt die Gäste - und verdeckt gleichzeitig den neuen Anbau, der die Situation der Hüttenpächter sowie der Gäste wesentlich verbessert hat.
Kein Luxus-, sondern ein Zweckbau ergänzt nach einjähriger Bauzeit seit diesem Frühjahr die Hütte, deren Grundstock vor 125 Jahren durch die Sektion Falkenstein-Pfronten gelegt wurde und die vor 20 Jahren von der Sektion Bad Kissingen übernommen und in "Bad Kissinger Hütte" umbenannt wurde.
Ein doppeltes Jubiläum also, das zur offiziellen Einweihung und Segnung des Anbaus gefeiert werden konnte und zu dem Sektionsvorsitzender Bernd Eisenmann zahlreiche Gäste und Vereinsmitglieder begrüßen durfte. Darunter auch Pfarrer Roland Breitenbach, der nicht nur die Segnung des Hauses vornahm, sondern auch seine jährliche Bergmesse im Rahmen der Einweihung und zum 17. Mal insgesamt zelebrierte.
Doch auch priesterlicher Beistand hilft nicht, wenn einem das Wetter einen Strich durch die Planung des Festwochenendes macht: aufgrund der Prognosen wurde alles vorverlegt, was außerhalb des Hütte geschehen sollte. So traf man sich am Samstagnachmittag bei herrlichem Sonnenschein auf dem Felsvorsprung vor der Hütte zum offiziellen Teil, nicht ohne ein wachsames Auge auf die Wolken zu richten, die den Regen ankündigten. Ausgestaltet wurden Festakt und Bergmesse durch die Bergmusikanten Waldfenster, die darüber hinaus ihre Musikinstrumente erst weit nach Mitternacht wieder einpackten.
Bernd Eisenmann begrüßte vor allem Vize-Präsident Franz-Josef van der Loo als Repräsentant des Deutschen Alpenvereins, Klaus Werner als Vertreter der Stadt Bad Kissingen, viele Vertreter aus der Region rund um den Aggenstein sowie die Repräsentanten der beteiligten Firmen, die zusammen mit den 3700 Arbeitsstunden der Sektionsmitglieder den Anbau ermöglichten. Ein besonderer Gruß galt Hüttenwart Erich Lehenbauer, in dessen Händen die organisatorische Leitung lag, sowie den Wirtsleuten Andrea und Dietmar.
"Am Anfang stand die Vision" - so der Blick zurück von Bernd Eisenmann, der die Beweggründe für den Bau und für den Erwerb durch die Kissinger Sektion erläuterte. Das mit "Herzblut und Idealismus gestemmte Projekt Hüttenkauf" und der Stolz auf "unsere Hütte" seien ein Beweis für das kameradschaftliche Wir-Gefühl.
Genauere Daten zu den letzten zwei Jahrzehnten steuerte Ehrenpräsident Heinz Steidle bei, der nicht nur das ehrenamtliche Engagement mit insgesamt 16 000 Arbeitsstunden lobte, sondern auch das finanzielle Engagement der Sektion und die Zuschüsse von kommunalen und staatlichen Stellen bzw. der Verbände hervorhob. Mit diesem Aufwand beteiligt sich die Sektion an der Kernaufgabe des Alpenvereins: "Durch den Erhalt von Hütten und Wegen ermöglichen wir Tausenden von Wanderern und Bergsteigern das besondere Erlebnis der Hochgebirgsnatur."
Bei der Planung der Umgestaltung und des Anbaus habe man sich an aktuellen Erfordernissen orientiert. Das große Matratzenlager wurde durch Mehr- und Zweibettzimmer ersetzt, Warmwasser und Duschmöglichkeiten wurden zum Standard, die Sicherheit wurde durch Brandschutztüren und -meldeanlagen erhöht. Zudem wurden im Anbau eine verbesserte Wohnsituation für Pächter und Mitarbeiter geschaffen.
Insgesamt habe man 500 000 Euro für diese Maßnahmen investiert, die insgesamt nicht mehr Übernachtungsplätze (70 Schlafplätze) brachte, aber dafür einen verbesserten Komfort. Umfangreich war die Dankesadresse von Heinz Steidle, der nicht nur die Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort lobte, sondern sich auch bei den Firmen für die gute Umsetzung der Pläne und bei Vereinsmitgliedern wie Erich Lehenbauer oder Heinz Pfeffermann bedankte: "Alle aufzuzählen würde den zeitlichen Rahmen sprengen - fühlt Euch einfach alle angesprochen." Den Wirtsleuten dankte er für die aktive Mithilfe und die Bereitschaft, erhebliche Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen, "oft bis an die Grenze des Zumutbaren".
Das Reigen der Grußworte vor der faszinierenden Bergkulisse eröffnete Vizepräsident Franz-Josef van de Loo, der das Engagement der Bad Kissinger Sektion lobte. Neubauten gebe es zwar nicht mehr im Alpenbereich, aber auch bei den Umgestaltungen gebe es Diskussionen um die äußere Form. Sein Appell: "Respektieren wir die Meinung des anderen!" Mit der Erschließung des Alpenraums durch 326 DAV-Hütten und 30 000 km Wanderwegen belaste man den Alpenraum, so der DAV-Vizepräsident. Deshalb seien Naturverträglichkeit und Umweltschutz eine stete Herausforderung bei 850 000 Übernachtungen und 2,5 Millionen Tagesgästen pro Jahr.
Den weiteren Grußworten schloss sich ein Rundgang durch die Bad Kissinger Hütte an. Kaffee und Apfelstrudel sowie ein zünftiger Hüttenausklang mit den Bergmusikanten Waldfenster rundeten das Festprogramm ab.


Die Bergmesse


"Möge die Bad Kissinger Hütte immer ein Ort der Begegnung und der Zuflucht sein", so segnete Pfarrer Roland Breitenbach im Rahmen der Bergmesse die Hütte auf dem 1788 Meter hohen Aggenstein. Zum 17. Mal standen Altar und liturgische Gegenstände auf dem Felsvorsprung über dem Tannheimer Tal und auf der angrenzenden Hangseite standen die Teilnehmer der Bergmesse. Zu Einweihung hatten sich Pfarrer Breitenbach und Vereinsmitglied Kurt Müller etwas Besonderes ausgedacht: Bereits am frühen Morgen begrüßte ein großer Holzrahmen vor der Hütte die Gäste. Im blauen Innenbereich erkannte man das schemenhafte Bild eines überlebensgroßen Engels. Welche Funktion dieses Werk haben sollte, blieb bis zum Gottesdienst verschlossen. Dann lüftete Kurt Müller das Geheimnis und es entstand ein Engel aus 24 verschiedenen hölzernen Mosaikteilen mit Hilfe der Sektionsmitglieder. Jedes Teil war aus einem anderen Holz in unterschiedlicher Stärke gefertigt worden und trotzdem passte es ineinander. Für Kurt Müller ist es ein Sinnbild, das einerseits auf das Schutzengelmotiv mit 24-stündigem Einsatz hinweist und andererseits die Vielfalt und Individualität des Holz mit dem Menschen vergleicht: "Es gibt knorriges und knotiges, quer und längs gefasertes Holz - genauso wie bei uns Menschen." Für Pfarrer Breitenbach war es ein Symbol für die Gemeinschaft, die sich aus Individuen ergeben könne, und er hatte für jedes dieser 24 Teile eine passende Lebensweisheit mit entsprechenden Charaktereigenschaften parat. Mit Hilfe von Kurt Müller setzte der 78-Jährige das letzte Holzteil ein. Das Engel-Mosaik bleibt nicht Wind und Wetter am Aggenstein ausgesetzt, sondern geht auf liturgische Wanderschaft, bevor es - wahrscheinlich - in der Schweinfurter Gemeinde St. Michael den endgültigen Platz finden wird.