"Wir haben immer deutlich gemacht, dass es uns um die Annäherung an die Gehälter im Öffentlichen Dienst geht", so die Mitglieder der Verdi Tarifkommission. Statt einer Nachbesserung habe es nur eine Blockade seitens der Arbeitgeber gegeben, schreibt sie.
"Teilweise haben wir Lohnunterschiede von 300 bis 350 Euro im Monat. Seit Jahren hören die Beschäftigten, dass diese gravierenden Unterschiede nicht während einer Verhandlungsrunde aufgeholt werden können. Aber es muss endlich einen ersten Schritt der Annäherung geben!", fordert Marietta Eder.
Das Angebot der Arbeitgeber sei keine Angleichung. "Es bewegt sich im Volumen auf dem Niveau der Lohnsteigerungen im TVöD, die im April abgeschlossen wurden." Bei genauerer Betrachtung, dass es höhere Vergütungen im Öffentlichen Dienst gibt, eine höhere Jahressonderzahlung und eine neue Entgeltordnung mit zahlreichen Verbesserungen für Berufe im Gesundheitswesen, liegt das Angebot sogar noch unter den Verbesserungen in öffentlichen Krankenhäusern, schreibt sie.
Das sehen die Arbeitgeber anders. Sie seien bereits auf die Forderung vom 24. Mai eingegangen. Diese habe Verdi jetzt um sieben Prozent erhöht. Helios sei jedoch der Auffassung, "dass die Entgeltsteigerung von sechs Prozent über zwei Jahre im Branchenvergleich konkurrenzlos gut ist", schreibt Ingo Mack, Leiter der Unternehmenskommunikation und Marketing auf Anfrage der Zeitung.


Rückwirkend mehr Lohn

Helios habe die erste Tranche der Entgeltsteigerung auch bereits umgesetzt. Die Mitarbeiter des nichtärztlichen Dienstes erhalten ab Juli - rückwirkend zum März - 2,5 Prozent mehr Gehalt.
Verdi gibt sich damit nicht zufrieden. "Deshalb rufen wir die Beschäftigten der Helios St. Elisabeth Bad Kissingen GmbH mit den Häusern in Hammelburg und Bad Kissingen nächste Woche von Dienstag bis Donnerstag zum Streik auf", so Marietta Eder. Seit Beginn der Verhandlungen im April hätten alle ihre Schwerpunkte deutlich gemacht. "Zum einen gerechte Löhne, deshalb muss es einen spürbaren Schritt der Angleichung an den TVöD geben. Es ist inakzeptabel, dass die Beschäftigten eines der gewinnträchtigsten Konzerne des Gesundheitswesens mehrere Hundert Euro im Monat weniger verdienen als ihre KollegInnen bei gleicher Arbeit. Zum anderen müssen die unzumutbaren Arbeitsbedingungen angegangen werden", so Robert Hinke, Verdi-Verhandlungsführer.
Einen ersten wichtigen Schritt will Verdi durch eine verbindliche Regelung zum "Holen aus dem Frei" herbeiführen. "Damit wird das Engagement der Beschäftigten honoriert, ein weiterer Personalabbau verhindert und Dienstpläne müssen so endlich eingehalten werden."
Auf den Druck von Verdi hin habe der Arbeitgeber mit der Anrufung der Einigungsstelle reagiert. Verdi werde ein fester Bestandteil dieses Verfahrens sein. "Diesen Prozess werden wir kritisch begleiten. Besonders wichtig ist uns, dass er in absehbarer Zeit zu deutlichen Verbesserungen für die Beschäftigten führt. Ein Verschieben auf den Sankt Nimmerleinstag werden wir nicht zulassen", so Robert Hinke.


Mehr Personal notwendig

Gemeinsam mit der Tarifkommission macht Hinke deutlich: "Unser Ziel ist mehr Personal in beiden Kliniken. Denn mehr Beschäftigte ist besser für uns alle!" Es gehe damit um die Entlastung der Beschäftigten und gleichzeitig um den Schutz der Patientensicherheit. "Verdi hat der Arbeitgeberseite erneut eine Notdienstvereinbarung vorgelegt, um während des Streiks Rechtssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen und Patientengefährdungen auszuschließen. Die Arbeitgeberseite hat sich, so Hinke, "dieser Vereinbarung erneut verweigert." Ohne eine solche Vereinbarung nimmt der Arbeitgeber die "Patienten als Geiseln", um den Pflegekräften ihr Streikrecht zu nehmen. "Bei derart ausgedünntem Personal ist schon der Arbeitsalltag Notdienst. Wir haben dem Arbeitgeber eine Woche Zeit gegeben, um die Patienten zu informieren und die notwendigen organisatorischen Schritte einzuleiten. "Er ist jetzt in der Verantwortung dies zu tun. Falls nicht verweigert er nicht nur den Beschäftigten das Streikrecht, sondern gefährdet auch die Gesundheit der Bevölkerung", so Marietta Eder abschließend.
Auch Helios will "dieses lokale Thema unter den Betriebsparteien zügig lösen. Der Vorsitzende der Einigungsstelle, die für eine Vereinbarung zu den Themen Dienstplangrundsätze und "Holen aus dem Frei" eingeschaltet wurde, werde sich demnächst mit einem Terminvorschlag an die Betriebsparteien wenden, schreibt Mack.


Versorgung ist gewährleistet

In der Stellungnahme von Helios heißt es weiter: "Im Streikfall kommen wir unserer Organisationsverantwortung nach und bestimmen die Besetzung der Notdienste, sodass die Versorgung unserer Patienten gewährleistet ist. Verdi war nicht bereit, den Entwurf unserer Notdienstvereinbarung mit uns zu verhandeln."
Der Bedarf an Mitarbeitern werde stetig geprüft. Und: "Dort, wo die Einstellung von mehr Beschäftigten sinnvoll und erforderlich ist, stellen wir auch neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Derzeit suchen wir beispielsweise examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger. Vakante Stellen sind auf unserer Internetseite veröffentlicht."