Mindestens 4444 Euro an Spenden erhoffte sich Organist Louis Pörtner (18) im Februar beim Start des Crowdfunding-Projekts "Heimat fördern" der VR-Bank Bad Kissingen. Mit dem Geld sollte eine elektronische Orgel für die Kleinbracher Kirche St. Joachim und Anna gekauft werden. Nach drei Monaten waren sogar 10 222 Euro zusammengekommen, so dass zusätzlich zur Orgel noch eine externe Lautsprecheranlage angeschafft werden konnte. Am Mittwochabend feierten die Kleinbracher in einem festlichen Gottesdienst die Weihe ihrer neuen Orgel, die an diesem Abend erstmals mit vollem Klang das Kirchenschiff füllte.

"Ein freudiger Anlass" war nach den Worten von Pfarrvikar Matthias Karwath dieser erste Gottesdienst in der Kleinbracher Kirche nach den vielen Monaten der Pandemie. Schließlich geschieht es nicht alle Tage und "ist deshalb eine Besonderheit", dass in einer Kirche eine neue Orgel geweiht wird. Karwath dankte dem Organisten Louis Pörtner als Initiator dieser ungewöhnlichen Crowdfunding-Aktion, vor allem aber den 224 Spendern für ihre Freigebigkeit.

"Die Pfeifenorgel soll in der lateinischen Kirche als traditionelles Musikinstrument in hohen Ehren gehalten werden; denn ihr Klang vermag den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben", zitierte Karwath aus der vom Zweiten Vatikanischen Konzil formulierten Konstitution über die heilige Liturgie. "Mit der Musik unserer Orgel ehren wir also Gott."

Die neue elektronische Sakralorgel Gloria Optimus 231, deren Listenpreis der Hersteller Kisselbach in Bauntal mit über 6000 Euro angibt, "wurde Register für Register und Ton für Ton an unseren Kirchenraum angepasst und klingt fantastisch", freut sich Pörtner. Dank ihrer 31 Register ist sie im Klang viel kraftvoller als die alte Orgel, die nur über vier Register verfügte. Auch ist die elektronische Orgel "wesentlich leichter zu spielen, vor allem durch das genormte Pedal", ergänzt der 18-Jährige. "Bei der alten Orgel musste man beim Pedalspielen ganz schöne Verrenkungen machen."

Die Anschaffung der Orgel war notwendig geworden, da die bisherige nicht nur durch den jahrzehntelangen Gebrauch, sondern auch durch das ständig wechselnde Raumklima schon vor Jahren marode geworden war und inzwischen beim Spielen "ächzte und quietschte". Der neuen Orgel, die zudem wartungsfrei ist, soll nach Angabe des Herstellers das wechselnde Raumklima nichts anhaben können.

Als Eigentümerin der Kleinbracher Kirche wäre eigentlich die Stadt Bad Kissingen für den Kauf einer neuen Orgel zuständig gewesen. Am guten Willen der Stadt hatte es auch nicht gelegen, hatte Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) im Februar versichert. Nur war im laufenden Haushalt kein Geld dafür eingeplant, und ob im nächsten Haushalt 2022 das Geld budgetiert würde, wäre letztlich die Entscheidung des Stadtrats, so das Stadtoberhaupt.

Wegen dieser Unsicherheit und um keine weitere Zeit zu verlieren, kam man gemeinsam mit der Kissinger VR-Bank auf die Idee, zur Crowdfunding-Aktion "Heimat fördern" aufzurufen. Die Bank verpflichtete sich dabei, auf jede Einzelspende über zehn Euro noch einmal zehn Euro aus eigener Kasse draufzulegen.

"Eine Besonderheit"

Die Orgelweihe am vergangenen Mittwoch war auch aus einem anderen Grund - wie Pfarrvikar Karwath meinte - "eine Besonderheit": Immerhin verfügt die kleine, im Jahr 1883 geweihte Kirche nun sogar über zwei Orgeln. Denn das alte Instrument wird nicht etwa ausgebaut, sondern verbleibt "selbstverständlich in der Kirche und wird weiterhin den Raum schmücken", versichert Organist Louis Pörtner.