Der damalige Pfarrer Udo Sehmisch, seine Frau Monja, Vertrauensfrau Christine Gehrlein und der Kirchenvorstand hatten die stark veränderte soziale Struktur in der Gemeinde, die durch den Abzug der Amerikaner, den Zuzug von Aus- und Übersiedlern sowie die allgemeine wirtschaftliche Lage entstanden war, frühzeitig erkannt. Sie waren sich einig, dass es notwendig sei, den sozial Schwachen in der Gemeinde mehr Aufmerksamkeit zu widmen. "Wir können Leute, die mit dem Baby auf dem Arm vor unserer Türe stehen, nicht ohne Hilfe gehen lassen", hatte der damalige Pfarrer in seiner Eröffnungsansprache die Initiative zu dieser Aktion begründet. Aus dieser Notwendigkeit heraus wurde von ihnen "Tischlein-deck-dich" gegründet, eine Tafel für Bedürftige.
Brigitte Schüßler und Brigitte Lochner gehören zu denen, die aus derzeit 30 Supermärkten und Bäckereien aus der Umgebung Lebensmittel abholen und verteilen.
"Am Morgen vor der Ausgabe haben die Helfer alle Hände voll zu tun, um die Lebensmittel bedarfsgerecht so aufzuteilen, dass jeder Abholer von allem, was gespendet wurde, etwas bekommt", erzählen die beiden.

Zahl der Bedürftigen nimmt zu

Brigitte Lochner ist bei der Gemeindeverwaltung beschäftigt und dort für alle sozialen Angelegenheiten zuständig. Sie erinnert sich noch gut an die Zeit, als die Hilfsbedürftigen aus der Gemeinde zur Tafel nach Bad Brückenau geschickt wurden, weil es eine solche Einrichtung in Wildflecken nicht gab. "Als bei uns die Tafel 2008 eröffnet wurde, haben 23 Familien von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Heute sind es 43 Familien mit circa 100 Personen, darunter 33 Kinder und Jugendliche", sagen Brigitte Schüßler und Brigitte Lochner und ergänzen: "Obwohl die Einwohnerzahl der Gemeinde in dieser Zeit stark zurückgegangen ist, nimmt die Zahl der Bedürftigen immer noch zu."
Christine Gehrlein, Vertrauensfrau der evangelischen Pfarrgemeinde, bedankte sich in ihrer Jubiläumsansprache bei den Helfern für ihr ehrenamtliches Engagement. Ohne diese Hilfe und Unterstützung wäre es nicht möglich, die Hilfe für Bedürftige aufrecht zuhalten. "Die Helfer sind nicht nur ehrenamtlich tätig, sie stellen auch ihre Fahrzeuge kostenlos für den Transport der Lebensmittel zu Verfügung."
"Wenn neue Kunden unsere Hilfe in Anspruch nehmen, spürt man, dass ihnen der Gang zur Tafel oft schwer fällt", weiß Christine Gehrlein. Die erforderlichen Berechtigungsscheine für die Nutzung der Tafel erhalten sie von der Gemeinde. Bei jeder Ausgabe wird ein Beitrag von 1,50 Euro verlangt. Mit diesen Einnahmen und Spenden werden fehlende Lebensmittel zugekauft. "Dass diese Organisation dringend notwendig ist, erfahren wir immer wieder von den Betroffenen", sagt Christine Gehrlein, die sie sich für die Hilfeleistungen bei den beiden Kirchengemeinden, der Gemeinde und der Brückenauer Tafel herzlich bedankte.
Pfarrerin Daniele Roth freut sich, dass von den Mitarbeitern der Tafel der Wunsch Gottes, "Bedürftigen zu geben, was ihnen zusteht", seit fünf Jahren erfüllt wird. "Ihr habt guten Grund dafür, dieses Jubiläum zu feiern", ermuntert die Pfarrerin die Ehrenamtlichen, mit Gottes Kraft weiterhin für diese soziale Aufgabe tätig zu sein.
Diakon Donald Löw überbrachte die Grüße der katholischen Pfarrgemeinde: "Die Tafel setzt mit Liebe und Hingabe um, was wir predigen. Für diesen Dienst sind wir ,Tischlein- deck-dich' dankbar und hoffen, dass mit Gottes Hilfe die Einrichtung weiterhin eine Herzensangelegenheit in der Gemeinde bleiben möge."

Geldgeschenk

Als eine sinnvolle und notwendige Organisation bezeichnete Bürgermeister Alfred Schrenk die Tafel. Er glaube nicht, dass diese Hilfe in absehbarer Zeit überflüssig werden könnte. Zur Jubiläumsfeier hatte der Bürgermeister ein Geldgeschenk mitgebracht und das Versprechen gegeben, sich nach Beendigung seiner Bürgermeistertätigkeit im nächsten Jahr als Helfer bei "Tischlein-deck-dich" zur Verfügung zu stellen.