Es war am Samstag nicht der erste Auftritt der Poppenrother Musikanten in diesem Jahr, aber ihr erstes Sonderkonzert in der Reihe von fünf Jubiläumsveranstaltungen zur Feier des 20-jährigen Bestehens. Schon beim Einzug in den Saal des Gasthofs "Zur Traube" wurden die 32 Musiker mit starkem Applaus begrüßt.
Diesmal war der Saal nicht ganz so voll besetzt wie vor zwei Jahrzehnten bei der Gründungsversammlung im Jahr 1997. Doch immerhin waren die treuesten Fans aus dem 169 Mitglieder starken Musikverein gekommen und dankten ihren Musikanten mehrmals mit stehenden Ovationen für deren großartige Darbietung. Sehr oft ließ das Können der Musiker sogar vergessen, dass es keine Profis, sondern Amateure sind, die sich nur in ihrer Freizeit zum Musizieren treffen.


Gelungene Auswahl

Mit einer gelungenen Auswahl "bester Melodien aus 20 Jahren" und dem satten Klang ihrer Bigband machten die Musikanten unter Leitung von Jürgen Kröckel diesen Jubiläumsauftritt zu einem Festabend, dem man gern eine größere Bühne gegönnt hätte. Kröckel verstand es zudem, mit launigen Anekdoten zum jeweiligen Musikstück, die begeisterten Fans im Saal in Erinnerungen schwelgen zu lassen.
Vor 20 Jahren hatten die Musikanten noch mit traditioneller Marschmusik begonnen, doch sei es immer sein Wunsch gewesen, so berichtete Kröckel, auch moderne Stücke einstudieren zu können. Dies gelang anfangs vor allem durch Unterstützung von Hans Wolgast, dem damaligen Leiter des Bad Kissinger Rotkreuz-Orchesters, der sein Notenarchiv öffnete.


Musikalischer Wandel

Den musikalischen Wandel von der klassischen Blaskapelle zur modernen Bigband zeigte Kröckel zu Beginn des Programms mit dem Wechsel vom Florentiner Marsch zum Nord-Süd-Express, einem Potpourri "aus bekannten Liedern von Hamburg bis München".
Mit den ersten Honoraren "konnten wir uns endlich modernes Notenmaterial kaufen". Als Beispiele dieser Jahre waren Second Waltz und das Titel-Medley der Fernsehsendung "Musik ist Trumpf" zu hören. "Wir wurden von Jahr zu Jahr besser", war Kröckel stolz auf die Entwicklung der Bigband. Als Glücksfall für die Poppenrother stellte er den Trompeter Sascha Pfrang vor, der nach der Ausbildung beim Marinemusikkorps in Kiel das Poppenrother Blasorchester verstärkte. Auch an diesem Abend begeisterte Pfrang mit seinen Solo-Passagen beim Dessauer Marsch.
Ihre Aufgeschlossenheit für moderne Musik zeigte die Bigband gegen Ende des Programms mit bekannten Melodien aus Filmen und Musicals, aus Swing und Pop. Man spürte die Begeisterung. Interessant zu beobachten war auch der rasche Wechsel innerhalb der Rhythmusgruppe, wenn einzelne Musiker zwischen ihren verschiedenen Instrumenten hin- und herhasten mussten, um den oft nur kurzen Einsatz mit einem anderen Schlaginstrument nicht zu verpassen.
Zu Beginn des Konzertabends hatte Stadtrat Sigismund von Dobschütz als Vertreter der Bürgermeisterei den Poppenrother Musikanten für ihre Einsatzfreude gedankt und im Wissen um heutige Schwierigkeiten anderer Vereine dem Dirigenten Jürgen Kröckel und dem Vereinsvorsitzenden Kurt Müller eine glückliche Hand für die Zukunft gewünscht.
Schon 20 Jahre seien nicht einfach zu überstehen gewesen, hatte Müller zuvor in seiner Begrüßung angemerkt: "Man muss die Leute zusammenhalten. In anderen Orten geben viele Musikkapellen auf - wie die Dorfmusikanten Römershag." Doch mit der aktuellen Situation in Poppenroth sei er als Vereinsvorsitzender zufrieden: "Wir haben einen guten Stand - personell und musikalisch."

Jubiläumsveranstaltungen:
6. Juli: Kammerkonzert, Poppenrother Kirche,
6. August: Gartenparty, Gasthof Zur Traube,
3. Oktober: "Open Ähre", Wasserreservoir,
17. Dezember: Weihnachtskonzert, Poppenrother Kirche