Wie versteinert steht Amke da. Ihren Arm hat sie nach vorne gestreckt. In der Hand hält sie ein Gerät. Es misst die Lichtstärke und reagiert sehr empfindlich. Deshalb müssen ihre Mitschüler auch etwas Abstand halten. Konzentriert achtet Amke darauf. "Das Gerät zeigt jetzt 39 an", sagt sie nach kurzer Zeit. "Das ist doch viel zu dunkel", stellt Laura fest und trägt die Ziffern in eine Tabelle ein. "Richtig", lobt Brigitte Krieglstein.


Sie ist Fachberaterin vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und im Rahmen der Initiative Land-Schafft-Energie derzeit im Landkreis Bad Kissingen unterwegs, um über die Energiewende im ländlichen Raum zu informieren. Jetzt besuchte sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Barbara Schatz die Grundschule in Steinach, um die Jungen und Mädchen der dritten Klasse im Rahmen des Heimat- und Sachunterrichtes zu Energie-Detektiven auszubilden.


Vieles ist den Kindern neu

"Am Anfang war das ganz schön schwer", erzählt Amkes Klassenkameradin Emilia. Vieles, was Brigitte Krieglstein erzählt hat, sei neu für sie gewesen, wie etwa, dass es fossile Brennstoffe gibt. "Die sind nicht erneuerbar und endlich", erklärt das achtjährige Mädchen.

Auch darüber, wie Strom momentan erzeugt wird, welche Auswirkungen das auf unser Klima hat und wie man Energie sparen kann, hat die Beraterin mit den Kindern gesprochen. Die Jungen und Mädchen waren regelrecht fasziniert davon. Ihr neu angeeignetes Wissen konnten die 26 Drittklässler dann bei einem speziellen Test unter Beweis stellen und bei einem Schulhausrundgang anwenden. Dabei ging es in erster Linie darum festzustellen, ob in dem Gebäude Energie verschwendet wird. Die Kinder waren vom Ergebnis sichtlich überrascht.

So zum Beispiel im Flur, wo Amke und ihre Arbeitsgruppe gerade stehen. Das Licht ist ausgeschaltet, so dass das Messgerät eine Lichtstärke von nur 39 Lux anzeigt. Das ist eindeutig zu dunkel, stellen die Jungen und Mädchen fest. "Wie viel Lux wären denn ideal?", fragt Brigitte Krieglstein. "Einhundert", rufen die Kinder. Also machen sie das Licht an und lassen Amke erneut messen. Diszipliniert wahren sie den erforderlichen Abstand. "Jetzt zeigt das Gerät 220 an", sagt Amke. "Das sind jetzt aber 120 zu viel", stellt Marie entsetzt fest.


Was beim Lüften zu beachten ist

Brigitte Krieglstein muss schmunzeln. Zeit dafür, um zu besprechen, wie man das Problem lösen könnte, bleibt ihr nicht. Denn schon sind die Kinder mit ihren Messgeräten im nächsten Klassenzimmer, dem Matheland, verschwunden.

Hier ist es stickig und warm. Vermutlich, weil in dem Raum noch vor wenigen Minuten richtig konzentriert gearbeitet wurde. Lange lassen sich die Kinder nicht bitten und greifen zum Temperatur-Messgerät. Diesmal ist Wan an der Reihe: Sie setzt sich an einen Tisch und hält den Fühler Richtung Arbeitsplatte. Ein roter Leuchtpunkt erscheint, dann piepst es leise. 23,7 Grad Celsius werden angezeigt. "Hier ist es eindeutig zu warm, 20 Grad Celsius reichen aus", sagt Brigitte Krieglstein.

Dann fragt sie die Kinder, was zu tun sei. Lüften, antworten sie. Johannes läuft sofort zum Fenster und bringt ein Schild am Griff an. Darauf steht die Aufforderung: Richtig lüften. Dann geht er zur Heizung und überprüft das Thermostat. "Es steht auf drei. Das ist in Ordnung. Aber beim Lüften muss man sie auf Null runterdrehen", sagt er. Schließlich bringt Emilia zum Abschluss noch einen Aufkleber am Lichtschalter an. "Sei ein Fuchs und spare Lux", ist darauf zu lesen.

So geht die Tour noch eine ganze Weile weiter, bis schließlich fast jeder Winkel des Schulhauses einer Prüfung unterzogen und mit Energiespartipps versehen wurde. "Eigentlich könnte man mehr daraus machen und die notierten Messwerte noch auswerten", sagt Brigitte Krieglstein. Doch heute bleibt keine Zeit dafür, die Unterrichtszeit ist fast vorbei.

Jetzt bekommen die Kinder die Ergebnisse des Wissenstests mitgeteilt: "Ihr habt alle bestanden und seid jetzt richtige Energiedetektive", sagt die Beraterin und verteilt Urkunden. Stolz nehmen Amke, Emilia und die anderen Klassenkameraden diese entgegen und gehen nach Hause.

Brigitte Krieglstein indes packt ihre Utensilien zusammen. Ihr haben die Vormittage in Steinach gut gefallen. "Manche Kinder wissen schon richtig viel. Man merkt ihnen an, dass das Thema zu Haues kommuniziert wird", sagt sie. Andere hingegen seien noch sehr unbedarft, entwickeln aber während der drei Tage ein enormes Interesse. Und damit ist dann schon viel erreicht.