Tatjana schaut zu, wie sich ihr Sohn schlägt. Der Stolz ist ihr trotz Maske anzusehen. Nach zehn Jahren Training wird Dennis Gründl (15) zum Schwarzgurt für Erwachsene geprüft. Und er macht seine Sache richtig gut. "Als Kind habe ich immer Karate Kid gesehen und wollte selber Karate lernen, aber daraus ist nichts geworden", sagt die Mutter "Da habe ich für meinen Sohn eine Möglichkeit gesucht und wir sind hier hängen geblieben." Schnell hat sie gemerkt: Das ist das Richtige für Dennis.

"Der Umgang miteinander, der Respekt und dass er so als Mensch angenommen wird, wie er ist - das tut ihm psychisch und körperlich sehr gut." Auch wenn Dennis zwischendurch mal Hänger in der Motivation hatte: Er hat sich durchgebissen und es bis hier hin geschafft. "Mir macht es vor allem Spaß mich auszupowern, Neues zu lernen und Selbstverteidigung zu machen", sagt der frische Schwarzgurtträger. Die Prüfung ist für ihn ein Meilenstein und Motivation zugleich, weiterzumachen.

Zusammen mit der ebenfalls 15-jährigen Lia Dori ist Dennis im Kampfkunststil Uechi-Ryu zum schwarzen Gürtel als Erwachsener geprüft worden. Die beiden Jugendlichen mussten ihr Können vor einer dreiköpfigen Prüfungsriege von ranghöheren Karatekas unter Beweis stellen. Bestandteile waren Partnerübungen, Katas, technische Übungen, Theorie und Sparring (Freikampf). Lia ist erst seit drei Jahren dabei und kann jetzt ihren rot-schwarzen Junior-Blackbelt ablegen. Ihr Arzt hatte ihr wegen einer Verformung der Wirbelsäule empfohlen, sich einen Sport zu suchen, da kam das Karate-Training gerade richtig. Sie ist stolz, ihr Ziel, den schwarzen Gürtel für Erwachsene, erreicht zu haben. Aber sie weiß, das ist erst der Anfang. Denn Karate ist eine stetige Weiterentwicklung, auch der eigenen Persönlichkeit.

"Wir sind froh, dass wir diese Prüfung durchführen konnten", sagt Andreas Haberzettl, Inhaber der Kenyukai Karate Schule in Bad Kissingen "Aufgrund der aktuellen Situation machen wir in geschlossenen Räumen lieber mehrere, kleine Prüfungen von zwei Personen, als eine große." Für ihn als Karatelehrer bedeutet es viel, wenn Kinder und Jugendliche, die er teils schon jahrelang begleitet, zum Schwarzgurt geprüft werden. "Wenn das Können da ist, darf auch in diesem Alter zum Erwachsenen-Schwarzgurt geprüft werden" ,erklärt Haberzettl. "Die beiden haben seit dem Sommer einen großen Sprung gemacht. Da hat sich in ihrer Entwicklung richtig viel getan", sagt er stolz.

Auch Gudrun Osti-Führer (5. Dan), eine der Prüferinnen, ist zufrieden mit ihren Schützlingen. "Sie haben Kampfgeist, Konzentration und Wille gezeigt. Es war das Blitzen in ihren Augen zu sehen", sagt sie anerkennend. "Oft wird über die Jugend geschimpft, die angeblich nur chillen will. Das ist hier nicht der Fall. Hier sieht man, dass sich Pubertierende aufraffen und durchbeißen können."

Nach der Prüfung ist Tatjana begeistert: "Das ist eine richtige Karate-Familie. Man hat immer ein willkommenes Gefühl. Und wer weiß, wenn es die Arbeitszeiten erlauben: Vielleicht fange ich auch noch an!"