Als die Fußballerinnen des FC Hammelburg vor fast genau 40 Jahren im Endspiel um den unterfränkischen Damen-Fußball-Pokal auf den FC 05 Schweinfurt trafen, da war Fortuna den Saalestädterinnen nur 90 Minuten lang hold. Dann fingen sie sich quasi mit der letzten Aktion ein unglückliches Gegentor. Der damalige Trainer Georg Struse und Kornelia Hergenröther erinnern sich noch gut daran.

Frauenfußball hat beim FC Hammelburg seit dem Jahr 1970 eine lange, auch sportlich gesehen erfolgreiche Tradition. Und doch musste das Team sich immer wieder neu erfinden; längere Durststrecken und Spielpausen blieben dabei nicht aus. Bereits vor der Corona-Pandemie hatten sich die FC-Frauen erneut vom regulären Spielbetrieb abmelden müssen. Die Nachwuchsgewinnung wurde in der Saalestadt trotz etlicher Anläufe immer wieder zum Problem.

Erich Schneider hatte die Idee

Als der mittlerweile verstorbene Erich Schneider zu Beginn der 1970er Jahre den Frauenfußball in Hammelburg initiierte, wurde dieses Vorhaben auch vereinsintern noch recht skeptisch gesehen. Und dennoch kamen zum ersten Spiel gegen den SV Münnerstadt geschätzte 1000 Zuschauer. Was vermutlich auch daran lag, dass man die Premiere des Hammelburger Frauenfußballs mit dem traditionellen Weinfest zusammenlegte.

Zwar wurde das Auftaktmatch mit 0:3 verloren, nichtsdestotrotz traten im Folgejahr 25 Spielerinnen die Saison in der Schweinfurter Gruppe an, um dort auf Anhieb den 2. Platz zu belegen. Unter Coach Gerd Winter errangen die FC-Kickerinnen drei Meistertitel und spielten sogar in der nordbayerischen Damen-Verbandsliga. Georg Struse führte das Team 1986 ins Finale um die unterfränkische Meisterschaft.

In der Folge wurde es immer mühseliger, sportlichen Nachwuchs fürs Damenteam zu gewinnen. Dennoch feierten die FC-Fußballerinnen 1992 einen Bezirksliga-Aufstieg. Das vorläufige Aus für die Damenmannschaft kam aber schon drei Jahre später. Der FC musste den Spielbetrieb nach 25 Jahren erstmals einstellen.

Zwar konnte der FC den Frauenfußball Jahre später wieder sehr erfolgreich ins Rollen bringen. Doch auch dann gestaltete sich die Nachwuchsgewinnung im Juniorinnen-Bereich sehr schwierig.

Klare Außenseiterinnen

Wieder einige Jahre zurück: Am 12. Juni 1981 trafen die Frauen des FC Hammelburg im Finale des unterfränkischen Pokals auf den FC Schweinfurt 05. Die Saalestädterinnen waren in diesem Match, das in Bad Kissingen ausgetragen wurde, klare Außenseiterinnen. Und doch stand es nach zweimal 35 Minuten regulärer Spielzeit 0:0.

Vor rund 100 Zuschauern hatten die FClerinnen gegen spielerisch überlegene Schweinfurterinnen mit kluger Defensivtaktik überzeugt und viel Kampfgeist und Einsatzfreude unter Beweis gestellt. Äußerst unglücklich kam die Niederlage in der Nachspielzeit zustande, die zweimal zehn Minuten dauerte.

In sprichwörtlich letzter Sekunde bekamen die Schweinfurterinnen einen Freistoß zugesprochen, obwohl eine Spielerin vermutlich ohne entscheidende Einwirkung einer Gegnerin unglücklich zu Fall gekommen war. Der Freistoß prallte zu allem Überdruss von der angeschossenen Hildegard Mährlein unhaltbar für Torfrau Erika Franz in die Hammelburger Maschen ab. Mehr Pech binnen weniger Sekunden geht wohl kaum.

Die Hammelburgerinnen konnten trotz der 0:1-Niederlage von sich behaupten, gegen ein unterfränkisches Spitzenteam eine bärenstarke Leistung abgeliefert zu haben. Gewertet wurde der Treffer dann übrigens als Eigentor, weil Hildegard Mährlein dem umstrittenen Freistoßball - vollkommen unabsichtlich - die entscheidende Richtungsänderung mitgegeben hatte, sodass die Kugel unweigerlich im Netz landete.

Trainer musste mächtig improvisieren

Trainer Georg Struse hatte schon vor dem Anpfiff mächtig improvisieren müssen und stellte aufgrund von Verletzungspech seine Spielmacherin Erika Franz zwischen die Pfosten. "Das war damals eigentlich eine unserer besten Spielerinnen auf dem Feld", erinnert sich Struse. "Später ist sie ja sogar nach Schweinfurt gewechselt. Aber in diesem Spiel hatte ich sonst niemanden, den ich ins Tor stellen konnte."

Und die sonst so wichtige Spielmacherin aus dem Mittelfeld machte ihre Sache als Ersatz-Keeperin außerordentlich gut, bewies in brenzligen Szenen immer wieder kühlen Kopf und bewahrte die FClerinnen aus Hammelburg vor einem frühen Rückstand. Im zweiten Durchgang hätten die Saalestädterinnen sogar ziemlich überraschend in Führung gehen können, als Sonja Beck den Pfosten des Schweinfurter Kastens anvisierte.

In der Verlängerung übernahmen die FClerinnen von der Saale urplötzlich das Kommando und wollten die Entscheidung noch vor dem Elfmeterschießen erzwingen. Als Hammelburgs Stürmerin Kornelia Hergenröther den Ball gegen die Querlatte setzte, da hätte sich das Struse-Team längst einen Treffer verdient gehabt. Mit langen Bällen auf Kornelia Hergenröther und Sonja Beck verschafften sich die tiefstehenden Hammelburgerinnen immer wieder den nötigen Raum für Konter. Die stürmischen Angriffe der 05er wehrten Hildegard Mährlein, Hildegard Fröhlich und Ingrid Ebert geschickt ab.

"Es war wie so oft im Fußball, wenn ein höherklassiges Team auf einen kleineren Verein trifft. Für den vermeintlich Kleinen geht dann im Spiel doch deutlich mehr als erwartet", blickt der damalige Trainer Georg Struse zurück. "Letztlich war es eine unglückliche Niederlage mit einem späten Eigentor. Ob es wirklich die allerletzte Spielminute war, kann ich nach über 40 Jahren nicht mehr genau sagen. Auf jeden Fall war es schon sehr spät in der Verlängerung", ist sich Struse sicher. "Schweinfurt hätte sicherlich von der Klasse her höher gewinnen müssen."

Letztlich titelte die Saale-Zeitung damals sehr treffend: "Glücksgöttin Fortuna stand den 05erinnen bei." Für Kornelia Hergenröther steht bis heute fest: "Die Schweinfurterinnen waren sowieso immer unser heimlicher Angstgegner. Ich kann mich nur an einziges Mal erinnern, dass wir die bezwingen konnten. Ansonsten haben wir leider immer verloren. Das war aber auch logisch, denn die Schweinfurterinnen haben meistens recht hochklassig gespielt."