Der Konzertnachmittag "Oerlenbach ganz Chor" in der Wilhelm-Hegler-Halle übertraf alle Erwartungen. Wunderbare Liedvorträge von sechs Chören, ein bis auf den letzten Platz vollbesetztes Haus und ein frohes Miteinander, das die Gastgeber allen Gesangsfreunden schenkten. Dieser vorzügliche Rahmen passte, um mit Bruno Hrubesch und Josef Zatloukal, zwei Sänger, die seit 60 Jahren ihrem Hobby frönen, zu Ehrenmitgliedern zu ernennen.
Der gastgebende "Liederkranz" hatte das Sängertreffen gründlich vorbereitet. Die Halle war herbstlich geschmückt, die Kaffeetafel reichlich gedeckt, mit den Chören ein abwechslungsreiches Programm abgestimmt. Die Besucher konnten Liedvorträge von Klassik bis Moderne genießen. Jeder Verein stellte sich mit einem kurzen Statement zur Vereinsgeschichte und aktueller Chorarbeit vor.


Der Chor "Intakt"

Den Anfang machte der 1883 gegründete Gesangverein Garitz, dessen Chor "Intakt" mit 35 Aktiven (Leitung Stefan Ammersbach) mit modernen Kompositionen wie "Hallo" von Oliver Gries, "Hakuna Matata" von John Elton und Tim Rice und "Mama Loo" von Les Humphries die Zuhörer begeisterte.


Neuer Dirigent beim "Liederhort"

Erstmals unter seinem neuen Dirigenten trat der Männergesangverein "Liederhort" Ebenhausen auf. "Singen macht uns riesigen Spaß, aber wir brauchen bei einem aktuellen Durchschnittsalter von fast 70 Jahren dringend eine Verjüngung", machte Vorsitzender Istvan Stephan gegenwärtige Aktivitäten deutlich. Dass die Sänger ihr Metier beherrschen, belegten sie mit Weisen wie "Musik erfüllt die Welt", "Ich hab den Wind belauscht" und passend zum Herbst "Weinland".


Frauen-Power

Einen Gegenpunkt setzte der Jugendchor "Chorisma" unter Antje Kopp und am Klavier begleitet von Kerstin Back und Antonia Kopp. Die jungen Damen zwischen 12 und 21 Jahren aus 13 Orten in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld widmen sich vorrangig dem Pop, Rock, den Gospels und afrikanischen Liedern. Mit ausgezeichneter Stimmausbildung überzeugten sie mit Titeln wie "Aber bitte mit Sahne" von Udo Jürgens, "Heal the world" von Michael Jackson und "One of us" von B. Bazilla. Das Publikum war begeistert, der Chor bedankte sich mit Zugaben.


Leichte Änderungen im Programm

Gefeit vor Krankheit ist niemand, heimgesucht waren einige Männer der "Sängerlust" Steinach, so dass Chorleiterin Andrea Metzler das vorgesehene Programm leicht ändern musste. Das tat den Vorträgen - "Looking in your eyes again" als lustige Liebesgeschichte, "Sou a Schöpple Frankawei" und "Froh sein, beieinander bleibn" - keinen Abbruch.
Ebenfalls dezimiert - von 53 Aktiven konnten nur 30 anreisen - musste der Chor "Frohsinn" Riedenberg, der schon beim Bundesleistungssingen mitmachte, Ausfälle verkraften. Doch die Sängerinnen und Sänger meisterten ihr Programm bravourös.


Der Gastgeber zum Schluss

Wie es sich für einen Gastgeber gehört, rundete der einheimische Chor "Liederkranz" Oerlenbach (Leitung Nikolaus Metz) den Nachmittag ab. Eine tolle Idee eröffnete den Part: Den Refrain "Sing, shout, clap your hands" probte der Chorleiter zunächst mit dem Publikum ein und holte nach und nach die einzelnen Chorstimmen auf die Bühne, ehe der Song im großen Chor alle mitriss. Begeistert nahmen die Gäste Lieder wie "Mambo", "Aber dich" und "Irgendwann", die Nikolaus Metz eigens für seinen Chor arrangiert hatte, auf.
Siegfried Gottwald, Kreisvorsitzender des Fränkischen Sängerbunds, lobte die Veranstaltung in den höchsten Tönen: "Dieser Chornachmittag war eine tolle Idee, die eine Neuauflage fordert. Wir alle durften wunderbare Vorträge genießen, allen meine Anerkennung!" Ganz besonders würdigte er Josef Zatloukal, der im Jahr 1956 in den damaligen Gesangverein Eltingshausen eintrat, nach dessen Auflösung er nach Oerlenbach ging und bis heute dem Chorgesang treu blieb. "Sie haben sich ein Leben lang dem Singen und damit der Freude für die Mitmenschen gewidmet. Ihr Beispiel verdient unser aller Hochachtung", fasste er zusammen und überreichte Urkunden und Ehrennadeln des Fränkischen Sängerbunds und des Deutschen Chorverbands.


Stützen in der Basslage

Der Würdigung schoss sich Vorsitzende Gudrun Krammer an und ernannte Josef Zatloukal wie auch Bruno Hrubesch zu Ehrenmitgliedern. "Ihr beide seid Stützen in der Basslage. Wir können immer auf euch zählen. Wir sind froh euch zu haben und hoffen, dass ihr noch lange mit eurer Stimme begeistern könnt", blickte sie voraus. Besonderen Dank verdiene, dass Josef Zatlokal seit Jahrzehnten auch als Kassenprüfer im Verein fungiere, während über Jahre hinweg Bruno Hrubsch sich als stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer zur Verfügung stellte.


Bleibe und Liebe gefunden

"Singen macht uns einfach Spaß. Wie lieben Geselligkeit und Frohsinn. In der Chorgemeinschaft fühlen wir uns immer wohl", sagte Josef Zatloukal. Er kam nach der Vertreibung aus dem Sudetenland nach Eltingshausen und fand Bleibe und Liebe. Hier schloss er sich dem Chor unter Hubert Stickelmeier an. Allerdings löste sich die Gruppe mangels Sänger in den 60er Jahren auf.
"Inge Hierold motivierte uns Eltingshäuser, sich in Oerlenbach einzugliedern. Das gelang uns bestens. Wir fühlen uns bis heute bestens aufgenommen", sagte Zatloukal weiter. Bruno Hrubesch kam als junger Mann 1962 zum Bundesgrenzschutz nach Oerlenbach. "1963 sang ich das erste Mal bei einem Auftritt in Pfändhausen unter der Leitung von Willibald Lutz mit. Ein Jahr später stellte ich mich als Fahnenträger zur Verfügung. Es folgte Verantwortung in der Vorstandschaft. In diese Zeit fielen die Besuche des Chores 'Deo Sacrum' aus Holland", erinnert er sich.