Schon in vergangenen Jahren stieg in Deutschland die Zahl der Nichtschwimmer. Nach Schließung städtischer Hallenbäder musste an vielen Grundschulen der Schwimmunterricht entfallen. Private Schwimmkurse sind ausgebucht, die Wartelisten sind lang. Auch bei der Bad Kissinger Physiotherapeutin und Schwimmlehrerin Anja Kirchner (34) reicht die Warteliste für zwei Jahre. Als wegen der Pandemie nun auch noch alle anderen Bäder schließen mussten, drehte sie kurzerhand mehrere Video-Clips, in denen sie auf Youtube, Facebook und Instagram jungen Eltern zeigt, wie sie selbst aktiv werden und ihren Kleinkindern oder Vorschulkindern das Schwimmen beibringen können und was sie dabei beachten sollten.

"Ich kann ohne Wasser nicht leben." Schon als Vierjährige machte die gebürtige Dresdenerin Anja Kirchner ihr "Seepferdchen". Als Sechsjährige schickten sie die Eltern in den Schwimmverein. Wasser war ihr Element. Wenn sie als Kind etwas verbockt hatte, durfte sie nicht zum Schwimmen. "Das war für mich die Hölle." Zum Glück geschah dies selten, schmunzelt die heute 34-Jährige.

Die Zahl der Badetoten steigt: Digitaler Schwimmunterricht soll dem entgegen wirken

Aus Liebe zum Wasser machte sie nach dem Realschulabschluss zunächst bis 2003 den Beruf der Fachangestellten für Bäderbetriebe, ließ sich dann aber von 2009 bis 2012 zur Physiotherapeutin ausbilden. "Ich wollte etwas für die Menschen machen und therapeutisch am Wasser arbeiten." Seit Frühjahr 2013 arbeitet sie in der Bad Kissinger KissSalis-Therme.

Während ihrer Ausbildungsjahre zur Physiotherapeutin finanzierte sie sich ihren Lebensunterhalt durch Schwimmkurse für Babys und Kleinkinder. Schon damals stieg die Zahl der Nichtschwimmer unaufhörlich und nicht zuletzt deshalb auch die der Badeunfälle. Im März meldete die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) 378 Menschen, die im Jahr 2020 beim Baden ertrunken sind, davon 234 allein in den drei Sommermonaten Juni bis August. Knapp 90 Prozent der Badetoten starben beim Baden in Binnengewässern.

Fast 60 Prozent der Grundschulabsolventen sind unsichere Schwimmer, heißt es zudem im DLRG-Bericht. Deshalb ermuntert Anja Kirchner junge Eltern, schon mit ihrem Baby ins Wasser zu gehen, sobald es selbst den Kopf selbst halten kann. "Man kann als Eltern nichts verkehrt machen."

Rat an die Eltern: Kein Druck beim Schwimmunterricht

Auch für später rät die Schwimmlehrerin den Eltern, auf ihr Kleinkind beim Schwimmenlernen keinen Druck auszuüben, sondern es spielerisch zum Schwimmen hinzuführen und ihm jede Freiheit zu lassen, "das Element Wasser kennenzulernen und selbst die Freude daran zu entwickeln". Kleinkinder sollten frühzeitig lernen, ohne Angst ins Wasser zu springen, zu tauchen, unter Wasser die Augen offen zu halten und auf der Wasseroberfläche zu schweben. Wenn das Kind dann im Vorschulalter ist, sollten ihm die Eltern das richtige Schwimmen ohne Hilfsmittel beibringen und es möglichst noch vor dem Schulstart das Seepferdchen-Abzeichen machen lassen.

Schwimmen lernen für die ganz Kleinen: Hier gibt es passende Literatur dazu

"Doch auch nach bestandener Seepferdchen-Prüfung ist ein Kind noch kein sicherer Schwimmer", warnt die erfahrene Schwimmlehrerin. "Das Kind muss im Wasser immer noch beaufsichtigt werden." Wichtig ist deshalb vor allem, weiterhin mit dem Kind regelmäßig zum Schwimmen zu gehen, um ihm auf Dauer mehr Sicherheit zu geben. Denn längere Schwimmpausen lassen die Kinder das Schwimmen wieder verlernen oder verringern zumindest die körperliche Leistungsfähigkeit.

So waren nach Angaben der DLRG auch die Badetoten des Jahres 2020 keineswegs nur Nichtschwimmer. Wegen des Lockdowns und der geschlossenen Bäder sowie deshalb fehlender Möglichkeiten zum Schwimmen seien "viele Menschen nicht mehr an den Aufenthalt im Wasser gewöhnt und überschätzen sich", vermutet die DLRG als weitere Ursache.

Schwimmsport schont Muskeln, kräftigt Herz und Lunge

"Als Schwimmerin bin ich natürlich ein Fan des Wassers", schwärmt Physiotherapeutin Anja Kirchner und empfiehlt nicht nur Kindern, sondern Menschen aller Altersstufen den Schwimmsport vor allem anderen. Nicht nur, dass im Wasser - im Gegensatz zu Sportarten an Land - "das Verletzungsrisiko am geringsten" ist, sondern Schwimmen ist gelenkschonend, beansprucht alle Muskeln gleichmäßig, kräftigt Herz und Lunge, "und man verbrennt fünf Mal mehr Kalorien als bei anderen Sportarten".

Da das Herz der 34-Jährigen nicht nur am Schwimmen, sondern auch an Kindern hängt, bietet sie gemeinsam mit einer KissSalis-Kollegin in den Sommerferien zwei jeweils zweiwöchige Crashkurse für Grundschulkinder ab sechs Jahre als ihren Beitrag für das Ferienprogramm der Stadt Bad Kissingen an. Anmeldungen für die beiden Schwimmkurse sind ab sofort ausschließlich über die Stadtjugendarbeit im Rathaus möglich.

Anja Kirchners Video-Clips zum Baby- und Kinderschwimmen:

# Youtube:https://www.youtube.com/channel/UCf7V9Y9Icslp3MHCpjc7TJw

# Facebook: https://www.facebook.com/kiranja

# Instagram: https://www.instagram.com/anja_wasserkind/

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