Zugige Fenster, alte Toiletten und muffige Turnhallen. In keinem Bereich in Deutschland ist der Investitionsstau so deutlich zu sehen, wie an Schulen. Auch im Landkreis Bad Kissingen gibt es in einigen Gemeinden Nachholbedarf. So will Nüdlingen die Schlossberg-Grundschule abreißen und neu bauen lassen (zehn Millionen Euro), in der Großen Kreisstadt wird aktuell die Sinnberg-Grundschule erweitert (vier Millionen Euro), außerdem ist der Neubau der Henneberg-Grundschule in Planung und in Bad Bocklet sollen Grund- und Mittelschule neu errichtet werden. In Zeitlofs steht die Generalsanierung der Grundschule bevor (3,3 Millionen Euro) und Maßbach will ab 2021 einen Hort an seiner Grundschule anbauen (2,8 Millionen Euro).

"Schulen sind eine wichtige Infrastruktur für die Kommunen", sagt Matthias Klement (CSU), Kreisverbandsvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags und Bürgermeister von Maßbach. Sind die Schulen ordentlich ausgestattet und baulich in gutem Zustand, können sie gerade für kleine Gemeinden ein Argument sein, aus dem Bürger sich im Ort niederlassen.

Aber: Schulen sind nicht nur eine wichtige Infrastruktur, sondern auch eine teure. Und eine, in der Investitionen gerne auf die lange Bank geschoben werden. Das Kommunalpanel der KfW Bankengruppe und des Instituts für Urbanistik beleuchtet die Finanzlage in deutschen Kommunen und erhebt, in welchen Bereichen mehr investiert werden müsste. Im aktuellen Panel beziffern die Autoren den Investitionsrückstand deutschlandweit auf 147 Milliarden Euro.

Rund ein Drittel davon, nämlich 44,2 Milliarden Euro, müsste für Schulen ausgegeben werden. Der zweitgrößte Sanierungsstau betrifft die Straßen: Hier müssten die Kommunen 37,1 Milliarden Euro ausgeben, um alle nötigen Projekte abzuarbeiten. Die Autoren befürchten, dass durch die Corona-Krise wichtige Investitionen verschoben werden und dass sich der Investitionsrückstand noch weiter auftürmt.

Die Redaktion hat alle 26 Kommunen im Landkreis nach dem baulichen Zustand ihrer Schulen befragt. Die vier Städte Bad Kissingen, Hammelburg, Münnerstadt und Bad Brückenau sowie die 22 Gemeinden unterhalten 20 Grund- sowie zwölf Mittelschulen an mehr als 30 Standorten. Alle Kommunen haben die Anfrage - mehr oder weniger ausführlich - beantwortet. Das Ergebnis: In den vergangenen Jahren hat der Großteil der Kommunen viel Geld in seine Schulen gesteckt.

Ein Drittel mit Sanierungsbedarf

Das ist auch nötig: Zahlreiche Schulhäuser haben mehr als 50 Jahre auf dem Buckel. Rund 69 Millionen Euro wurden in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren für umfassende Sanierungen ausgegeben, etwa in Bad Brückenau, Wildflecken, Elfershausen, Burkardroth und Bad Kissingen. Dazu kommen noch einmal Einzelinvestitionen und Instandsetzungen für rund 3,5 Millionen Euro seit 2015. Dementsprechend sehen die Rathäuser die Mehrheit der Schulgebäude als in einem einwandfreien Zustand an (siehe Grafik). Bei zwölf Schulen muss dringend saniert werden.

In Bezug auf die schulische Infrastruktur stehen die Kommunen im Kreis Bad Kissingen im Vergleich gut da, findet Klement. Schlechter sieht der Lokalpolitiker die hiesigen Gemeinden bei den Straßen aufgestellt. "Ich glaube, dass einiges im Argen ist, was die Kanäle betrifft. Da sind Investitionen geschoben worden", sagt er. Aber gerade kleinere Orte müssten ihre Prioritäten genau setzen und politisch abwägen, wie sie ihre Finanzen verwenden. "Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden."

Weiterhin hohe Fördergelder?

Dass die Kommunen zuletzt einiges in die Schulen investiert haben, wurde sowohl von der allgemein guten wirtschaftlichen Situation begünstigt, als auch von den üppigen Fördergeldern und anderen Finanzhilfen, die die Regierung bereitgestellt hat. Klement hofft, dass der Freistaat seine Unterstützung wegen Corona nicht zurückfährt. "Die Regierung hat ein Interesse daran, den Kommunen zu helfen", betont er.

Dass eine Schule durchsaniert oder neugebaut ist, bedeute nicht, dass Bürgermeister, Verwaltung und Gemeinderäte sich entspannt zurücklehnen können. "Der Mittelbedarf wird weiterhin sehr groß bleiben", sagt Klement. Zum Beispiel wenn es darum geht, die Digitalisierung an den Schulen flächendeckend umzusetzen.

In der Vergangenheit wurden immer wieder Schulen geschlossen. Zuletzt hat es vor vier Jahren die Mittelschulen in Euerdorf und Schondra sowie vor zwei Jahren die Grundschule in Thundorf getroffen. Der Thundorfer Gemeinderat hatte sich gegen die Sanierung entschieden. "Aus finanzieller Sicht ist das nachvollziehbar", meint Klement. Gerade im Grundschulbereich sei es für die Kinder aber wichtig, die Schule nah am Wohnort zu haben, getreu dem Motto "kurze Wege für kurze Beine". Kleine, dezentrale Schulen kosten zwar Geld, aber sie bieten kleinere Klassen und damit eine individuellere und familiärere Betreuung. Klement hofft, dass es in den nächsten Jahren nicht zu weiteren Schulschließungen kommt. "Aber das ist natürlich nicht auszuschließen", sagt er.