Die baisikl GmbH wurde im Januar in Kooperation mit der Mittelschule gegründet. Das Unternehmen vertreibt Fahrräder, Bekleidung und Zubehör und hat dafür auch einen Katalog erstellt. Als Patenfirma konnten die Schüler das Hammelburger Fachgeschäft "Heikos Radschuppen" gewinnen.

Das Unternehmen spiegelt die reale Geschäftswelt wieder. "Waren und Geld sind zwar nicht wirklich vorhanden, alle kaufmännischen Tätigkeiten werden jedoch tatsächlich durchgeführt", erläuterte Fachbetreuer Burkard Volk. Um das Geschehen so realistisch wie möglich zu gestalten, stellt die Zentrale für Übungsfirmen der bayerischen Wirtschaftsschulen den fiktiven Unternehmen eine Fülle von Dienstleistungen bereit.
Hierzu gehören Krankenkasse, Finanzamt, Amtsgericht mit Handelsregister, Bausparkasse sowie Bankverbindungen.

Zudem gibt es ein Online-Portal mit dem alle fiktiven Betriebe arbeiten. Das Portal bildet mit einer speziellen Software auch sämtliche Geschäftsprozesse ab. "Die Übungsfirma ist über ein Netzwerk mit über 250 fiktiven Unternehmen in Bayern, Sachsen und Thüringen sowie Geschäftspartnern in Österreich und Italien verbunden", erklärte Burkard Volk. Die Mitarbeiter dieser Firmen sind die Kunden beziehungsweise Lieferanten. Die Unternehmen kommunizieren miteinander wie in der realen Wirtschaft und nutzen auch Internetdienste wie Online-Banking.

In der Übungsfirma können die Schüler ihre theoretisches Wissen aus dem Unterricht praktisch anwenden. Zwei Jahre lang werden die jungen Leute drei Stunden pro Woche in den Bereichen Einkauf, Verkauf, Rechnungswesen, Personalabteilung und Werbung eingesetzt.

Es werden Bestellungen, Auftragsbestätigungen, Mängelrügen und Werbeflyer erstellt sowie Rechnungen und Gehälter bezahlt. "Die Schüler lernen Teamarbeit, Erarbeiten von Informationen, Organisieren und Denken in betrieblichen Zusammenhänge", unterstrich der Fachbetreuer.

Die Zusammenarbeit mit einer Patenfirma erhöht den Realitätsbezug. "Sie gibt zum Beispiel Produktinformationen, liefert Broschüren, ermöglicht Betriebsbesichtigungen oder stellt Werbematerial zur Verfügung", erläuterte Volk.

Kreis investierte 70.000 Euro

Der Landkreis Bad Kissingen, Sachaufwandsträger der Wirtschaftsschule, hat die Übungsfirma wie ein Großraumbüro ausgestattet. Fast 70.000 Euro wurden in Computer und Mobiliar investiert. "Der Kreis hat keine Kosten gescheut", bedankte sich Ralf Kaminski, Leiter der Wirtschaftsschule Bad Neustadt, die seit September 2011 eine Außenstelle in Hammelburg unterhält.

Landrat Thomas Bold (CSU) war sichtlich beeindruckt von der Präsentation. "Die Praxis bringt viel mehr als die reine Theorie", ist er überzeugt. Ralf Kaminski bestätigte, es gebe viele positive Rückmeldungen, sowohl von ehemaligen Schülern als auch von Ausbildern. "Die Unternehmen machen später gute Erfahrungen mit den Teilnehmern der Übungsfirmen, weil diese die Zusammenhänge begreifen", weiß er.

Auch Bürgermeister Ernst Stross (SPD) nutzte die Gelegenheit, sich ausführlich über die Übungsfirma zu informieren und zeigte sich angetan. Die Stadt ist Sachaufwandsträger der Mittelschule, die bei der dreistufigen Wirtschaftsschule in Hammelburg mit der Staatlichen Wirtschaftsschule Bad Neustadt kooperiert. Zudem ist das Büro der Übungsfirma im Gebäudeteil der Grundschule untergebracht. So können auch deren Schüler die Computer nutzen und über Lernprogramme in die Welt der EDV einsteigen.