Die beiden Sicherungsseile spannen sich, Christian Fenn lässt sich vom Rand des Schlossturms in die Tiefe gleiten. Bis zum Boden sind es 25 Meter, doch nach einem Drittel der Strecke bremst Fenn ab. Denn Brennnesseln und Birkenzweige sprießen aus der Mauer. Mit einer Gartenschere trennt Fenn sie von den Steinen ab.

Schon seit mehr als zehn Jahren seilt er sich am Bergfried von Schloss Saaleck ab, um ihn von Bewuchs frei zu schneiden.
Fenn verbindet dabei das Angenehme mit dem Nützlichen: Für einen Kletterer gibt es sonst nicht viele Möglichkeiten seinem Hobby nachzugehen. "Der Turm ist toll. Die Steine sind richtig griffig", sagt Fenn. Zahlreiche Kinder und Jugendliche konnten bei verschiedenen Festen und Aktionen schon mit ihm am Turm hinuntergleiten.

Irgendwann habe er damit begonnen, das Mauerwerk für die Stadt zu pflegen, erklärt Fenn. Die ist ihm dafür dankbar, wie Stadtbaumeister Detlef Mohr meint. Die Pflanzenwurzeln könnten sonst eine große Sprengkraft entwickeln. Feuchtigkeit und Frost würden dann ihr Übriges tun und das Steingefüge zusätzlich schädigen.
Ohne Fenn wäre die Pflege mit Aufwand verbunden. Es ginge nur mit dem Hubsteiger. An alle Seiten kommt man von unten aber auch nicht so einfach heran. Für ein Fahrzeug ist nur an einer Flanke Platz. Mohr: "Den Mitarbeitern des Bauhofs kann man nicht zumuten, dass sie klettern müssen."

Fenn entfernt nicht nur die Pflanzen. Beim Abseilen kann er Schäden besser entdecken, die von unten nur schwer zu erkennen sind. Ansonsten melden sich laut Mohr gelegentlich auch Besucher, wenn ihnen etwas aufgefallen ist. Oder die Mitarbeiter der Stadt inspizieren den Schlossturm.

Dieser ist für Touristen bisher die einzige frei zugängliche Aussichtsmöglichkeit. Ihnen öffnet sich bei gutem Wetter ein Blick weit über das Saaletal hinaus. Der Mönchsturm in der Altstadt dagegen ist aus Sicherheitsgründen nicht durchgängig geöffnet. Und der Bader turm wartet noch auf seinen Ausbau zum Aussichtspunkt.
Wie der Stadtbaumeister ankündigt, soll der Holzbelag des Turms von Schloss Saaleck noch in diesem Jahr repariert werden. Er bedeckt die Plattform des Bergfrieds und ist Wind und Wetter ausgesetzt. Daher sind die Bretter schon etwas angegriffen. Das sei aber kein sicherheitsrelevantes Problem.

Mohr erinnert sich noch daran, dass einst ein Kassenautomat am Turmeingang stand. "Der Eintritt kostete damals zehn oder zwanzig Pfennig. Das ist aber schon einige Zeit her. Da war ich noch ein ziemlich kleiner Junge."