Obwohl immer wieder erwähnt wird, dass das Haus aus der Zeit der Pröpste stammen könnte bestehen noch Zweifel. Krönchen und Kreuze über den Fenstern, die im Rahmen der Sanierung erneuert wurden, könnten jedoch auf die Zeit kirchlicher und weltlicher Herrschaft hinweisen. Auf einem Sandstein, der an der Giebelseite des Gebäudes eingefügt ist, sind die Meißelzeichen "17HOKF79". Es könnte sich dabei um das Baujahr des Gebäudes handeln.
Allerdings ist die östliche Seite des Gebäudes mit Fachwerk aufgebaut, die westliche dagegen mit Ziegelsteinen. Das "Kaplaneihaus", wie es in der Denkmalliste eingetragen ist, trug im alten Hassenbach die Hausnummer 13. Zu lesen ist auch, dass das Gebäude an der heutigen Schulstraße, bevor es Pfarrhaus wurde, einen Kolonialwarenladen beherbergte.
Vorher dürfte es ein landwirtschaftliches Anwesen gewesen sein, Gebäude dafür befanden sich auch auf der gegenüberliegenden Seite, wo heute das Backhaus des Gartenbauvereins steht. Um 1904 betrieben ein Johann Kaiser und später ein Joseph Schaub eine Gaststätte im Gebäude.
1908 erwarb Erasmus Loewenheim, Landgerichtsrat in München, das Hassenbacher Anwesen. Dr. Alois Loewenheim, ein Sohn von Gustav Loewenheim, der das Nachbargebäude Hausnummer 12 besaß, praktizierte als Arzt im späteren Pfarrhaus. Zu dieser Zeit soll das Gebäude sogar als Krankenhaus gedient haben, in dem auch, wie immer wieder ältere Ortsbürger wussten, kleinere Operationen durchgeführt wurden.
Am 28.November 1930 wurde der Kauf des gesamten Anwesen notariell beglaubigt. In der Urkunde heißt es: Wohnhaus mit Garten, Veranda und Stiegenhaus, Backofen, Stallung mit Keller, Hofraum mit Garten, Scheuer, Schweine- und Schaf-stallung und Brunnen. Käufer war der Lokalkaplan August Blassauer, der als Vertreter der Gemeinde Hassenbach das Geschäft abwickelte. Verkäufer war die Versicherungskammer München, die für die Bayerische Ärzteversorgung handelte. Blassauer ließ das 5500 Mark teure Gebäude zum Pfarrhaus umbauen.
Dafür durfte er den Erlös aus dem Verkauf des ersten Pfarrhauses (Hausnr 6/7, dem ehemaligen Hartmann'schen und späteren Scharf-Anwesen neben der alten Kirche in der Brunnenstraße), in dem seit der Errichtung der Lokalkaplanei im Jahr 1923 die Geistlichen wohnten, verwenden. Nach dem Umbau des Pfarrhauses diente das Gebäude in der heutigen Schulstraße den Hassenbachern als Priester-Wohnung. Zuletzt wohnte hier Kaplan war Herbert Pfaff, der Hassenbach 1957 verließ.
Zum Anwesen selbst gehörte ein herrlicher Garten mit einem Brunnen. Er wurde aber, nachdem Hassenbach 1924 mit der Garitzer Wassergruppe eine neue Wasserversorgung für den gesamten Ort bekam, nicht mehr benötigt und diente mehr der Entsorgung von Abfall. So kam bei der mühevollen Freilegung einiges aus dieser Zeit zum Vorschein. "Neben alten Kleiderhaken, Kupferbehälter, noch nicht definierbaren Metallteilen und viele Flaschen, insbesondere Medizinflaschen, sie müssen aus der Zeit der Arztpraxis stammen, habe ich auch eine alte Pistole mit Holzgriff aus dem Jahr 1910 sowie eine Pistolentasche aus dem Schlamm gefischt und ans Tageslicht befördert", berichtet Gottfried Vogler, der Vorsitzende des Hassenbacher Gartenbauvereins.
"Wir sind jetzt beim Freimachen des Brunnens auf zirka sechs Meter Tiefe angelangt. Der tonartige graue Schlamm muss aus dem wieder sprudelnden Brunnenwasser heraus geschaufelt werden. Begonnen hatte zunächst eine Kanalbaufirma. Doch schon nach kurzer Zeit kam diese in dem 1,20 Meter breiten Brunnen nicht weiter in die Tiefe. Auch die Festigkeit des Schlamms im Brunnen machte der Firma zu schaffen. Jetzt war Handarbeit gefordert.
Hin und wieder findet man ein altes Relikt wie Holzteile aber auch Stein- oder Tonteile. "Angenehm überrascht bin ich vom permanent sprudelnden Quellwasser", so Vogler, der von Walter Hartmann und Ludwig Straub unterstütz wird. Mit einer Seilwinde schaffen sie die zahlreichen Eimer mit Schlamm nach oben, während eine Pumpe das Wasser aus dem Brunnenschacht heraus befördert. "Dass ich dabei vom Schlamm verdreckt bin macht mir in der Tiefe nichts aus. Ansonsten bin ich mit Seilen ebenfalls gesichert," sagt der frühere Brunnenspezialist und Wünschelrutengänger. "Es ist eine echte Knochenarbeit, die Gottfried Vogler in der Tiefe des Brunnens auf sich genommen hat", weiß der zuständige Chef des Ingenieurbüros.