Über russische Fernseh-Mattscheiben wird in nächster Zeit ein Film mit Schwerpunkt Bad Kissingen, aber auch das übrige Bayern flimmern. In diesen Tagen hält sich ein fünfköpfiges russisches Fernseh- und Reisebüroteam in der Stadt auf, um für den russischen Fernsehsender Rossija 1 (siehe unten) Filmaufnahmen zu machen. "Es geht um Bad Kissingen und Bayern, Gesundheit und Kur", erläutert eines der Mitglieder des Teams bei einem Besuch in der Gaststube des Wittelsbacher Turms auf Russisch. Anastasia Bengart, Abteilungsleiterin im Hotel-Sanatorium Uibeleisen dolmetscht. Die stellvertretende Direktorin eines großen russischen Reisebüros, die auch mit von der Partie ist, ergänzt: "wir wollen durch diesen Film russische Touristen nach Bad Kissingen bringen."
Das Sanatorium Uibeleisen unterstützt die Arbeit des Fernsehteams stark in der Hoffnung, dass damit Gäste aus Russland nach Bad Kissingen und damit auch ins eigene Haus gelockt werden, sagt Anastasia Bengart. In früheren Zeiten, die allerdings lange her sind, war Bad Kissingen schon einmal das Modebad der Russen. Auch der russische Zar Alexander II. kurte in den Jahren 1864 und 1868 in der Stadt. 1860 beehrte Dichter Leo Tolstoi Bad Kissingen mit seinem Besuch. Angesichts der zahlreichen Gäste aus Russland wurde auch eine orthodoxe Kirche errichtet, die am 18. Juli 1901 geweiht wurde. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges hörte der Zustrom russischer Kurgäste schlagartig auf. Heute ist zum Beispiel Baden-Baden bei reichen Touristen und Kurgästen in Russland bekannter. Aber das soll sich nun wieder ändern.
In dem Film, den die Gäste drehen wollen, soll Bad Kissingen natürlich von seiner schönsten Seite präsentiert und gezeigt werden, dass es nicht nur für Behandlung mit dem bekannten Heilwasser steht, sondern dass es hier auch sehr viele Unterhaltungsmöglichkeiten, Kultur und Museen gibt, "dass es den Gästen hier nie langweilig wird."


Gemeinsame Geschichte

Der Gesamteindruck, den sie von Deutschland haben, ist offenbar sehr positiv. "Ich habe den Eindruck, alle Leute sind hier glücklich. Ihr Land ist sehr schön", lobt einer der russischen Gäste in höchsten Tönen. Es sei wichtig, dass das Verhältnis zwischen Russland und Deutschland gut sei. Schließlich hätten die beiden Länder eine gemeinsame Geschichte. Der Film solle helfen, gute Beziehungen zu entwickeln. "Das Wetter ist sehr schön hier in Deutschland", lobte einer aus dem Filmteam auch. An dem Abend, als sie vom Wittelsbacher Turm aus Aufnahmen der Stadt machen wollten, schüttete es allerdings in Strömen. Auch Rothenburg ob der Tauber, München, Passau will das Filmteam, dessen Mitglieder aus Moskau und aus St. Petersburg kommen, noch anfahren und dort filmen. Der Fernsehsender Rossija 1 ist ein staatlicher russischer Fernsehsender. Mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent ist er der zweitgrößte Sender in Russland.