Vor zehn Jahren begann Pfarrerin Christel Mebert ihren Dienst in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bad Kissingen, seit Januar 2016 als geschäftsführende Pfarrerin. 2014 folgte ihr Ehemann Friedrich. Nach fast 40 Dienstjahren gehen beide am 31. Juli in den Ruhestand. Am Sonntag, 25. Juli, wird das Pfarrerpaar in der Erlöserkirche um 9:30 Uhr von Dekan Oliver Bruckmann feierlich verabschiedet.

Bad Kissingen: Kirchengemeinde umorganisiert

Eine der wichtigsten organisatorischen Aufgaben Christel Meberts als geschäftsführende Pfarrerin war die strukturelle Neuorganisation der Kirchengemeinde. Statt die Aufgabenvielfalt nach Sprengel aufzuteilen, so dass die dort verantwortlichen Pfarrer alle Aufgaben in ihrem Raum wahrzunehmen hatten, wird die Arbeit nun nicht mehr räumlich, sondern thematisch in fünf Sachgebiete aufgeteilt. Diese neue Bad Kissinger Gemeindestruktur, die als zukunftsfähiges Modell in der evangelischen Kirche Bayerns gerade zur Nachahmung angepriesen wird, spart nicht nur die sechste Pfarrstelle in Bad Kissingen, sondern macht es möglich, bestimmte Sachgebiete nicht zwingend mit Pfarrern besetzen zu müssen. Mebert: "Diakone oder berufsfremde Bewerber mit theologischer Ausbildung wären denkbar."

Mebert: Traum von einer neuen Kirche

Schon als Studenten hatten Christel und Friedrich Mebert - sie 1954 in Aschaffenburg geboren, er 1956 in Hainsfarth bei Oettingen, beide im Elternhaus kirchlich geprägt und in der Jugendarbeit erfahren - von einer Kirche geträumt, "die sich in zeitgemäßer Sprache an die Menschen wendet, die Traditionen lebendig bewahrt, aber offen für Neues auch den Mut hat, sich vom Staub der Vergangenheit zu lösen". Ein erster hoffnungsvoller Schritt in diese Richtung waren 1975 für Christel Mebert die ersten Ordinationen von Pfarrerinnen in der evangelischen Kirche Bayerns. Doch erst nach 20 Jahren wurde den Pfarrern das Widerspruchsrecht gegen die Besetzung von Pfarrerstellen mit Frauen genommen.

Gemeinsam mit 60 Vikarinnen und Vikaren - heute sind es bayernweit nur noch zehn Anwärter pro Jahr - traten beide Meberts frisch verheiratet 1982 ihren Kirchendienst an. Christel Mebert machte ihr Vikariat in Creidlitz bei Coburg, Friedrich begann in der Nachbargemeinde Seidmannsdorf. Eine erste Pfarrstelle in Aubstadt (Rhön-Grabfeld) musste sich das Ehepaar noch hälftig teilen. "Das war damals Vorschrift für Paare. Erst nach mindestens zehn Jahren hatte jeder Ehepartner das Recht auf eine eigene Vollstelle."

Langer Weg bis zur Vollstelle

Nach zwölf Jahren wechselten beide wiederum als Stellenteiler auf die Pfarrstelle in Karlstadt am Main. "Dort konnten wir mit dem ebenfalls gerade eingesetzten katholischen Kollegen gemeinsam Neues wagen", erinnert sich Friedrich Mebert gern an diese Zeit.

Erst nach 20 Jahren der Stellenteilung bekam jeder der Eheleute jeweils eine eigene Vollstelle. Christel Mebert übernahm 2002 die Pfarramtsführung der Gemeinde Heßdorf, Höllrich und Weickersgrüben (Main-Spessart) und wurde außerdem stellvertretende Dekanin mit vielfältigen Verwaltungsaufgaben. "Dies war der Moment, wo ich einen Schritt hinter meine Frau trat", erinnert sich Ehemann Friedrich an seine Rolle als "Prinzgemahl". Er war in dieser Zeit bis 2014 als Religionslehrer tätig, schwerpunktmäßig an der Hammelburger Jakob-Kaiser-Realschule, je nach Bedarf aber auch an anderen Schulen. "Ich gehörte fest zum Schulkollegium und musste im Notfall manche Lehrer in deren Fächern vertreten. Es waren für mich besonders interessante Jahre."

Anlaufpunkt für Senioren geschaffen

Erst 2014, drei Jahre nachdem Ehefrau Christel 2011 auf die 3. Pfarrstelle in Bad Kissingen gewechselt war, verließ Friedrich Mebert den Schuldienst und folgte ihr in die Kurstadt auf die dort freigewordene 2. Pfarrstelle mit Sonderauftrag für Altenheimseelsorge und offene Seniorenarbeit, "deren Neustart ich mich mit besonderer Freude gewidmet habe". Monatlich treffen sich seitdem etwa 20 und 40 Senioren beim Kaffee zur Unterhaltung. Nicht nur Pfarrer Mebert, sondern auch andere Referenten halten hin und wieder Vorträge.

Als Pfarrer Jochen Wilde nach München ging, übernahm Christel Mebert 2015 zunächst vertretungsweise die Pfarramtsführung, ein Jahr später auch offiziell - mit besonderem Einsatz in der Kur- und Reha-Seelsorge. Als geschäftsführende Pfarrerin kümmerte sie sich um den Verkauf Pfarrerwohnungen und des Gemeindehauses in der Salinenstraße.

Künftig werden für die Pfarrer Wohnungen beliebig im Stadtgebiet angemietet. Gemeindehaus und Pfarramt sollen beide im bald zweckentsprechend erweiterten Pfarramtsgebäude in der Von-Hessing-Straße untergebracht werden - "in ökumenischer Nachbarschaft zur katholischen Herz-Jesu-Kirche", betont Pfarrerin Mebert. "Neue Formate zu finden, um unsere Kirche in die Zukunft zu führen", waren ihr immer wichtig.

Nach Abschluss des Immobilienprojekts, Neuorganisation der Aufgaben und Digitalisierung der Administration "hinterlassen wir neue Strukturen, die unsere Nachfolger gut füllen können". Dies gilt vorrangig für ihre Nachfolger ab 1. November, das Ehepaar Jaqueline Barraud-Volk (57) als geschäftsführende Pfarrerin und Ehemann Thomas Volk.