Was bedeutet eigentlich "alleweil"? Die einen benutzen es, als Ersatz für die Worte ununterbrochen oder andauernd. Andere wiederum setzen es als Synonym für ab und zu oder manchmal ein. Ein wenig seltsam ist diese widersprüchliche Verwendung schon. Deshalb hat Sebastian Voll auch ein Lied darüber geschrieben - in Rhöner Mundart. Denn der 29-Jährige ist Liedermacher, ein sogenannter Singer-Songwriter, jedoch kein gelernter Musiker.


Von Jugend an

"Das, was ich kann, habe ich mir selbst beigebracht", erzählt er. Gitarre, E-Bass und etwas Schlagzeug spielen, singen, Lieder schreiben, das ist sein Steckenpferd. Schon lange. Als Jugendlicher hat er mit dem Musizieren angefangen. Nun wird Sebastian Voll am Wochenende beim ersten Fränkischen Mundartfestival in Burgbernheim im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim auftreten. Fünf seiner Lieder darf der Gefäller dort präsentieren.
Etwas aufgeregt ist er deshalb schon. "Zudem bin ich gespannt, wie man dort auf den Rhöner Dialekt reagiert", sagt er. Denn der ist ebenso wie andere fränkische Mundarten in der Liedermacher-Szene nicht sehr weit verbreitet. Bayerische oder österreichische Dialekte hingegen schon, findet Sebastian Voll und nennt als bekannte und somit funktionierende Beispiele "Ham kummst" von Seiler und Speer oder Hubert von Goisern, der 2011 mit "Brenna tuats guat" ebenfalls einen Hit landete.


Dialekt bewahren

Ein Grund für das fehlende Rhöner Liedgut könnte seines Erachtens sein, dass es gar nicht so einfach ist, diese spezielle Mundart in ein Versmaß zu bringen, das sich auch noch mit Akkorden verbinden lässt. Zudem sprechen nicht mehr viele den Rhöner Dialekt. "Er geht regelrecht verloren", so Sebastian Voll. Für ihn Grund genug, dies mit seinen Liedern ein Stück weit zu verhindern. "Aber ich möchte nicht nur als Typ mit Lederhose und Tracht gesehen werden", fügt er hinzu.


Kostprobe beim Feuerwehrfest

Volls Lieder gehören nicht in die Kategorie volkstümliche Musik, sondern bestehen aus Elementen verschiedener Musikrichtungen, haben unterschiedliche Rhythmen und Tempi. "Eine Mischung aus Pop, Rock und Blues würde ich sagen." In seinen Texten verarbeitet der gelernte Werkzeugmacher Alltägliches, Nachdenkliches und auch selbsterfundene Geschichten. Eine erste kleine Kostprobe seiner Lieder in Mundart gab er vor zwei Wochen beim Feuerwehrfest in Gefäll. "Ich denke, sie kam an."
Seit seinem 6. Lebensjahr wohnt Sebastian Voll in dem Ortsteil des Marktes Burkardroth, lebt auch heute dort mit Freundin und der wenigen Monate alten Tochter. Seine Familie stammt aus Langenleiten - und die ist wie er musikalisch nicht untalentiert. "Mein Opa hat in einer Kapelle musiziert und meine Eltern können beide ganz gut singen", erzählt er.
Als Jugendlicher hat Voll angefangen, E-Gitarre zu spielen. Er war mit 16, 17 Jahren sogar Mitbegründer der Cover-Band "Voice in", die bis 2011 regelmäßig auf kleinen Festen und bei Hochzeiten aufspielte. Seither ist es ruhig um die Truppe geworden. "Wir haben uns beruflich verändert und nicht mehr so viel Zeit. Aber aufgelöst haben wir uns nicht", erklärt der Liedermacher.
Er hat die nun schon einige Zeit andauernde Pause genutzt, um sich als Musiker weiterzuentwickeln. Zunächst begann der Gefäller damit, Lieder in englischer Sprache zu verfassen. "Ich spreche gerne englisch, auch ein wenig spanisch", erzählt er. Parallel dazu ist er als Gastmusiker aktiv, war zuletzt beim Jubiläumskonzert der Stralsbacher Gruppe "Nur Mut" im Einsatz. "Es macht mir auch Spaß, mit anderen zu spielen. Man kann eine zweite Stimme singen und andere Instrumente ausprobieren", sagt er.


Mainpop brachte ihn auf die Idee

Durch sein vielfältiges Engagement entwickelte sich der Kontakt zu Mainpop in Hammelburg, einer Institution des Bezirkes Unterfranken zur Förderung der Popularmusik, über die er auf das Thema Lieder in fränkischer Mundart aufmerksam wurde. Nach einem runden Tisch der Musiker in Würzburg probierte er sich selbst im Fränkischen. "Zunächst übersetzte ich einige meiner Lieder aus dem Englischen in den Rhöner Dialekt", erzählt der Musiker. Inzwischen hat Sebastian Voll einige Neue geschrieben, wie etwa den bereits erwähnten Song "Alleweil", und sich damit bei den Veranstaltern des Mundartfestivals beworben. "Ich bin genommen worden." Seit Dezember bereitet sich der junge Vater nun auf sein Debüt vor, studiert die Texte und Melodien ein. "Sicherheitshalber werde ich meine Notenblätter mitnehmen." Damit sein Auftritt am Sonntag, 19. Juni, um 15.30 Uhr auf der Streuobstbühne auch gelingt.
Weitere Informationen zum 1. Fränkischen Mundartfestival "Edzerdla" in Burgbernheim sowie das Programm unter anderem mit Mäc Härder, Klaus-Karl Kraus oder den Bischofsheimer Musikerinnen "Kaufmannsware" finden sich im Internet unter www.edzerdla.de .