Kühl haben's die Milchkühe von Walter Kleinhenz in ihrem Stall auf dem Grundhof in Breitenbach. Ein Dach beschirmt sie vor der Sonne, während ein Lüftchen durch die geöffneten Tore weht. Den Tieren geht es gut, sie wissen noch nicht, dass der Bauer bald zehn Prozent von ihnen aussortieren wird, denn das Futter wird knapp. "Uns fehlt schon jetzt eine Silo-Füllung", berichtet Kleinhenz. Bis Ende des Jahres rechnet er mit etwa 1000 Kubikmetern Futter weniger.
Grund sind Ernteeinbußen durch die lange Trockenheit.


Massive Einbußen bei Heuernte

Die Dürre traf in der Rhön besonders das Grünland. "Wir haben jetzt fast vier Monate Trockenheit durchgestanden", sagt Rita Jörg bei einem Treffen des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Breitenbach. Die Kreisbäuerin weiß, wovon sie spricht. "Wir hatten beim ersten Schnitt etwa 60 Prozent vom Vorjahr, beim zweiten maximal 20 Prozent und der dritte Schnitt ist komplett ausgefallen", sagt Roman Jörg, ihr Sohn. Was jetzt noch komme, sei fraglich.

"Es herrscht totale Futterknappheit", erzählt Karl-Heinz Vogler, Kreisobmann des BBV. Etliche Viehbauern kauften bereits bei den Ackerbauern der Umgebung Stroh, um es unters Futter zu mischen. "Kein Betrieb wird alles Futter zukaufen können", schätzt Roman Jörg die Lage ein. Deshalb gehen die Bauern wie Walter Kleinhenz ihre Tiere durch und stocken ab.


Preiszerfall bei Lebensmitteln

"Wir müssen hinnehmen, was die Natur uns gibt", sagt der Breitenbacher Bauer. Er weiß, dass gerade die Landwirtschaft besonders stark vom Wetter abhängig ist. Damit gehen die Bauern um, schon seit Jahrhunderten. Was viele von ihnen aber ärgert, sind die Rahmenbedingungen. "Wir haben ein Preistief, das nicht mehr tragbar ist", kritisiert Rita Jörg. Deshalb hat der BBV im Juli sechs Forderungen an die Politik gerichtet.

Der Inhalt: Finanzielle Entlastung, damit die Bauern für Dürrejahre besser vorsorgen können; Maßnahmen gegen "die ruinöse Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels"; Änderung der Belastung von Milchbauern auf EU-Ebene. "Dass Preise und Erlöse für die Bauern viel stärker schwanken als früher, macht die Situation in einem Trockenjahr nicht besser", sagt Georg Scheuring , Geschäftsführer des BBV im Landkreis Bad Kissingen.


Bauernverband feiert 70-jähriges Bestehen

Für die Viehbauern ist das Drama noch nicht vorbei. Während Ackerbauern im nächsten Jahr auf besseres Wetter hoffen können, sind ins Grünland Mäuse eingefallen. Sie durchwühlen das Erdreich und knabbern das Gras von unten her an. "Es dauert zwei Jahre, bis sich die Wiesen wieder erholen", blickt Georg Scheuring voraus.

Es gibt aber auch etwas Gutes zu berichten: Am Sonntag, 30. August, feiert der Bayerische Bauernverband sein 70-jähriges Bestehen auf der Mostalm zwischen Modlos und Dreistelz. Fest wird um 10.30 Uhr eröffnet, anschließend findet ein Gottesdienst statt. Um 11.30 Uhr wird Günther Felßner, stellvertretender Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, die Festrede halten. Ab 12.30 Uhr gibt's Mittagessen mit den Bergmusikanten aus Waldfenster. Ab 14 Uhr spielt die Musikkapelle Breitenbach-Mitgenfeld. Für Kinder gibt's einen Streichelzoo, eine Hüpfburg aus Strohballen und Drachenbasteln. Oldtimer-Bulldog-Fahrer sind herzlich willkommen.