Die Stadt Bad Kissingen muss Kindergartenplätze schaffen. Das wurde in der jüngsten Stadtratssitzung deutlich. "Aus der Stadt fährt mancher sein Kind nach Ramsthal oder Premich", wusste Stadträtin Martina Greubel (DBK). Um in der prekären Situation Abhilfe zu schaffen, entschloss sich das Gremium dafür, das seit längerem anstehende Bauprojekt des Kindergartens in Poppenroth voranzutreiben. 25 neue Plätze für den Regelkindergarten sollen dort in einem Anbau entstehen. Damit vergrößert sich das Gebäude um etwa 200 Quadratmeter.

Kosten in Poppenroth: Über eine Million Euro

Die Gesamtkosten belaufen sich laut der Präsentation von Stefanie Kauffmann, Referatsleiterin Schulen und Kindertagesstätten der Stadt Bad Kissingen, auf etwa eine Million Euro. Allerdings beschlossen die Stadträte in diesem Zuge ebenfalls, diverse Fördermittel anzuzapfen. Läuft alles nach Plan, erhält die Stadt aus zwei Töpfen maximal 900 000 Euro Förderung für das Projekt. Auf Bad Kissingen entfielen dann noch Kosten von 186 000 Euro.

Ursprünglich lagen die Gesamtkosten des Projekts nach einer groben Kalkulation niedriger. Die Stadt hatte Kosten von etwa einer halben Million Euro angepeilt. Aber: Im Zuge der Planung stellte sich heraus, dass die Summe nicht zu realisieren ist. Aufgrund der 25 neuen Plätze muss die Stadt das Summenraumprogramm beachten. Dieses hat Auswirkungen auf bautechnische Anforderungen. Als Folge überarbeitete die Stadt das Konzept für den Kindergarten.

Das und die Corona-Pandemie trugen ihren Teil dazu bei, dass sich das Projekt verzögerte. Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) kommentierte den Sachverhalt: "Es hat uns das ein oder andere Haar gekostet". Jetzt liegen Pläne und Kostenplanung für den Anbau in Poppenroth vor.

Ebenerdiger Zugang kommt

Geplant ist, dass die Vergrößerung des bestehenden Gebäudes von der Straße aus unsichtbar bleibt. Der Anbau entsteht im hinteren Bereich, etwa zwischen dem Spielbereich und dem Parkplatz. Der Flur zwischen den beiden Gebäudetrakten schafft einen Zugang zum Hauptgebäude. Eine Rampe am Anbau gleicht den Höhenunterschied zum Altbau aus. "So ist ein ebenerdiger Zugang zum Erdgeschoss möglich", machte Stefanie Kauffmann dem Gremium deutlich. Damit ist es auch motorisch eingeschränkten Kindern möglich, den Kindergarten zu betreten.Die Denkmalschutzbehörde stimmt den Plänen laut Stefanie Kauffmann grundlegend zu.

Im Anbau gibt es beispielsweise einen Multifunktionsraum, einen Elternwarteraum und Sanitäranlagen. Weil durch den Anbau eine Toilette im Altbau wegfällt, ergänzt die Stadt diese im Neubau. Diese können die Kinder vom Außenspielbereich direkt ebenerdig erreichen. Im Obergeschoss entsteht der Bürobereich. Die ehemalige Wohnung wird in den Kindergarten miteingegliedert. In ihr sollen ein Gruppenraum sowie mehrere Nebenräume geschaffen werden.

Bad Kissingen: Stadt muss Anträge einreichen

Bauarbeiten stehen auch im Außenbereich des Kindergartens an. "Es gibt vier Stellplätze neben dem Hauptgebäude, der Außenspielbereich wird neu gestaltet, es gibt einen Kinderwagenabstellplatz und weitere Lagerflächen für Außenspielzeug", zählte Stefanie Kauffmann einige Punkte auf.

Bis zum 30. Juni muss die Stadt nun Förderanträge einreichen und den vorzeitigen Beginn des Projekts bei der Regierung beantragen. "Wenn das alles vorliegt, können wir den Bauantrag erstellen."

"Wir müssen die Chance nutzen, schnell vorwärts zu kommen, die Eltern sind teils schon mobil auf der Platzsuche und fahren ihre Kinder", kommentierte Dirk Vogel das Projekt. "Es ist ein ganz zentrales Ziel, die Platzzahlen nach oben zu bekommen." Der Bad Kissinger Rathauschef brachte im Plenum eine Frage vor, die ihm aus der Bevölkerung zu getragen wurde: "Ist Poppenroth der richtige Standort?"

Davon war Stefanie Kauffmann überzeugt. "Im Kindergarten Albertshausen sind Plätze weggefallen und in Poppenroth gibt es derzeit viele junge Familien die dort bauen."

3. Bürgermeister Thomas Leiner (CSU) sah das ähnlich: "Wir brauchen diese Plätze. Familien suchen genau nach solchen Aspekten. Das ist für uns ein Potenzial." Zustimmung signalisierte darüber hinaus noch die CSU Fraktion unter Steffen Hörtler. Lob kam auch von Klaus Bollwein von der DBK: "Ich freue mich, dass es jetzt klappt."

Kosten warfen Fragen auf

Unklarheiten zu den Kosten herrschten bei Peter Eggen von der AfD. Im Haushalt für 2021 sei eine andere Summe für den Bau eingeplant gewesen. Dirk Vogel und Gerhard Schneider, der geschäftsführende Beamte der Stadt sowie Stefanie Kauffmann verwiesen darauf, dass es sich bei den jetzigen Kosten um die Berechnungen der Planer handele. Der im Haushalt angesetzte Posten war eine Kalkulation seitens der Stadt.

Klaus Werner (Grüne) wollte wissen, ob Ausweichquartiere für die Kinder während der Bauarbeiten notwendig sind. "Wir erweitern ja nur, für die Kinder gibt es bei der Baustelle sogar was zu sehen.", sagte Dirk Vogel. Das sorgte bei Christina Scheit (SPD) für Erleichterung: "Es ist gut, wenn während der Arbeiten der normale Kindergartenalltag weitergeht."