Ein roter Teppich wies den Gästen den Weg in den König Ludwig I.-Saal im Staatsbad Bad Brückenau - eine Neuerung, die in Zukunft beibehalten werden wird. Die Besucher konnten sich also, sofern sie wollten, selber ein wenig königlich fühlen, als sie das Gebäude betraten, in dem das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau (BKO) sein Dreikönigskonzert gab. Ein wirklich gelungener Auftakt zur neuen Spielzeit; nicht nur, weil die Veranstaltung schon Tage zuvor restlos ausverkauft war.
Gelungen war das Konzert auch seines außergewöhnlichen Programms und der hohen Qualität der Ausführung wegen. Für sie waren einerseits die Musiker des Orchesters, andererseits die Solistin des Abends, Katarzyna Mycka (Marimbaphon), verantwortlich.
Chefdirigent Johannes Moesus hatte bei der Auswahl der Literatur eine glückliche Hand bewiesen, und er bewies sie auch bei der Vorbereitung und Leitung des Konzerts: Die Brückenauer spielten hoch motiviert und gewohnt präzise, die virtuose, gänzlich untheatralisch spielende Solistin arbeitete mit dem Orchester in vollendeter Übereinstimmung zusammen. Und ihr ausgesprochen schön klingendes Instrument gab dem Programm eine besondere, ein wenig exotische Note.
"Oh, wie schön ist Panama", war das spätnachmittägliche Konzert überschrieben. Uhrzeit und Titel mögen dazu beigetragen haben, dass auch ungewohnt viele Kinder und Jugendliche im Publikum waren: Zu Recht assoziierte man mit dieser Überschrift die Geschichte vom kleinen Bären und dem kleinen Tiger, die sich, vom Duft einer Bananenkiste inspiriert, auf den Weg nach Panama machen. Dort kommen sie, wie Moesus in seiner Moderation erinnerte, allerdings nie an. "Wir aber nehmen Sie mit ins wahre Panama", versprach er den Zuhörern.
Das geschah mit Kompositionen, die einen südamerikanisch-spanischen Tenor hatten. William Grant Stills "Danzas de Panama" für Streichorchester standen am Beginn der faszinierenden Reise. Da staunte so mancher das erste Mal an diesem Nachmittag. Glissandi, die wie eine Dampfertute tönten, sehnsüchtige Melodien, mit kräftigem Strich gespielt, und heitere Motive, die spanische Anklänge hatten, prägten den ersten Satz; Themen, die wie eine Melange aus südamerikanischen Tänzen und Volkstänzen aus deutschsprachigen Bergregionen klangen, Weisen wie aus dem Wiener Kaffeehaus auf lustig ploppend gezupftem Untergrund oder das exotisch klingende Trommeln auf den Körpern der Streichinstrumente im Wechsel mit irrsinnig schnellen Tonrepetitionen folgten und machten das Hören der Komposition zu einem aufregenden Erlebnis.
Die Marimba erweiterte das Klangspektrum im Folgenden. Zunächst jedoch stellte Mycka, vom Dirigenten befragt, ihr Instrument vor. So erfuhren die Hörer, dass die Klangstäbe einer Marimba ursprünglich aus dem Holz gemacht wurden, "das gerade vorhanden war". Am besten aber klinge Palisander, sagte Mycka. Und die Hörer erfuhren, dass "die wahre Virtuosität sich im Gebrauch von vier Schlägeln" zeigt.
Dumpf aus den Tiefen rollend, als liefe eine schwere Maschine an, begann Ney Rosauros "Konzert für Marimba und Streichorchester". Ins Tänzerische wandelte sich die Musik; extrem farbig klang die Marimba und nie -wie so oft- klimprig. Mal flach und mal ganz intensiv hervortretend waren die Melodien gestaltet. Aufwärts kullernde Figuren gab es da, nach oben rauschende, im Klang changierende Fontänen und rhythmisches Zählzeittrappeln. Dazu mischte sich ein energischer, weicher Streicherklang. Tröpfelnd streute die Marimba im zweiten Satz Melodietöne über einen fahl, eng am Steg gespielten Streicherklangteppich; in süß-dissonanten Tremoloakkorden sang sie ihr Solo, an- und abschwellend bis ins Pianissimo.
Gesanglich zeigte sie sich in Emmanuel Séjournés "Konzert für Marimba und Streichorchester", das den Gestus eines Rachmaninow‘schen Klavierkonzerts hatte, wechselte zum Aufgewühlten, mischte sich mit tiefen Tremoli in den Orchestersatz: Einen enormen Druck hatte die Tiefe mit einemmal, unglaublich satt war der Klang in der Mittellage. Akkurate Unisoni mit den Streichern, schöne Melodieeinwürfe von Bratsche und Cello oder ein ausladendes Marimbasolo mit erstaunlich klarer Klangbildung im Bass ließen immer neu verblüfft aufhorchen.
Diese Stücke mögen nicht die erste Wahl der klassischen Konzertliteratur sein, doch das müssen sie auch gar nicht: Sie sind aber dazu geeignet, Interesse an Orchestermusik und Instrumentenfarben zu wecken, weil das Hören einfach Spaß macht. Und wenn sie noch dazu auf so hohem Niveau gespielt werden, dann ist das wirklich eine Freude. Dass die Stücke ankamen, war deutlich zu merken und gelegentlich auch zu sehen: Zu Isaac Albéniz‘ "Cantos de Espana" tanzte auch mal ein kleines Kind. Und die Erwachsenen im Publikum äußerten sich durchweg lobend.