Der Kissinger Sommer ist der Stadt lieb und teuer. Und das, obwohl wegen der Beschränkungen der Besucherzahl in Corona-Zeiten die Konzerte nicht gerade billiger werden. Grundsätzlich bestätigte das der Stadtrat am Mittwochabend erneut. Die bereits beschlossene Obergrenze von 750 000 Euro Defizit stellten die Ratsmitglieder zwar nicht in Frage. Sie lassen Intendant Tilman Schlömp und der Verwaltung aber die Chance, ein einerseits teures andererseits aber mit großer Strahlkraft ausgestattetes Konzert vielleicht doch hinzukriegen.

Dieses erhoffte Konzert wäre ein Auftritt des Royal Philharmonic Orchestra aus England. Schlömp muss dafür angesichts der aktuell wegen Corona geltenden Obergrenze von 200 Besuchern im Großen Saal des Regentenbaus mit 70 000 Euro zusätzlichem Defizit kalkulieren. Diese Summe einfach auf die beschlossene Größenordnung draufsatteln, das wollten die Stadträte nicht. Nach langer Diskussion folgten sie aber einstimmig einem Vorschlag von Oberbürgermeister Dirk Vogel.

Vogel hatte empfohlen, das von Schlömp vorgestellte Kernprogramm des Kissinger Sommers 2021 zu akzeptieren und dabei das Gastspiel der Engländer nicht von vornherein auszuschließen. Dem Intendanten und der Stadtverwaltung bleibt so die Möglichkeit, etwa durch Bemühen um Sponsoring das Konzert doch noch mit unter den Deckel der Defizitobergrenze von 750 000 Euro zu bringen.

Um die Defizitobergrenze angesichts der momentan geltenden coronaren Besucherobergrenze im Regentenbau von 200 Menschen (der 1200 Zuhörer fasst) und von 400 bei Open-Airs überhaupt einhalten zu können, hatte Schlömp die Vorgabe, das ursprüngliche Programm auf einen Kern mit Highlight-Veranstaltungen zu reduzieren. 21 Konzerte und drei Meisterkurse sind das ohne den Auftritt des Royal Philharmonic Orchestras, 22 wären es mit ihm.

Gelten diese Vorgaben auch im nächsten Jahr noch, bedeutet das nach Schlömps Rechnung unterm Strich eine Auslastung von 20 Prozent für das Festival. Dass sich damit ein Festivalprogramm in gewohntem Umfang nicht mit einem für Bad Kissingen tragbaren Defizit darstellen lässt, ist nachvollziehbar.

Sollten die Einschränkungen aber lockerer werden oder gar wegfallen, hätte Schlömp die Option, das Programm, das ursprünglich 52 Veranstaltungen umfassen sollte, doch noch üppiger zu gestalten. Erfolgreiche Akquise zusätzlicher "Drittmittel" hätte unter Umständen denselben Effekt. Gleichwohl bleibt die Obergrenze für das Defizit auch in diesen Fällen unantastbar.

Angelegt ist das Kernprogramm des Festivals 2021 auf einen Zeitraum vom 20. Juni bis 18. Juli. Den Zeitraum von 25. Juni bis 3. Juli hat Schlömp als eine Art "Kernwoche" der Veranstaltungsreihe definiert. Zu hören sein wird mehrfach der Bad Kissingen besonders verbundene Pianist Igor Levit. Einen besonders prominenten Namen bringt auch das Gastspiel des Deutschen Symphonie- Orchesters Berlin unter Leitung von Kent Nagano. Siegfried Farkas