Ja." Auf die Frage, ob sie persönlich nicht Lust hätte, in einer künftigen Bundesregierung ganz konkret Politik mitzugestalten, antwortet Manuela Rottmann erfrischend offen. Sie sei "vielleicht nicht so die politische Rampensau", sagt die Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Hammelburg (Lkr. Bad Kissingen), aber Verwaltungsarbeit, die konkrete Umsetzung politischer Ideen, die mache ihr Spaß. Rottmann weiß, wovon sie spricht. Ab 2006 war die 48-Jährige hauptamtliche Dezernentin für Umwelt und Gesundheit unter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) in Frankfurt.

In der Mainmetropole sah sie manch Beobachter schon als erste grüne Oberbürgermeisterin, bevor die promovierte Juristin 2012 überraschend in die Rechtsabteilung zur Deutschen Bahn wechselte. 2017 dann die Rückkehr in die Politik - und in ihre Heimat Unterfranken. Als einzige Bundestagsabgeordnete ihrer Partei ist Rottmann heute das bekannteste Gesicht der Grünen in der Region. Längst hat sie den Parteifreunden bewiesen, dass sie nicht nur Politik für die Großstadt kann.

Achtungserfolg

Die Herausforderungen des ländlichen Raums, die Gesundheitsversorgung oder die ÖPNV-Anbindung, sind ihr, neben der Arbeit im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz, wichtige Anliegen. In ihre Kandidatur bei der Kommunalwahl, als Landrätin für Bad Kissingen, steckte Rottmann zuletzt viel Energie. 24,01 Prozent in einer klassischen, ländlichen CSU-Hochburg waren ein Achtungserfolg, auch wenn sich der Traum von der Stichwahl gegen den langjährigen Amtsinhaber Thomas Bold nicht erfüllte.

Vielleicht tut es der Stimmung an der grünen Basis ganz gut, wenn trotz einer Verdoppelung der kommunalen Mandate nicht alle Bäume in den Himmel wachsen. Rottmann mit ihrer Erfahrung weiß, wie schnell ein Hoch bis zum nächsten Wahltag auch umschlagen kann. Weil sich die politische Großwetterlage ändert oder weil die eigenen Parteifreunde in die selbst aufgestellten Fettnäpfchen treten. Man erinnere sich an die berüchtigten Forderungen nach fünf D-Mark für den Liter Benzin oder nach einem Veggie-Day für jedermann.

"Es gibt keinen Anlass zu glauben, dass die Bundestagswahl schon gelaufen ist", mahnt die Abgeordnete aus Hammelburg. Es sei erfreulich, wenn die Demoskopen die Grünen stabil bei 18 bis 20 Prozent sehen. Man müsse die Werte aber auch ins Ziel bringen. "Da ist noch ein Berg vor uns." Dass die Grünen aktuell angesagt sind, liegt zum einen daran, dass die Menschen den Klimawandel mit regelmäßigen Dürren, extremen Niederschlägen und sterbenden Wäldern mittlerweile auch in Unterfranken hautnah erleben. Zum anderen präsentiert sich die Partei an ihrer Spitze anders als die Konkurrenz. Erst bei der CSU der Zweikampf Söder gegen Seehofer, dann das monatelange Casting bei der SPD um die Nahles-Nachfolge, jetzt das Gerangel in der CDU um den Parteivorsitz und das Merkel-Erbe: "Diese ständigen Personaldebatten langweilen die Leute, mir geht es doch genauso", sagt Rottmann.

Dass sich die Grünen-Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck bis heute nicht auf einen Kanzlerkandidaten für 2021 öffentlich festgelegt haben, sei kein Nach-, sondern ein Vorteil. "Wir konzentrieren uns auf die Inhalte", ein Satz, der banal klingt, bei den Grünen derzeit aber erfolgreich gelebt wird. Noch zumindest.

Position fünf

Denn bei den anstehenden Nominierungen geht es selbstredend auch um Köpfe. Manuela Rottmann, die vor drei Jahren auf Platz sieben der Bayern-Liste stand, plant beim Parteitag im Januar sich für Position fünf zu bewerben. "Ich habe das vor", bestätigt sie entsprechende Gerüchte. Man könne nicht immer nur jammern, dass die Oberbayern auf der Liste so dominant sind, "man muss dann auch mal gegen sie kandidieren", sagt sie. Zudem hoffe sie, dass die Delegierten mindestens einen weiteren Kandidaten aus Unterfranken aussichtsreich unter den ersten 20 platzieren. Aktuell sind die bayerischen Grünen mit elf Abgeordneten im Bundestag vertreten.

Bei einem Bezirksparteitag Anfang November soll die grüne Basis ihren Favoriten für ein mögliches zweites Mandat bestimmen. Chancen haben vor allem zwei Junge: Sebastian Hansen (25), Chemiker, zweiter Bürgermeister von Waldbüttelbrunn (Lkr. Würzburg) und Direktkandidat im Wahlkreis Würzburg, sowie Niklas Wagener (22), Student der Forstwirtschaft, der nach 2017 bereits einen zweiten Anlauf als Direktbewerber im Wahlkreis Aschaffenburg nimmt.

Dass die Grünen nicht nur mit mehr Abgeordneten in den Bundestag einziehen, sondern in Berlin am Kabinettstisch mitreden möchten, steht für Manuela Rottmann außer Zweifel. "Ich neige nicht zum Drama", sagt sie, "aber wir müssen regieren". Die nächste Legislaturperiode werde nämlich die letzte sein, in der sich der Klimawandel noch substanziell stoppen lasse. "Ohne Grüne geht das nicht."

Fragt sich nur, mit welchem Koalitionspartner. Schwarz-Grün? Jamaika? Rot-Grün-Rot? Grün-Rot-Rot? Oder doch eine Ampel mit der FDP? Sie sei "kein Lager-Denker", sagt Rottmann. Ziel müsse sein, nach der Wahl möglichst viele Optionen zu haben, um selbst entscheiden zu können, "wo wir für unsere Themen am meisten rausholen".Michael Czygan