Der Fund von drei toten Rotmilanen im Raum Hammelburg sorgte dieser Tage für Empörung in Naturschutz-Kreisen. Eine Vergiftung wird nicht ausgeschlossen. Die Ermittlung nach der Todesursache läuft allerdings noch. Denn der vielfältige Einsatz für den Erhalt der Vogelart soll nicht durch illegale Machenschaften gefährdet werden. Mit dem Einzug des Frühlings rücken die Rotmilane alljährlich in den Blickpunkt. Sie zählen zu den beeindruckendsten Rückkehrer dieser Tage am Himmel über der Rhön. Schließlich ist der Greifvogel mit ihrem tief gegabelten Schwanz und seiner eleganten Flugweise leicht zu erkennen. Leider werden es in den letzten Jahren deutschlandweit immer weniger, so dass die Art bereits auf der Vorwarnliste bedrohter Vögel steht.

Im Biosphärenreservat wurden daher zwischen 2014 und 2020 in einem großen Rotmilan-Projekt der Charaktervogel der Rhön und sein Lebensraum genauer untersucht. Mithilfe unterschiedlicher Maßnahmen sollten die Nahrungssituation in der immer monotoner werdenden Agrarlandschaft verbessert und die Verluste von Jungvögeln durch Fressfeinde wie Waschbären verringert werden.

Im Projektzeitraum wurde auch das Vorkommen der Rotmilane beobachtet und ihre Lebensstätten erfasst. Bis 2020 wurden durchschnittlich 358 Revierpaare gezählt, womit die Rhön einen Schwerpunkt bei der Rotmilan-Population in Deutschland bildet. Ein zweites, europaweites Großprojekt zur Erforschung des Rückgangs der Rotmilan-Population, in dem die Rhön wieder eine Rolle spielt, ist jetzt angelaufen. Hier steht nicht der Lebensraum, sondern das Problem illegaler Tötungen im Mittelpunkt. Um mehr über den Rückgang der Rotmilane herauszufinden, beteiligt sich der Landesbund für Vogelschutz (LBV) am internationalen und von der EU geförderten Projekt "Life Eurokite". Wie LBV-Projektleiter Torben Langer in einer Mitteilung dazu erläutert, ist es "Ziel des Projektes, in vielen Ländern West-, Mittel- und Osteuropas die Gründe für nicht natürliche Todesursachen der Greifvogelart zu untersuchen."

Sehr unterschiedliche Populationstrends in Europa würden den Verdacht nahelegen, "dass der Rotmilan auch unter der illegalen Verfolgung und hier insbesondere unter Vergiftungen leidet", so Langer weiter. Aber nicht nur in anderen Ländern werden die Tiere getötet.

Im Rahmen von Life Eurokite sollen in den kommenden Jahren europaweit mehrere Hunderte junger Rotmilane besendert werden, etwa 80 davon in sieben bayerischen Landkreisen, darunter auch in Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld sowie in Main-Spessart. Die Jungtiere werden im Nest beringt und mit GPS-Satellitensendern ausgestattet. Die ersten sollen einen solchen "Daten-Rucksack" bereits im Juni bekommen. Auf diese Weise werden Naturschützer und alle Interessierten live die Flugrouten der Greifvögel auf einer Karte im Internet mitverfolgen können. Anhand der Sender kann der LBV-Biologe in Zukunft alle Bewegungen der Vögel verfolgen, um so in Erfahrung zu bringen, ob und wo einer von ihnen umkommt - und das fast auf den Meter genau. "Dies wiederum ermöglicht es uns, den umgekommenen Rotmilan zeitnah aufzuspüren, ihn zu bergen, die Todesursache festzustellen und im Umfeld der Fundstelle auch Beweise für eventuelle illegale Handlungen sicherzustellen, also zum Beispiel Giftköder, Fallen oder ähnliches", sagt Langer. Kommt dabei heraus, dass ein Vogel tatsächlich an menschlicher Einwirkung gestorben ist, sollen mit dem erworbenen Wissen in Zukunft gezielt Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, um so zum Schutz des Rotmilans in Bayern beizutragen. Das Projekt sei ihm natürlich bekannt, so Daniel Scheffler, Kreisvorsitzender des LBV in Rhön-Grabfeld im Gespräch mit dieser Redaktion.

Wann und wie es in der Rhön konkret umgesetzt wird, darüber habe er noch keine Informationen erhalten. Entsprechend möchte er sich mit einer Einschätzung noch zurückhalten. Auch Dieter Fünfstück, Kreisvorsitzender des LBV in Bad Kissingen, zeigt sich über Life Eurokite informiert. Er begrüßt die Ziele des Vorhabens, die Zugrouten der Rotmilane genauer zu erforschen und damit einen längst überfälligen Schritt gegen die illegale Greifvogeljagd in Südeuropa zu unternehmen. Thomas Pfeuffer, mit dpa-Material