Vor 30 Jahren wurde ein Projekt aus der Taufe gehoben, mit zwei Zielen: Das vom Aussterben bedrohte Rhönschaf in seiner angestammten Heimat im Bestand zu sichern, und zugleich die wertvollen Magerrasenstandorte in der Rhön zu erhalten. Heute könne nun voller Stolz und Zufriedenheit festgestellt werden: Beide Ziele wurden erreicht, betonte der Amtschef des Bayerischen Umweltministeriums, Christian Barth.
Und so gab es beim Festakt im Schafstall des Bundes Naturschutz (BN) sowie der Familie Josef und Zita Kolb in Ginolfs viele Glückwünsche zu 30 erfolgreichen Jahren "Rhönschaf".

Neben Barth kamen auch der Projektinitiator Gerhard Kneitz und der Vorsitzende des BN, Hubert Weiger, nach Ginolfs. Mit vielen verschiedenen Veranstaltungen rund um das Rhönschaf wurde das Fest gefeiert. Vom Schafescheren, über Bastelarbeiten für Kinder, bis hin zu Exkursionen, Rückblicken und Führungen reichte das Angebot.

In seiner Ansprache ging Barth auf Aspekte ein, die das Rhönschafprojekt so erfolgreich haben werden lassen und die Nachhaltigkeit in mehrfacher Hinsicht sichern. Denn nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt auf den Magerrasenstandorten werde in ihrem Überleben gesichert, sondern auch eine der ältesten deutschen Nutztierrassen. "Das ist gelebte Ökologie."


Rhönschaf sichert Arbeitsplätze

Das Land der offenen Fernen, die über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft werde erhalten, was letztlich auch dem Tourismus zugute komme, ebenso wie regionale Schmankerl vom Rhönschaf. "Das ist gelebte Ökonomie", sagte Barth. Zudem sichere das Projekt Rhönschaf Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, Verarbeitung und im Vertrieb. "Das ist gelebte Sozialpolitik." Natur bewahren und gleichzeitig regionale Wirtschaftskreisläufe stärken, dafür stehe das Projekt Rhönschaf. Das Rhönschaf sei aber auch Wegbereiter des Biosphärenreservates. "Vor 30 Jahren gab es gerade noch 38 Tiere. Biotope standen auf der Kippe. Ein ganzer Wirtschaftszweig schien verloren. Heute ist der Bestand des Rhönschafes mit mehr als 4000 Mutterschafen wieder gesichert und mit ihm die Kulturlandschaft", führte Barth weiter aus.


Perspektiven fehlen

Er versäumte es nicht, auch die Herausforderungen anzusprechen, vor denen das Projekt heute stehe. Die Zahl der Schäfereibetriebe sei stark rückläufig, immer weniger Flächen stehen für Hüteschäferei zur Verfügung. Es fehle an Nachwuchs und an Perspektiven, denn Lammfleisch aus Neuseeland sei billiger als Lammfleisch aus der Heimat.

Mit der Erfolgsgeschichte des Rhönschafprojektes untrennbar verbunden sei der Initiator Gerhard Kneitz. Er sprach von der "konsequenten Nutzung vieler Zufälligkeiten" und der Hilfe von vielen Gleichgesinnten, die dieses Projekt möglich machten.


2005 ausgezeichnet

Der stellvertretende Landrat Josef Demar (CSU) erinnerte an den erfolgreichen Werdegang und die Auszeichnung mit dem Bayerischen Biosphärenpreis 2005. Das Rhönschaf gelte heute als Sympathie- und Werbeträger des Biosphärenreservates. Schließlich verwies Hubert Weiger auf die besondere Bedeutung des Projektes für den Bund Naturschutz und "Bund". Als Modellprojekt sei es eigentlich gar nicht vorgesehen gewesen, das habe sich erst im Laufe der Jahr entsprechend entwickelt. Umso schöner sei es zu sehen, wie aus kleinsten Anfängen gemeinsam mit der Familie Kolb ein Beispiel für gelungene Naturschutzarbeit geschaffen werden konnte.


Unterstützung durch Verbraucher

Eindringlich verwies Weiger auf die Notwendigkeit der Unterstützung durch den Verbraucher, um das Projekt auch in Zukunft wirtschaftlich lohnenswert betreiben zu können. "Der Verbraucher entscheidet an der Ladentheke."