An Bayerns Schulen herrscht grundsätzlich Handyverbot. Nur für Unterrichtszwecke dürfen die Schülerinnen und Schüler ihr Smartphone aus der Tasche holen - noch. Ab dem neuen Schuljahr dürfen die Schulen den Umgang auch während der unterrichtsfreien Zeit individuell regeln. Ausgenommen sind davon dann nur Grundschulen und Grundschulstufen an Förderschulen.

Ein Testversuch an bayerischen Schulen hat gezeigt, wie unterschiedlich die Sache betrachtet wird. Ein überfälliger Schritt oder eine weitere Herausforderung im Schulalltag? Schulleiterinnen und -leiter im Landkreis Bad Kissingen sind geteilter Meinung.

Soziales Miteinander könnte leiden

"Eine gelockerte Handynutzung bewirkt weniger Interaktion zwischen den Schulkindern", sagt Monika Horcher, Konrektorin an der Hammelburger Mittelschule. Durch die Corona-Beschränkungen der letzten Jahre brauchen die Kinder und Jugendlichen das soziale Miteinander mehr als je zuvor, führt sie aus.

Auch Rektor Detlef Haas von der Mittelschule Bad Bocklet betrachtet die "analoge Kommunikation zwischen den Schülern" als äußerst wichtig und lehnt eine Lockerung ab.

Hammelburger Schulleiter: "Unfug kann nicht vermieden werden"

"Vor Unterrichtsbeginn und nach Schulschluss sind die Kinder nur am Handy. Während der Schulzeit ist es deshalb umso wichtiger, dass sie sich miteinander beschäftigen", sagt auch Schulleiter Christian Buchner von der Jakob-Kaiser-Realschule in Hammelburg.

"Unfug kann nicht vermieden werden", gibt er als weitere Befürchtung an, sollte die Handynutzung während der Pausen gestattet werden. Schulkinder könnten unangebrachte Fotos von ihren Mitschülerinnen und -schülern schießen und sie auf den Sozialen Netzwerken verbreiten.

Die Pausenaufsichten würden mit der Kontrolle nicht mehr nachkommen, befürchtet er, wie auch eine Zunahme von Mobbing. Horcher und Haas sind sich sicher, dass einige der Kinder das Handy nicht sinnvoll benutzen würden.

Positive Stimmen: Alte Lösung nicht mehr zeitgemäß

Doch es gibt auch andere Stimmen: Peter Rottmann, Schulleiter am Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium in Münnerstadt, begrüßt die neue Entscheidungsfreiheit: "Die alte Lösung ist schwierig geworden, da man sich nicht mehr zeitgemäß bewegt", so Rottmann.

Er setze auf gutes Miteinander und Vertrauen innerhalb seiner Schulgemeinschaft. "Ich bin mir sicher, dass die Schülerinnen und Schüler verantwortungsbewusst mit ihren Smartphones umgehen und keinen Unfug anstellen", sagt der Schulleiter.

Stefan Bub, Leiter des Bad Brückenauer Gymnasiums, empfindet das strikte Verbot ebenfalls nicht mehr als zeitgemäß: Informationen vom Schwarzen Brett abzufotografieren oder als Oberstufenschüler in der Mittagspause am Handy zu sein, sei für ihn legitim.

Schülermeinungen unterschiedlich

Und was denken die, die unmittelbar von der Neuregelung betroffen sein werden? Jugendlichen wird oft nachgesagt, dass sie ständig am Handy hängen und die digitale Kommunikation der analogen vorziehen. Rosa (15) und Anastasia (16) besuchen die zehnte Klasse an der Bad Kissinger Realschule und beweisen das Gegenteil.

Sie sind gegen die Lockerung des Handyverbots. "Man sollte sich in der Schule lieber auf seine Freunde und Mitmenschen konzentrieren", meint Anastasia. Auch Rosa findet, dass man in der Pause lieber an die frische Luft gehen und mit seinen Freunden reden sollte. Sie sieht allerdings auch positive Aspekte einer möglichen Lockerung: "Wenn man Fragen zum Unterrichtsstoff der nächsten Stunde hat, kann man das schnell googeln."

Schüler: "Jeder würde nur noch ins Handy schauen"

Der 17-jährige Henri besucht das Jack-Steinberger-Gymnasium in Bad Kissingen. Auch er spricht sich gegen die Handynutzung in den Pausen aus. "Jeder würde nur noch ins Handy schauen", meint der Elftklässler. In längeren Unterrichtsunterbrechungen wie Freistunden oder Mittagspausen würde er aber gerne sein Smartphone benutzen. Die Zeit könne so besser überbrückt werden.

Auch bei Schülerinnen und Schülern gehen die Meinungen auseinander: Die 15-jährige Emily aus der zehnten Klasse der Realschule Bad Kissingen begrüßt die mögliche Lockerung. "In der Pause könnte ich dann Musik hören, um etwas abzuschalten", sagt sie. Außerdem könnten Schülerinnen und Schüler daheim bescheid sagen, wenn die letzte Stunde ausfällt und sie früher nach Hause kommen.

Testversuche für Neuregelung des Handybverbotes

Der Vorschlag des Kultusministeriums, Schulen künftig selbst Regelungen zur Handynutzung aufstellen zu lassen, basiert auf dem Schulversuch "Private Handynutzung an Schulen", an dem von 2018 bis 2020 insgesamt 135 bayerische (davon 16 unterfränkische) Schulen teilnahmen. Sie konnten den Schülern erlauben, ihre Smartphones in der unterrichtsfreien Zeit privat zu nutzen.

Die genaue Umsetzung war den Schulen überlassen. Während und nach dem Versuch sammelte das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) Daten und Meinungen.

Das Ergebnis: Unter Einbeziehung der jeweils gesamten Schulgemeinschaft sollen Schulen ab dem Schuljahr 2022/23 eigene Leitlinien zur Handynutzung festlegen.Quelle: Bayerisches Kultusministerium