Am 27. Dezember 2020 ging es mit dem Impfen im Landkreis los, nachdem die ersten 100 Impfdosen ans Bad Kissinger Impfzentrum geliefert worden waren. An drei weiteren Tagen konnten Impfungen verabreicht werden. Am 8. Januar kam wieder eine Charge mit 69 Ampullen (414 Impfdosen) an, sagt Versorgungsarzt Dr. Ralph Brath, im Gespräch mit dieser Redaktion. Es wird allerdings noch etwas dauern, bis die Personen in der höchsten Prioritätsstufe alle durchgeimpft sind.

Denn zunächst bekommen, wie es die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts festgelegt hat, auch im Landkreis vor allem Bewohner und Pflegepersonal von Seniorenheimen den ersten Pieks mit dem schützenden Vakzin in den Oberarm. Sobald demnächst ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, sind auch die über 80-Jährigen, die zu Hause leben, im Impfzentrum Tattersall an der Reihe. "Wir hoffen, dass das bald möglich sein wird", sagt Brath, der auch ärztlicher Direktor des Impfzentrums ist.

1618 Menschen sind geimpft

Insgesamt wurden bis 11. Januar Bewohner und Pflegepersonal von 19 Heimen im Landkreis mit dem Impfstoff versorgt. "Wir sind da schon relativ weit", sagt Brath zuversichtlich. Eine Einschränkung muss der ärztliche Direktor allerdings machen: In Heimen, die gerade Corona-Hotspot sind, wird zunächst nicht geimpft. Immerhin sind, Stand Freitag, geschätzt rund 1,7 Prozent der Bevölkerung im Landkreis geimpft. Das Landratsamt Bad Kissingen veröffentlichte am Freitag dazu eine konkrete Zahl: 1618 Menschen (Stand 15. Januar) sind im Landkreis geimpft.

Auch hier werden seit Jahresbeginn aus einer Impfampulle sechs, statt wie bisher fünf, Spritzen aufgezogen, nachdem die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) dies geprüft und empfohlen hatte, sagt Brath. Immerhin bedeutet dies ein Plus von 20 Prozent pro Ampulle. Allerdings habe man vom Bad Kissinger Impfzentrum Tattersall aus erst mal die dafür geeigneten, ganz speziellen Spritzen ordern müssen.

Von Seiten des Freistaats hieß es am Freitag vor einer Woche, dass künftig wöchentlich neue Impfstoff-Lieferungen in Bayern ankommen werden und das Vakzin dann zügig an die Impfzentren verteilt werden wird. Brath hofft, dass zweimal pro Woche neue Impfdosen eintreffen, damit die Impfaktion vorwärtsgeht. Lokal laufe das Impfen sehr gut, sagt er, bemängelt aber den Mangel an verfügbaren Dosen. "Der Impfstoff ist halt ein Mangelprodukt, das in Hochgeschwindigkeit hergestellt und dann verteilt werden muss." Den bürokratischen Aufwand im Zusammenhang mit den einzelnen Impfterminen empfindet Brath als "gewaltig".

Impfbereitschaft schwer einzuschätzen

Das Impfen selbst gehe schnell, doch dann müssten die Daten elektronisch eingepflegt werden. Positiv sieht er, dass die IT-Abteilung im Landratsamt sich "ganz schön reingehängt" hat, so dass die Verarbeitung dieser Informationen reibungslos klappt. Die Impfbereitschaft in der Bevölkerung lässt sich, seinem Ermessen nach, schwer einschätzen. "Denn ich bekomme eigentlich nur Anfragen dazu, wann man sich nun endlich im Impfzentrum impfen lassen kann. Aber wer unschlüssig ist oder sich gar nicht impfen lassen will, ruft natürlich nicht bei mir an."

Seit 11. Januar hat das Bayerische Gesundheitsministerium ein Online-Portal freigeschaltet, auf dem sich Impfwillige bereits registrieren lassen können. Dadurch werde sichergestellt, heißt es in einer Pressemitteilung des Freistaats, dass alle an der Impfung Interessierten kontaktiert werden, sobald Impftermine vereinbart werden können. Anmelden sollten sich dort jedoch jetzt nur diejenigen, die tatsächlich zur priorisierten ersten Gruppe gehören, heißt es weiter.

Registrierung

Konkret erfolgt die elektronische Registrierung wie folgt: Durch E-Mail-Adresse und die Auswahl eines persönlichen Passworts legt man unter der Internetadresse des Bayerischen Impfzentrums zunächst seinen eigenen Account an. Es folgt die Angabe persönlicher Daten zur Kontaktaufnahme. Einige weitere Fragen dienen dazu, festzustellen, ob man einer besonderen Risikogruppe angehört.

Wie es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes heißt, erhalten Bürger, die älter als 80 Jahre sind, in diesen Tagen Post vom Landratsamt - insgesamt wurden über 8200 Schreiben verschickt. Darin teilt das Landratsamt den Senioren mit, dass sie zu der Personengruppe mit dem höchsten Risiko für eine schwere Erkrankung gehören. "Daher ist es uns ein wichtiges Anliegen, Ihnen einen schnellen Zugang zur Impfung gegen das Covid-19-Virus zu ermöglichen. Eine Verpflichtung hierzu besteht selbstverständlich nicht", heißt es in dem Brief, dem auch ein Aufklärungsmerkblatt beiliegt.

Hilfe vom Landratsamt

"Für diejenigen, die sich nicht online registrieren können, weil sie beispielsweise keine E-Mail-Adresse haben, für die haben wir eine Hotline geschaltet." Unter Tel.: 0971/801 10 01 übernehmen Mitarbeiter des Landratsamts die Registrierung für die Impfwilligen.

Isolde Krapf/red