Die alten Landmaschinen und die Ausstellungsstücke der Sonderausstellung "Zauberschloss und Märchenwald" in der Museumsscheune waren auf die Seite gerückt worden, um für den alljährlichen Kulturempfang des Bezirks Unterfranken auf Schloss Aschach Platz zu schaffen. Diesmal stand die musikalische Kultur im Mittelpunkt und deshalb begrüßte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel dazu die Vertreter von Musikvereinen und Verbänden, von kulturellen Initiativen, Beratungs- und Fortbildungsstellen im Bereich der Musik. Außerdem konnte er mehrere amtierende und frühere Mitglieder des Bezirkstages willkommen heißen.
Landrat Thomas Bold habe sich sehr kurzfristig wegen einer Erkältung entschuldigt, teilte der Bezirkstagspräsident mit. Seinen Part übernahm der neue 1. Bürgermeister von Bad Bocklet, Andreas Sandwall. Dieser überbrachte die Grüße des Landrates. Er erinnerte an die Vereidigung von 500 Offiziersanwärtern in der Gemeinde wenige Tage zuvor, "auch das ist Kultur, die Bundeswehr dient unserem Schutz." In Schloss Aschach gebe es durchaus noch Potenzial für das Engagement des Bezirks. Der Kulturempfang sei ein wichtiger Bestandteil im Jahreslauf der Gemeinde. Er verwies auch auf den im Jahr 2014 gegründeten Förderverein, der vor allem den Bekanntheitsgrad der Museen des Schlosses steigern will.
Beim Surfen im Internet war der Bezirkstagspräsident über den Satz "beim Rückwärtsparken mach ich immer die Musik leiser, sonst sehe ich nichts", gestolpert. Das sei gar nicht so dumm, denn "wenn ich Musik höre, dann sehe ich weniger, weil mich die Musik verzaubert, weil ich wie in einer anderen Welt bin, weil mich die Musik ablenkt." Erwin Dotzel zitierte auch Luther, der gesagt hatte "Musik ist ein reines Geschenk und eine Gabe Gottes, sie vertreibt den Teufel, sie macht die Leute fröhlich und man vergisst über ihr alle Laster."
Der Bezirk Unterfranken verstehe sich als verlässlicher Partner aller Kulturschaffenden und aller Kulturbegeisterten, hob der Bezirkstagspräsident hervor. Auch der jährliche Kulturempfang sei eine Art Kulturförderung, denn damit werde der Kontakt oder Gedankenaustausch all derer, die sich in Unterfranken für Kunst und Kultur engagieren, gefördert. Dazu sei Schloss Aschach bestens geeignet.
Schlossherr Karl von Luxburg hatte das um 1200 erbaute Schloss im Jahr 1955 dem Bezirk geschenkt, mit der Maßgabe, es zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "Diese Aufgabe erfüllen wir mit Leidenschaft und Nachdruck. Der Bezirk fühlt sich dafür verantwortlich, den heute lebenden Menschen den Wert unserer Kulturgüter zu vermitteln. Schloss Aschach gehört zu den Perlen Unterfrankens und zu den großen Attraktionen unserer Heimat", hob der Bezirkstagspräsident hervor. Deshalb werde das einmalige Bauwerk gerade grundlegend erneuert, um ein attraktives Museum zu schaffen. Im Jahr 2018 ist das Graf-Luxburg-Museum deshalb geschlossen und öffnet 2019 wieder. Besonders soll auf Barrierefreiheit geachtet werden. Er wies darauf hin, dass zwei Aufzüge, einer im Bereich der Außentreppe bis auf die Höhe des Haupteinganges und ein weiterer im Inneren über alle Etagen bereits fertiggestellt seien. Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer könnten damit jeden Teil des Museums erreichen. "Barrierefreiheit und Denkmalpflege sind gleichwertige Ziele. Schloss Aschach beweist, dass Barrierefreiheit und Denkmalschutz keinesfalls im Widerspruch stehen," sagte Dotzel. Das Schul- und das Volkskunde-Museum sind von der Schließung nicht betroffen und öffnen wieder am 1. April 2018.
Die Spitzenverbände in den Bereichen Chor, Blasmusik und Volksmusik, aber auch die Musikakademie in Hammelburg, das Bezirksjugendsinfonieorchester oder die Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen würden gefördert, außerdem etwa jedes Jahr rund 100 Musikveranstaltungen. Mainpop, die Populärmusikförderung des Bezirks sei längst zu einem festen Begriff in der Musikszene geworden. Über die unterfränkische Kulturstiftung sei nach wie vor eine breite Kulturförderung ohne Steuergelder möglich, ergänzte der Bezirkstagspräsident.
Zur musikalischen Begleitung des Kulturempfangs gab es eher ungewohnte arabische Klänge in der Museumsscheune. Ein Lehrer-Ensemble der solidarischen Musikschule des Theaters am Neunerplatz in Würzburg spielte einige Stücke. Samir Aldalati (Oud, eine Art Laute), Jonas Hermes (Bass) und Hussein Mahmoud (Saz, ebenfalls eine Art Laute) bekamen dafür viel Beifall, besonders am Schluss für die Melodie des deutschen Volksliedes "die Gedanken sind frei."
Nach dem offiziellen Teil nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Meinungsaustausch. Außerdem gab es Informationen zur geplanten Neupräsentation der Dauerausstellung im Graf-Luxburg-Museum. Auch die Sonderausstellung "Zauberschloss und Märchenwald. Leben und Werk der Gebrüder Grimm" in der Museumsscheune konnte besichtigt werden.