Der unbedarfte Betrachter konnte vielleicht nicht gleich so recht unterscheiden, ob es sich bei dieser eindrucksvollen "Demonstration" nun um den Heimatspiel-Festzug handelt oder ob es doch eine reale kirchliche Prozession ist. Denn es waren viele Gruppen und Einzelpersonen in ihren Heimatspiel-Kostümen bei der sogenannten Schwedenprozession mit dabei und gaben der überlieferten Tradition ein besonders festliches Gepränge.

Denn um die sogenannte Schwedenprozession an dem gelobten Feiertag Mariä Geburt (8. September) handelte es sich ja tatsächlich. Wenn der gelobte Feiertag mit der Prozession, der in Münnerstadt nachweislich seit nunmehr 250 Jahren eingehalten und gefeiert wird, freilich auf einen Heimatspiel-Sonntag fällt, dann zeugt es von einem besonderen Zugehörigkeitsgefühl der Münnerstädter zu ihrem Heimatspiel und der Heimatspiel-Gemeinde zum kirchlichen Brauch im Jahreskreis, wenn dann einfach Beides gemischt gelebt und dargestellt wird.

Es zeigt aber auch, aus wie viele Mitglieder von Vereinen und Gruppen sich auch beim Heimatspiel engagieren. Da trägt dann eben die Pfadfinderin einen Mix aus Kluft und Schnitterinnen-Kostüm, spielen Musikantinnen und Musikanten in der Stadtkapelle in Stadtknecht- oder Tänzerinnen-Gewändern, tragen Mürschter Studentlich Fahnen und Kreuz der Prozession voran.

Und so gedenken viele Münnerstädter Bürgerinnen und Bürger mit Gebeten, Gesängen, Fürbitten und dem Segen Gottes, der an mehreren Stationen feierlich gespendet wird, an die wunderbare Errettung der Stadt Münnerstadt aus großer Not während der Schwedenkriege. Denn wie es das altehrwürdige Bildnis und historische Dokument, das seinen Platz in der Stadtpfarrkirche hat, bei der Prozession mitgeführt und dabei nach gutem Brauch von den Stadträten getragen wird, aufzeigt, war es 1641, als die Schutzfrau von Münnerstadt "...die Stadt, vom Feind beschossen hart einen ganzen Tag, sie treu bewahrt...". Stadtpfarrer Pater Markus Reis trug die prachtvolle Monstranz mit dem Corpus Christi durch die Straßen der Stadt, begleitet von vielen Fahnenabordnungen und Gläubigen, hin zu den Stadttoren, welche vor vielen hundert Jahren allein nicht den Schutz der Bürgerschaft gewähren konnten.

In dieser Form gedenkt und dankt alljährlich Münnerstadt der wundersamen Errettung durch die Mutter Gottes. Um diese Legende dreht sich ja auch die Geschichte des an diesem Sonntag, heuer nun zum zweiten Male, aufgeführten Freilichtspieles "Die Schutzfrau von Münnerstadt" .