Johannes Gutenberg (1400-1468) hat mit seinem Buchdruck und der Verwendung von beweglichen Lettern die effektive Vervielfältigung von Informationen eingeleitet.

Vor 1450 war die gängige Drucktechnik in Europa der Holztafeldruck. Bei dieser Technik musste man den Text oder das Bild, was man drucken wollte, mühsam spiegelverkehrt in einen Holzblock schneiden. Dann wurde das Ganze mit Farbe bedeckt. Anschließend wurde ein Blatt Papier auf den Holzstock gelegt und abgerieben. Gutenberg entwickelte erstmals in Europa ein Druckverfahren mit beweglichen Lettern. Der Text wurde aus einzelnen Buchstaben, Satzzeichen und oft benutzten Kombinationen zusammengesetzt. Außerdem entwickelte er die Druckerpresse, die einen schnellen und gleichmäßigen Druck ermöglichte.

Gutenbergs Technik war bahnbrechend und beständig. Mehr als 500 Jahre lang wurden nach diesem   Prinzip   Druckerzeugnisse hergestellt, natürlich in Details immer wieder verbessert und effizienter gemacht, doch das Prinzip blieb. Als in den 1980er Jahren Computer begannen, in alle Arbeitsabläufe menschlichen Schaffens einzugreifen, begann eine atemberaubende Entwicklung der Kommunikations-Technologie, die auch Einfluss auf die Vervielfältigung von Nachrichten nahm.


Neue Technik in kleiner Zeitung

Als am 1. Januar 1847 die erste Ausgabe des Kissinger Intelligenz Blatt erschien, wurde sie natürlich nach Gutenbergs Erfindung gedruckt. Das blieb so auch beim Nachfolger Saale-Zeitung, bis um 1982 der Fotosatz ("Lichtsatz") die Bleilettern langsam ablöste. Die Saale-Zeitung nimmt ihr 170-jähriges Bestehen, das die Heimatzeitung in diesem Jahr feiert, zum Anlass, in einer Ausstellung den Wandel in der Technik des Zeitungsdruckes zu zeigen. Die Ausstellung ist klein gehalten, sie will und kann nicht die ganze Breite der technischen Entwicklung aufzeigen, sie will und kann vielmehr einen Einblick geben, wie eine kleine Regionalzeitung die Neuerungen und den Wandel in der Kommunikationstechnik aufgenommen und umgesetzt hat.

"Vom Bleisatz zum Digitaldruck" ist die Ausstellung überschrieben, die Vernissage ist am Sonntag, 21. Mai, um 15 Uhr im Henneberg-Museum in Münnerstadt.


Bleilettern, Klischees und Matern

Warum in Münnerstadt? Als im vergangenen Jahr erste Überlegungen für das Saale-Zeitung-Jubiläum 2017 besprochen wurden, stellte Inge Bulheller, Leiterin von Kultourismus in Münnerstadt, fest, dass eine Ausstellung, wie eine Zeitung gedruckt wird und was dazu notwendig ist, für viele Menschen sehr interessant sei. "Zum Zeitungs-Jubiläum könnte man das doch einmal zeigen", sagte sie. Paul Ziegler, der ehemalige Redaktionsleiter der Saale-Zeitung, nahm die Idee auf, kramte in den Zeitungsarchiven und fand etliche Utensilien, die den Zeitungsdruck früherer Tage erklären.

Der Fokus der Ausstellung, die daraufhin von Björn Hein, dem Leiter des Münnerstädter Henneberg-Museums, und Paul Ziegler zusammengestellt wurde, zeigt nun den Stand der Technik im Verlag T.A. Schachenmayer zwischen 1970 und 1995. Es geht um den Bleisatz, Setzkästen, Klischees, Matern und Matrizen, es geht um Fotosatz und den Einzug moderner Computer.

Die Ausstellung zeigt aber vor allem eines auf: Den Wandel von einem filigranen Handwerk und dem handwerklichen Können der Mitarbeiter hin zur Digitalisierung auf. Die Ausstellung präsentiert Produkte, die neben der Tageszeitung gedruckt wurden, wie die früheren Kurzeitungen, die dem Geist der Zeit entsprechend im Bad Kissinger Verlag T.A. Schachenmayer aufgelegt wurden. Darunter ist das Original einer Kurzeitung aus dem Jahr 1890 zu sehen, die an erster Stelle einen ganz berühmten Kissinger Kurgast nennt: Reichskanzler Otto von Bismarck.


Veränderung der Berufsbilder

Die Kurzeitung gibt es heute nicht mehr, Schriftsetzer gibt es nicht mehr, dieser Beruf ist in der Zwischenzeit vom Beruf des "Mediengestalters" abgelöst worden, der Buchdrucker ist Geschichte - aber ehemalige Mitarbeiter der Saale-Zeitung haben diese Berufe noch erlernt und können davon erzählen. Wie zum Beispiel Wolfgang Grosser (gelernter Schriftsetzer) und Waldemar Ehrenberg (gelernter Buchdrucker-Meister). Beide werden zur Vernissage erwartet.
Von der technischen Entwicklung auf dem Kommunikationssektor betroffen war natürlich die Redaktion der Zeitung. Bis etwa 1985 haben die Redakteure ihre Artikel auf Schreibmaschinen geschrieben, ein Setzer hat dann den Artikel erneut in eine reproduzierfähige Version abgeschrieben. Heutzutage geht das alles viel einfacher: Der Redakteur gestaltet an seinem Arbeitsplatz die komplette Zeitungsseite mit Texten und Bildern. Kollegen stellen online die Anzeigen dazu.

Am Ende des Tages gibt man in der Redaktion die Seite frei, die mit einem Knopfdruck direkt in die Druckerei geschickt wird. Automatisch wird die Druckplatte hergestellt, die über ein Förderband an die Druckmaschine gebracht und dort von einem Roboterarm in die Rotation gespannt wird: Der Bogen von Johannes Gutenberg bis zum Digitaldruck ist gespannt.

"In 35 Jahren sind wir von einer Manuskriptseite bis zur Online-Meldung in Jetztzeit gekommen", erinnert sich Paul Ziegler. Während früher vom Ereignis bis zur Information für den Zeitungs-Abonnenten bis zu 24 Stunden vergingen, stehen heute solche Informationen sofort zur Verfügung. Die Veränderung ist das Beständige in der Welt geworden, die Tageszeitung ist davon nicht ausgenommen, wie rasant das gehen kann, zeigt die Ausstellung exemplarisch.


Zeitung im Wandel

Anlass: 170 Jahre Saale-Zeitung

Ausstellung: "Vom Bleisatz zum Digitaldruck"

Ort: Henneberg-Museum Münnerstadt

Vernissage und Öffnungszeiten: Vernissage: 21. Mai, 15 Uhr, Ende: 3. September, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10 bis 16 Uhr, Samstag, 10 bis 14 Uhr, Sonntag, 13 bis 17 Uhr.