Richtige Winter sind ja in unseren Breiten eher selten geworden. Doch momentan ist es kalt. Es gibt Schneeschauer, die mitunter auf Straßen und Gehwegen liegen bleiben. Dann heißt es Schneeräumen - eine winterliche Pflicht für Bürger, die in einer Satzung klar geregelt ist.

In Münnerstadt stammt die aktuelle Satzung aus dem Jahr 2006 und nennt sich Straßenreinigungsverordnung. In ihr hat der Stadtrat unter andere m den Winterdienst für die Bewohner geregelt. "Zur Verhütung von Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum oder Besitz" müssen die Anlieger ihre Gehwege auf eigene Kosten in sicherem Zustand erhalten.

Die Pflicht zum Winterdienst besteht an Wochentagen ab 7 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 8 Uhr. Je nach Wetterlage muss das Schneeschippen bis 20 Uhr am Abend wiederholt werden. Gestreut werden soll mit "geeigneten, abstumpfenden Stoffen (Sand, Splitt)" heißt es weiter in der Verordnung.

Von Streusalz ist dort nichts zu lesen. Es sei aber auch nicht explizit verboten, erklärt Bürgermeister Michael Kastl auf Nachfrage dieser Zeitung. Ein direktes Streusalzverbot gibt es für Münnerstadt derzeit nicht. Auch die Stadt nutze für ihren Winterdienst Salz, erklärt Michael Kastl.

Daran wird sich in diesem Winter nichts ändern. Grundsätzlich sei denkbar, dass sich der Stadtrat irgendwann einmal mit diesem Thema befassen werde, wenn es um Fragen der besseren Umweltfreundlichkeit geht.

Tatsächlich ist die Stadt in der Streusalzfrage heutzutage liberaler, als sie es vor 35 Jahren war. In der Wintersaison 1985/86 war es in Münnerstadt den Bürgern erstmals untersagt worden, auf den Gehwegen mit Salz zu streuen. Lediglich sehr abschüssige oder gefährliche Gehwegabschnitte waren von diesem Gebot ausgenommen. Auch der Bautrupp sollte sich beim Winterdienst an diese Verordnung halten. Auf das Streuen in innerörtlichen Straßen wurde damals nicht mehr gestreut. Als alternatives Streumittel wurde den Bürgern damals Eifel-Lava empfohlen.

Richtig durchgesetzt hat sich in Münnerstadt der umweltfreundliche Winterdienst offenbar nicht. Auf jeden Fall ist in der heute gültigen Verordnung von 2006 das Streusalzverbot nicht mehr zu finden.

Der Münnerstädter Einzelhändler Arno Reuscher (Eisen-Krais) erklärt auf Anfrage, dass Streumittel auf Lava-Basis zwar noch nachgefragt werden, allerdings höchstens einen Anteil von zehn Prozent bei den verkauften Streumitteln haben. Die meisten Bürger wählen Streusalz für ihren Winterdienst, ist seine Erfahrung. Anderes Material werde wohl auch deshalb nicht so gerne gewählt, weil es in die Häuser hineingetragen wird.

Reuscher weiß, dass Streusalz vom Umweltgedanken her nicht als optimal angesehen wird, er gibt aber zu Bedenken, dass der Einsatz im privaten Bereich stark rückläufig ist. "Die Mengen sind nur ein Bruchteil von dem, was früher gebraucht wurde". Das liegt am Klimawandel, der weniger Eis und Schnee bringt. Insofern sei die Streusalzproblematik heutzutage vermutlich geringer als vor 35 Jahren, meint der Geschäftsmann.