Ob hell oder dunkel, ob cremig oder flüssig, Honig gilt als das "Gold" der Imker. Er riecht und schmeckt unterschiedlich, je nachdem, was die Bienen gesammelt haben. Doch manchmal bringen Bienen auch Stoffe mit, die weder den Bienen noch dem Honig gut tun.

Annette Seehaus-Arnold ist Präsidentin des Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imker-Bundes. Die Imkerin lebt in Burglauer bei Münnerstadt. Sie erzählt von einer Imkerei in Brandenburg, die mehr als 2,5 Tonnen Honig auf eigene Kosten entsorgen musste, weil Pestizidrückstände im Honig um ein Vielfaches im Vergleich zu den erlaubten Grenzwerten zu hoch waren. "Das kann zur Existenzbedrohung für die betroffenen Berufs- und ErwerbsimkerInnen werden", sagt Annette Seehaus-Arnold.

Ein besonderes Risiko

Ein besonderes Risiko für Bienen und ihren Honig hatten die Imker auch für dieses Frühjahr durch den Wirkstoff Acetamiprid befürchtet. Acetamiprid ist ein Wirkstoff, der zur Bekämpfung des Rapsglanzkäfers eingesetzt wird, heißt es in einer Pressemitteilung des Imker Bundes. Raps gehöre zu den am intensivsten mit Pflanzenschutzmitteln behandelten Kulturpflanzen.

Das Problem: Raps sei mit seiner frühen Blüte wichtig für Bienen und andere Insekten. Und: Rapshonig ist besonders bei Kindern beliebt, so die Erfahrung der Berufsimkerin. "Es ist ein ganz heller, feiner, cremiger Honig." Pestizidrückstände im Honig wollten weder die Berufs- und ErwerbsimkerInnen noch die VerbraucherInnen und schon gar nicht die Kinder.

Das war nichts illegales

Bisher sei es üblich gewesen, Acetamiprid zu spritzen, wenn der Raps voll erblüht sei. "Das Mittel durfte in die Blüte gespritzt werden", erklärt Seehaus-Arnold. "Das kann dazu führen, dass Rückstände bleiben und die Bienen Schaden nehmen." Sie betont, dass die Landwirte damit nichts Illegales taten.

"Mehrfach haben wir uns bezüglich der Blütenspritzungen von Raps an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gewandt. Immer wieder haben wir gefordert sicherzustellen, dass die EU-Bestimmungen zum Schutz der Bienen eingehalten werden und der Einsatz bienenschädigender Pestizide in blühenden Pflanzen verboten wird", sagt Seehaus-Arnold.

Acetamiprid sei hochtoxisch für die Bienen. Der Wirkstoff sei etwa in dem Mittel Mospilan SG enthalten. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat die Anwendung der Pflanzenschutzmittel Mospilan SG und Danjiri gegen den Rapsglanzkäfer in Winterraps nun ab dem 12. März eingeschränkt. Das sei für die Imker ein wichtiger Erfolg, sagt Seehaus-Arnold. Das Gift dürfe ab sofort nur noch vor dem Öffnen der Rapsblüte gespritzt werden, das heißt, bevor der Raps aufgehe, erklärt sie. Der Vorteil: "Da sind die Bienen noch nicht im Raps drin. Erst wenn er blüht, dann fliegen sie rein." Kontrollieren, wohin die Bienen fliegen, können Imker nicht.

Bienen brauchen das Sonnenlicht

Eine Biene könne an einem Tag schon mal über sieben Kilometer ausfliegen, wenn sie Pollen sammle. "Sie brauchen das Sonnenlicht", erklärt die Bienen-Expertin. Wenn es dunkel werde, kehren die Bienen zurück in den Bienenstand.

Im Landkreis Bad Kissingen und im Landkreis Rhön-Grabfeld habe Seehaus-Arnold bisher noch keine Probleme mit Pestizidrückständen im Honig gehabt. "Die Landwirte achten schon sehr darauf", sagt sie. Sie stehe mit Bauern in Kontakt und spreche sich mit ihnen ab, damit diese etwa nur dann spritzen, wenn die Bienen nicht mehr fliegen. Ein Landwirt aus Münnerstadt berichtet, dass er das Mittel auch schon vor der Regelung nicht verwendet habe.

In den Landkreisen gibt es relativ wenig Berufsimker. Aber auch hobbymäßige Imker essen und verkaufen ihren Honig. Seehaus-Arnold schätzt, dass es insgesamt rund 600 Imker im Landkreis gebe.

Ein Bienenvolk bringt einige Kilo Honig

Im Durchschnitt habe ein Imker sieben Bienenvölker. Pro Bienenvolk gebe ein Volk etwa 15 bis 20 Kilo Honig. Das ergebe allein in den beiden Landkreisen zwischen 63 und 84 Tonnen Honig. In einem Glas seien meist etwa 500 Gramm abgefüllt.

Seehaus-Arnold betont: "Geht es unseren Honigbienen gut, dann geht es auch uns gut." Der Verbraucher bestimme täglich mit, wie die Landwirtschaft aussehe. Sie empfiehlt regionale Verbandsware und nennt als Beispiele "Demeter" und "Bioland". "Naturland" hätte auch ausländischen Honig, bei dem eine Mischung aus EU und Nicht-EU Honig abgefüllt werde. Dann käme der Honig auch aus Südamerika oder China.