"Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen", soll Martin Luther einst gesagt haben. Ob er diesen Spruch wirklich getan hat, ist allerdings umstritten. Sicher ist aber, dass die Angehörigen des Mürschter Geburtsjahrganges 1946, die am 11. November letzten Jahres einen Baum gepflanzt haben, damals garantiert nicht in Weltuntergangsstimmung waren.

Sie wollten ein Denkmal dafür setzen, dass sie letztes Jahr ihren 70. Geburtstag feiern konnten. Und sie haben auch keinen Apfelbaum gepflanzt, sondern eine schon zehn Jahre alte Linde. Am Vatertag bauten Angehörige des Jahrgangs nun unweit "ihres" Baumes ein großes Party-Zelt auf, um sozusagen die Einweihung des Baumes und des Gedenksteines davor zu feiern.

"Wir sind ein recht kleiner Geburtsjahrgang", weiß Wolfgang Blümlein. Ingeborg Schmucker, bei der die Fäden zusammenlaufen, hat genauere Zahlen parat: Dieser Jahrgang kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges umfasste 41 Buben und Mädchen. Zwölf von ihnen sind bereits gestorben, 29 leben also noch. 19 haben eine Spende gegeben, um den Baum zu finanzieren.

Einfach einen Baum kaufen, auf öffentlichem Grund ein Loch buddeln und den Baum dann hineinstellen, geht natürlich in Deutschland nicht. Also wandten sich Angehörige des Jahrgangs ganz korrekt an die Stadtverwaltung. Bürgermeister Helmut Blank, offenbar sehr erfreut über diese Dokumentation von aktivem Bürgersinn, unterbreitete drei Vorschläge für einen Standort. Schließlich entschieden sich die Jahrgänger, den Baum auf einer freien Fläche am Leihschuhweg (vom Hotel Tilman bis zum Jörgentor-Park) einzupflanzen. Er wurde jeden Tag kräftig gegossen und ist gut angewachsen, wie auch Laien unschwer erkennen können.

Als am Vatertag gefeiert wurde, war der Baum mit bunten Luftballons geschmückt. Den viereckigen Stein vor der Linde taufte Wolfgang Blümlein mit ordentlich viel Sekt. Er erzählte, dass ihn die Nüdlinger Firma Walter Koch gespendet hat. Die Inschrift lautet "Jahrgang 1946 - anno 2016", sie wurde mit von der Firma ausgeliehenem Werkzeug eingemeißelt. Und unter dem Dach des Partyzeltes ließen es sich die Angehörigen des Mürschter Jahrganges 1946 an diesem herrlichen Tag so richtig gut gehen. Auch sonst sind sie offenbar keine Kinder von Traurigkeit. Sie treffen sich vier Mal im Jahr zum Stammtisch. Auch haben sich schon einige größere Reisen unternommen und waren zusammen sogar schon in Peking, Paris und Wien.