Vor allem die Entsorgungsarbeiten im Hallenbad sind den Hallenbad-Befürwortern ein Dorn im Auge.Die Verantwortlichen des Münnerstädter Bürgerbadvereins haben der Stadt Münnerstadt in einem Pressegespräch undemokratisches Verhalten vorgeworfen. Aktueller Auslöser der Kritik sind vor allem die Ende Januar begonnenen Ausräumarbeiten im Hallenbad; diese sind weiter im Gange, obgleich ein neues Bürgerbegehren derzeit vom Bürgerbadverein angestoßen wird.

Wilhelm Schmitt spricht von hektischer Betriebsamkeit. Er sieht darin ebenso ein Unterlaufen des Bürgerbegehrens wie Vereinsvorsitzender Wolfgang Blümlein und sein Stellvertreter Uwe Kretschmar. Wilhelm Schmitt: "Das ist nicht redlich."

"Damit wird voreilig städtisches Vermögen vernichtet", so das Urteil von Wolfgang Blümlein. Er beklagt, dass Mitarbeiter des städtischen Bauhofes die Kabinenschränke entsorgen. Diese sind nach Ansicht Blümleins nach mehr als 45 Jahren noch "neuwertig".

Bürgermeister Helmut Blank hatte mit Beginn des Bürgerbegehrens erklärt, die Aufräumarbeiten im Hallenbad würden erst gestoppt, wenn die Unterschriftenlisten zum Bürgerbegehren im Rathaus eingereicht worden sind. Diese Meinung vertritt er weiterhin.

Viele Zweifel

Die Vertreter des Bürgerbadvereins stoßen sich daran, dass der Bautrupp Ausräumarbeiten übernimmt. Wichtige andere Arbeiten im Stadtgebiet würden dadurch liegen bleiben. Auch bezweifeln Schmitt, Blümlein und Kretschmar, ob der Bürgermeister überhaupt die Legitimation dazu hat, die Ausräumarbeiten im Hallenbad in diesem Umfang anzuordnen. Normalerweise müssten Abbrucharbeiten auch vom Stadtrat genehmigt werden, erklärt der pensionierte stätische Beamte Wilhelm Schmitt. Als abbruchverdächtig sehen sie die laufenden Aktionen im Hallenbad durchaus. So seien die Lichtkuppeln über den Umkleidekabinen bereits teilweise ausgebaut. "Es ist kein Abbruch", so das Gegenargument von Bürgermeister Helmut Blank. Er lasse den Abriss lediglich vorbereiten. Die Stadt habe zeitliche Fristen einzuhalten, damit der Abbruch gefördert wird, begründet er die laufenden Arbeitseinsätze.

Die Hallenbad-Aktivisten interessiert, wie und ob die Stadt Münnerstadt die vom Bauhof geleisteten Stunden als Kosten auf die Baumaßnahme anrechnet. "Das soll nicht ihre Sorge sein", erklärt Bürgermeister Helmut Blank auf Anfrage.

Mit Verwunderung stellen die Sprecher des Bürgerbadvereins fest, dass die Bauhofmitarbeiter ohne Schutzvorkehrungen im Bad arbeiten. Als Mitglieder des Bürgerbadvereins vor einiger Zeit eine Aufräumaktion starten wollten, sei dies ihnen verboten worden wegen Gefahr für Leib und Leben, so Wilhelm Schmitt.

"Alles geht seinen geordneten Weg", erklärt Helmut Blank. Das hätten Besuche von Gewerbeaufsicht und Berufsgenossenschaft bestätigt, die bereits vor Ort waren.

Fakt ist allerdings, dass 2016 von der Stadt ein Gutachten vorgestellt wurde, in dem auf überall verbaute toxische Stoffe hingewiesen wurde, darunter Asbest. Der Bürgermeister hat keine Bedenken: Solange die Arbeiter nicht mit Presslufthammer arbeiten, sei das kein Problem. Das sei abgeklärt.

Unter dessen läuft das Bürgerbegehren in Münnerstadt weiter. Genaue Zahlen, wie viele Bürger bereits unterschrieben haben, nennen die Vertreter des Bürgerbadvereins aktuell nicht, da mehrere Unterschriftenlisten im Stadtgebiet ausliegen. "Wir sehen uns aber auf einem guten Weg", so Wolfgang Blümlein. Es entwickle sich von Tag zu Tag. Ihrer Meinung nach beruhen viele Argumente, die Münnerstädter im Gespräch gegen das Hallenbad äußern auf Fehlinformationen der Stadt. Es habe immer die Transparenz gefehlt, so Uwe Kretschmar.

Auch wenn schon Entsorgungsarbeiten im Hallenbad laufen, sind die Initiatoren des Bürgerbegehrens weiterhin von der Sanierbarkeit des Hallenbades überzeugt und fühlen sich darin durch Gutachten bestätigt. Sie sprechen von "hoher Qualität des stillgelegten Bades", die eine knappe Mehrzeit im Stadtrat nicht sehen wolle, so Blümlein. Diese Mehrheit habe sich nie mit Vernunft mit den vorliegenden Zahlen auseinandergesetzt, heißt es. "Es gab immer nur eine Richtung und die hieß: weg", sagt Wilhelm Schmitt.

Ehrenamtliches Engagement

Überzeugt sind die Initiatoren des Bürgerbegehrens, dass sich die im jüngsten Gutachten genannten Betriebskosten von rund 150 000 Euro jährlich über ehrenamtliches Engagement deutlich reduzieren lassen. Wolfgang Blümlein ist sich weiterhin sicher, dass der 800 Mitglieder starke Bürgerbadverein das leisten kann.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens hoffen jetzt auf einen in ihrem Sinne verlaufenden Bürgerentscheid. In diesem Falle würde der Abriss gestoppt und außerdem eine Sanierung des Bades eingeleitet werden. "Mit dem höchstmöglichen Fördersatz", ergänzt Wolfgang Blümlein auf Anfrage.

Aber erst braucht der Verein rund 700 Unterschriften, damit der Stadtrat überhaupt entscheidet, ob der Entscheid zugelassen wird. Der Bürgerbadverein verweist erneut auf den Fördersatz von 80 Prozent bei einer Hallenbadsanierung. Dieser könne für finanzschwache Kommunen in besonderen Fällen sogar auf 90 Prozent steigen, beruft man sich auf eine Aussage des Bayerischen Heimatministeriums (Drucksache Bayerischer Landtag vom April 2018).