Weiße Weihnacht: Das ist das Ereignis, wovon viele träumen. Denn wenn es regnet, die Temperaturen fast frühlingshaft mild sind, mag Weihnachtsstimmung nur zögerlich aufkommen. Leider ist die weiße Weihnacht ein äußerst seltenes Phänomen in unseren Breiten. Vor zehn Jahren jedoch bescherte ein Tief den Münner-städtern eine Schneelandschaft, wie sie sie nur selten erlebt hatten. Die weiße Pracht war damals so üppig, dass man gar nicht mehr wusste, wohin mit dem Schnee.

Die Münnerstädter erinnern sich noch gut an diese besondere Weihnacht. Der stellvertretende Bauhofleiter Diethard Markert erzählt, dass es für ihn und seine Kollegen kein entspanntes Fest war. Denn die Männer des Bauhofes waren alle im Einsatz, damit die Straßen und Wege wenigstens halbwegs frei waren. Nachdem es am Heiligen Abend Anfangs noch regnerisch war, hatte im Laufe des Tages der starke Schneefall eingesetzt und hörte stundenlang nicht mehr auf. "Das war schon extrem", blickt Diethard Markert zurück.

Lastwagen voller Schnee

Die Schneemengen waren so groß, dass es nicht mehr reichte, mit dem Schneepflug durch die Straßen zu fahren. Denn der Schnee türmte sich immer mehr auf, verengte die Fahrbahnen und die Gehsteige, die ja ebenfalls begehbar sein sollten.

Dem städtischen Bautrupp blieb also nichts anders übrig, als den Schnee in Lastwagen wegzufahren. Neben dem Münnerstädter Wertstoffhof wurde das Depot angelegt. Der Berg wuchs und wuchs. Es war soviel Schnee, dass er noch bis in den April nicht ganz abgetaut war, erinnert sich Diethard Markert zurück. Extrem sei die Situation vor allem in Windheim gewesen. Da habe man mehrere Tage geräumt. Schwierig waren die Straßenverhältnisse zwischen Seubrighausen und Wermerichshausen, weil es dort starke Schneeverwehungen gab.

Chaos blieb aus

Damals sei man insgesamt froh gewesen, dass dieser Wintereinbruch auf die Weihnachtstage fiel. Dadurch seien nur wenige Leute beruflich mit dem Auto unterwegs gewesen und ein Chaos blieb aus.

Auch Christian Schmitt kann ein Lied davon erzählen, welche Plackerei es war. Schmitt ist als Hausmeister der katholischen Kirchengemeinde auch für den Winterdienst zuständig. Stundenlang musste er an diesem 1. Weihnachtsfeiertag schippen. Und kaum sei man an einer Stelle fertig gewesen, war an anderer Stelle wieder alles zugeweht. Auch er wusste stellenweise nicht mehr wohin mit den Schneemassen, obwohl der freigeschaufelte Fußweg maximal 1,50 Meter breit war.

Ganz andere Probleme hatten viele Münnerstädter mit dem Schnee, erinnert sich Klaus Schilling. Bei dem Elektromeister gingen am Weihnachtsfest 2010 zahlreiche Anrufe ein, weil die Satellitenschüsseln ausgefallen waren und der neue Fernseher nur ein schwarzes Bild präsentierte. In den meisten Fällen nutzte der Ratschlag, die Sat-Schüssel vom Schnee zu befreien. Dann war das weihnachtliche Fernsehprogramm wieder gesichert.

Gefahr von Dachlawinen

Dafür gab es für Klaus Schilling rund um sein Geschäftshaus in der Innenstadt jede Menge Arbeit mit Schneeschippen. Und als er endlich alle Zugänge freigeschaufelt hatte, donnerte eine Lawine vom Dach. Die türmte so viel Schnee auf, dass das Auto erstmal in der Garage bleiben musste, bis der Schneeberg weggeschafft war.

Bauhofleiter Stefan Sluzar war 2010 noch nicht bei der Stadt. Er stieß erst 2011 dazu. Aber natürlich erinnert er sich auch an dieses besondere Weihnachtsfest. Einen ähnlich intensiven Wintereinbruch habe es seitdem nicht mehr gegeben. Der Winter 2019/2020 sei sogar der mildeste gewesen, den er in Diensten der Stadt erlebt habe. Gerade mal knapp 100 Tonnen Streusalz sei da gebraucht worden. Normalerweise sei das deutlich mehr.

Die Schneeräumarbeiten werden seit Jahren weniger, ist seine Beobachtung. Räumen sei nicht mehr so sehr das Thema. "Man darf sich davon aber nicht täuschen lassen. Den Winter gibt es trotzdem noch", sagt Sluzar. Der kommt halt gerne in Form von Eis-Glätte daher.

Der Winterdienst gehört für den Bauhof deshalb in der kalten Jahreszeit weiterhin zum Tagesgeschäft, auch wenn die Einsatzzeiten in milden Wintern deutlich kürzer sind als 2010, erklärt Stefanz Sluzar.