Die Stimmung ist gut im Münnerstädter Rathaus. Wir bekommen nach Schonungen den zweithöchsten Zuschuss in Unterfranken", sagt der Geschäftsleitende Beamte und Kämmerer Stefan Bierdimpfl. Mit 2,45 Millionen Euro liegt Münnerstadt auch nur 50 000 Euro hinter der Höchstförderung. Seit 2014 hat Münnerstadt jedes Jahr einen Zuschuss bekommen, so hoch wie heuer war er allerdings noch nie. Bürgermeister Michael Kastl ist sich sicher, dass dies vor allem einen Grund hat: "Weil wir dringend notwendige Investitionen offen benannt haben und diese konsequent umsetzen."

Früher hatte es die Bedarfszuweisungen ohne Spezifizierung gegeben, die Stadt Münnerstadt hat sie ausschließlich zur Verminderung der Schulden eingesetzt. Inzwischen besteht die Bedarfszuweisung aus zwei Säulen, erläutert Stefan Birdimpfl. Ein Teil ist für die Schuldenreduzierung, der andere für Investitionen im Bereich der Pflichtaufgaben. Im letzten Jahr hatte es 1,7 Millionen Euro gegeben, 500 000 Euro davon waren für den Schuldenabbau, 1,2 Millionen für Investitionen. "Wir wissen nicht, wie sich die Summe in diesem Jahr verteilt, der endgültige Förderbescheid kommt erst Anfang Dezember", sagt Stefan Bierdimpfl. Michael Kastl hofft aber, dass die Verteilung ähnlich aussieht, ein Großteil also in Investitionen gesteckt werden kann.

Inzwischen fahren Bürgermeister Michael Kastl und der gesamte Stadtrat einen anderen Kurs. Es wird wieder investiert. "Es ist nichts drin in unserem Haushalt, was Luxus wäre", betont das Stadtoberhaupt. "Wir haben ausschließlich offen die dringend notwendigen Investitionen benannt."

Und die sind ja hinlänglich bekannt. Dazu zählen unter anderem die Generalsanierung der Mehrzweckhalle, der Neubau des Feuerwehrgerätehauses Münnerstadt, der Straßenbau, Städtebauförderung und natürlich das Jörgentor, das im kommenden Jahr saniert werden soll. Michael Kastl ist sich sicher, dass die Haushalte in den nächsten Jahren noch ganz anders aussehen werden. Denn das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) und das Gemeindeentwicklungskonzept werden neue Möglichkeiten für Vorhaben bieten. "Die werden wir festklopfen und auch konsequent umsetzen."

1,5 Millionen Euro waren im laufenden Haushalt als Einnahmen aus der Bedarfszuweisung eingeplant, 2,45 Millionen Euro sind es geworden. Das sind 950 000 Euro mehr. Die Folge? "Wir werden in diesem Jahr keine Kredite aufnehmen", sagt Stefan Bierdimpfl. Somit wird der Schuldenstand am 31. Dezember auch nicht wie vorgesehen 16,4 Millionen Euro betragen, sondern nur 12,4 Millionen Euro. Das ist einerseits durch die hohe Bedarfszuweisung möglich, anderseits durch Vorhaben, die noch nicht umgesetzt werden konnten, wie der Hochbehältersanierung in Althausen und Kleinwenkheim sowie im Bereich Abwasser, Straßenbau und Städtebauförderung. Manchmal sind Dinge einfach noch nicht kassenwirksam geworden, werden aber im Januar oder Februar 2021 zu Buche schlagen.

Die Sparpolitik mit dem Nichtinvestieren der letzten Jahre war nicht ohne Folgen. So ist die Stadt aus dem Struktur- und Härtefond gefallen, der Fördermittel in Höhe von bis zu 80 Prozent möglich macht. Heuer sind es nur 60 Prozent, ab 2021 aber greift die Förderinitiative "Innen statt Außen", womit Münnerstadt wieder 80 Prozent Förderung bekommt, im Idealfall sind sogar 90 Prozent möglich. Das ist auch dringend nötig. "Wegen der Zurückhaltung notwendiger Projekte in den letzten Jahren haben wir einen enormen Investitionsstau", sagt Stefan Bierdimpfl. Mit dem Haushalt 2020 sei es möglich, diese dringend notwendigen Investitionen auch zu tätigen. Es gibt aber auch noch einen anderen Weg. "Mein Lieblingsbeispiel ist die Musikschule", sagt er. Da sehe man, dass auch Dinge kostenneutral umgesetzt werden können. "Keine perfekte Lösung, aber eine gute."

Am Montagabend hat Michael Kastl den Stadtrat über die hohe Bedarfszuweisung informiert. Bei einem Gespräch mit dieser Zeitung sagte er, "Ich persönlich bin mir sicher, dass es gut war, die notwendigen Investitionen zu benennen und anzugehen." Und: "Deswegen haben wir eine überdurchschnittliche Bedarfszuweisung erhalten." Die sei auch dringend nötig, denn die Stadt Münnerstadt habe aufgrund ihrer Struktur viel mehr Pflichtaufgaben als andere Kommunen. "Mehr Friedhöfe, mehr Feuerwehren, mehr Straßen und dazu eine historische Altstadt in Münnerstadt."

Das Jörgentor beispielsweise wird nächstes Jahr saniert, "Danach haben wir ein Tor, das genauso ist, wie wir es vorher hatten." Für die Summe der Sanierungskosten könnten andere Kommunen ein Baugebiet ausweisen oder ein Dorfgemeinschaftshaus bauen und würden gut dastehen. Münnerstadt habe einfach mehr und andere Pflichtaufgaben.