Ein klimaneutraler Friseurbetrieb? Geht das? In Münnerstadt versuchen Stefan Fischer von Fischerman´s Barbershop und sein Sohn Kai Fischer dieses Ziel langfristig zu erreichen. Seit dem ersten Lockdown können auch die Kunden dazu beitragen. Für jeden erworbenen Gutschein, der gekauft wird, pflanzt die Familie Fischer einen Baum im eigenen Wald. Mittlerweile ist es gelungen, 0,3 Hektar jungen Waldes anzupflanzen.

Die Idee stammt von Kai Fischer. Er ist Forstingenieur und arbeitet als Förster in der Region. Sein besonderes Anliegen gilt nicht nur berufsbedingt dem Wald. Er sorgt sich um das Klima und möchte einen Beitrag leisten, den Klimawandel zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen.

Sein Vater Stefan wiederum betreibt ein Friseurgeschäft. In diesem Handwerk wird viel Trinkwasser verbraucht. Der Wald sei ein großer Wasserspeicher und -produzent, der bewahrt bleiben muss. Kai Fischer gelang es, seinen Vater davon zu überzeugen, aktiv etwas für den Erhalt der Wälder zu tun. Also erwarben Vater und Sohn bereits vor einigen Jahren Wald, damit die heimischen Wasserspeicher erhalten bleiben. Die Gutscheinaktion soll die Kunden von Fisherman´s Barbershop für dieses Anliegen sensibilisieren.

Die Idee stößt auf positive Resonanz, ist die Erfahrung von Stefan Fischer. "Die Kunden finden es gut". In den letzten Wochen hat Kai Fischer in den Waldstücken 2175 Bäume pflanzen lassen. Es sind Buchen und Weißtannen.

0,3 Hektar Fläche wurden auf diese Art und Weise mit jungen Bäumen wiederaufgeforstet. Kai Fischers Ziel ist es, in Zukunft ein Hektar Wald pro Jahr neu zu bepflanzen und damit auch die Klima-Bilanz des Friseurgeschäfts zu verbessern. Umgestellt haben die Fischers die Energieversorgung. Statt mit Öl werde mittlerweile mit Solar, Gas und Brennholz geheizt. Bei der Materialwahl der Innenausstattung wird nach Angaben von Stefan Fischer ebenfalls auf Nachhaltigkeit geachtet. Ablagen im Friseurladen sind gefertigt aus Holz vom eigenen Wald.

Kai Fischer hat weitere Ideen für den Betrieb seines Vaters. Eine Überlegung ist, dass Kunden außerhalb der Gutscheinaktion die Möglichkeit haben, einen freiwilligen Beitrag zur Klimafreundlichkeit zu leisten. Fischer denkt an Baumzertikfikate, die für einen Haarschnitt erworben werden können. Damit könnten weitere Bäume gepflanzt werden.

Im Barbershop fällt täglich ein Rohstoff an, für den es derzeit noch keine optimale Verwertung gibt: Haar. Auch zu diesem Thema denkt Kai Fischer über nachhaltige Lösungen nach. Theoretisch wäre Haar in der Forstwirtschaft einsetzbar, als Dünger oder zur Wildabwehr. Praktisch ist das derzeit kaum möglich, da Haare mit Chemikalien belastet sein können, beispielsweise durchs Färben. Grundsätzlich aber seien Haare gut kompostierbar, sagt Kai Fischer. Er hofft, dass sich langfristig Lösungen finden, geschnittene Haare in irgendeiner Form umweltfreundlich weiter zu verwenden.Stefan Fischer erinnert sich gut an seine Lehrzeit vor 42 Jahren. Damals hätten Malerbetriebe noch nach Haar angefragt. Die hätten den Rohstoff teilweise für Verputzerarbeiten genutzt.