Es ist kalt an diesem Januartag; immer wieder gibt es einen Schneeschauer, der Wind bläst eisig ins Gesicht. Für die drei Männer, die im Naturschutzgebiet "Wacholderheiden südlich von Münnerstadt" Landschaftspflegearbeiten leisten, ist das kein Problem. "Momentan ist es ein richtig gutes Arbeiten", stellt Thomas Dömling an einem winterlichen Tag im Januar fest. Denn wenn es frostig ist, herrschen ideale Bedingungen für die Pflege der sensiblen Wacholderheiden. Thomas Dömling, Max Schluttig und Kevin Kliem haben den Auftrag, die Heidelandschaft offen zu halten. Doch nicht nur dieses Naturschutzgebiet wird in diesem Jahr gepflegt. Beispielhaft für diese Saison wären die Gebiete "Goldgrund", "Rabust", "Längenreth" sowie "Karlsberg und Rhöner" zu nennen, so die Stellungnahme aus der Presseabteilung des Bad Kissinger Landratsamtes. Federführend verantwortlich für die Planung und Organisation der Arbeiten sind die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt sowie der Landschaftspflegeverband. Der Pflegeverband beauftragt mit den Arbeiten sogenannte Pflegetrupps.

Wacholderheiden sind ein typisches Landschaftsbild rund um Münnerstadt. Die offene Weidelandschaft steht in vielen Bereichen unter Naturschutz. Die Schutzwürdigkeit bedeutet allerdings nicht, dass die Flächen sich selbst überlassen werden. Das besondere Landschaftsbild braucht menschliche Pflege. Ohne diese würde sich dort über kurz oder lang eine Heckenlandschaft oder ein Wacholderwald entwickeln. Beides ist nicht gewünscht.

Uralte Kulturlandschaft

Wacholderheiden sind von Menschen gemachte Naturrefugien. Ihre Entstehungszeit reicht viele hundert Jahre zurück. Damals wurden die wenig ertragreichen Muschelkalkhänge beweidet. Es entstand Grasland. Als einziges, baumartiges Gewächs setzte sich der Wacholder durch, weil das Gewächs von den Schafen wegen seiner stacheligen Nadeln gemieden wurde.Die Wacholderheiden südlich von Münnerstadt werden heute nicht mehr beweidet, weil sie im Wasserschutzgebiet liegen. Deshalb erstellt die Untere Naturschutzbehörde Pflegepläne zum Erhalt dieser Landschaft.

Die drei Landschaftspfleger haben einen klaren Auftrag. Sie durchforsten den Wacholderbestand oberhalb des Münnerstädter Tales, damit die Magerrasenflächen nicht überwuchert werden. Außerdem soll dadurch Platz für jungen, kräftigen Wacholder geschaffen werden. Alte Bestände werden gekürzt, damit sie wieder neu austreiben können.

Die Arbeiten zielen nach Angaben von Nathalie Bachmann (Pressesprecherin im Landratsamt) darauf ab, den einzigartigen, relativ großen Magerrasenkomplex mit vielen bedrohten Tier/- und Pflanzenarten (wie z.B. zahlreichen Orchideen, Diptam und Enzian) zu erhalten. "Ohne diese Arbeiten würde die Fläche rasch mit Gehölzen zuwachsen und die genannten unter Schutz stehenden Arten würden verschwinden".

Thomas Dömling, Max Schluttig und Kevin Kiem werden über mehrere Wochen mit dem Auslichten beschäftigt sein. Alleine die Pflegefläche in den Wacholderheiden südlich von Münnerstadt umfasst elf Hektar Fläche. Den größten Anteil nehmen nach Auskunft des Landratsamtes die Mähflächen ein, der Rest der Fläche wird zu etwa gleichen Teilen entbuscht bzw. ausgelichtet/von Gehölzen befreit. Die Pflege erfolgt in diesem Bereich regelmäßig. Das gesamte Naturschutzgebiet liegt in einem Wasserschutzgebiet und kann daher nicht beweidet werden. Um es zu erhalten, ist eine motormanuelle/maschinelle Pflege daher sehr wichtig. Die Pflegearbeiten werden regelmäßig in einem jeweils auf den Bedarf angepassten Umfang durchgeführt. Eine Mahd sollte spätestens alle Jahre, besser alle zwei Jahre stattfinden, so die Erläuterungen. Die Umfänge der Gehölzarbeiten werden nach Notwendigkeit angepasst, finden aber etwa nur alle fünf bis sieben Jahre statt.

Witterung muss stimmen

Wie lange die Arbeiten dauern, ist auch abhängig vom Wetter. Um den empfindlichen Boden nicht zu sehr zu beanspruchen, müssen die Landschaftspfleger bei möglichst kaltem Wetter arbeiten. Ist es zu feucht und nass, verursachen die Fahrzeuge im Gelände tiefe Spuren. Denn das Mahdgut müsse heutzutage abgefahren werden, heißt es aus dem Landratsamt. Es darf nicht auf den Flächen verrotten. Hierzu ist Maschineneinsatz erforderlich. Dieser soll nur bei geeigneter Witterung stattfinden, um möglichst wenig Schäden zu verursachen. In früheren Jahren wurde das Schnittmaterial zur Arbeitserleichterung direkt auf den Flächen verbrannt. Das ist nur noch in Ausnahmesituationen erlaubt.

Vielerorts sind die Einsatzbereiche aber gar nicht mit Geräten zu erreichen. "An den Steilhängen ist es Handarbeit", sagt Thomas Dömling. Das bestätigt auch die untere Naturschutzbehörde. "Die sensiblen Bereiche dürfen generell nicht befahren werden, hier ist weiterhin reine Handarbeit angesagt", so die Stellungnahme aus dem Landratsamt. Es werde allerdings immer schwieriger, geeignete Leute zu finden, die alle Arbeiten mit der Hand erledigen. Und die Handarbeit ist natürlich nicht billig. Einen Hektar Fläche im steilen Gelände zu mähen und das Material im Anschluss abzurechnen und zu entsorgen kosten rund 2000 Euro. Gehölzarbeiten sind je nach Umfang noch kostenintensiver. Allerdings werden die Pflegearbeiten auch öffentlich gefördert.