Der Bedarf ist da, und die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses wollen verhindern, dass sich die Münnerstädter woanders begraben lassen, wenn sie eine Baumbestattung wünschen. Deshalb sollen künftig Baumbestattungen angeboten werden, zunächst erst einmal in Münnerstadt selbst. Außerdem soll eine aufgelassene Gruft als Aschegrube dienen, in die die Asche Verstorbener nach dem Ablauf der Ruhezeit verwahrt wird. Das hat der Haupt-und Finanzausschuss erst einmal zur Kenntnis genommen , die Zustimmung dürfte angesichts der Diskussion reine Formsache sein.

Nicht nur zuletzt in Wermerichshausen, immer wieder sei in der Vergangenheit die Frage aufgekommen, wie die Stadt mit modernen und zukünftigen Bestattungsformen umgehen soll, sagte Bürgermeister Michael Kastl (CSU). Demnächst sollen die Friedhofs- und Grabnutzungsgebühren neu kalkuliert werden. "Das ist für die Verwaltung sehr schwierig, wenn sie nicht weiß, welche Bestattungsformen wir anbieten", so der Bürgermeister. Außerdem müsse beispielsweise festgelegt werden, ob Gebühren einmalig oder mehrfach erhoben werden.

Er habe viele Gespräche mit den Leuten bezüglich der Friedhöfe geführt, sagte der dafür zuständige Referent Klaus Schebler (Neue Wege). Der Bedarf an Baumbestattungen sei sehr groß. "Das sollten wir vorhalten, um Abwanderung zu verhindern", sagte er. Klaus Schebler schlug auch schon mögliche Gebühren vor, der geschäftsleitende Beamte Stefan Bierdimpfl erinnerte aber daran, dass es an diesem Abend lediglich darum ging, die Bestattungsformen festzulegen. Erst dann könne die Gebührenkalkulation vorgenommen werden.

Die Leute hätten auch gerne eine Aschegrube, sagte Klaus Schebler. Bisher ist es gängige Praxis, dass nach Ablauf eines Urnengrabes die Asche eines Verstorbenen innerhalb des Friedhofs vergraben wird. Hätte man eine Aschegrube, dann würden die Angehörigen auch nach Ablauf der Frist wissen, wo sich die Asche des Verstorbenen befindet. Die Baumbestattung sollte man zunächst in Münnerstadt anbieten, weil es der größte Friedhof ist, sagte Klaus Schebler. Dann würden sich sicher auch Leute aus den Ortsteilen dort begraben lassen. Wer eine Baumbestattung wünsche, dem sei der Ort oft egal. Da sehe man ja an den Friedwäldern.

Rosina Eckert (Forum aktiv), die frühere Leiterin des Bundesausbildungszentrums der Bestatter, befürwortete die Baumbestattung ebenfalls. Dafür müsste man noch nicht einmal die Satzung ändern, weil ja die naturnahe Bestattung schon seit einigen Jahren angeboten und auch gut genutzt wird. Für die vorgeschlagene Aschegrube komme auch eine leere Gruft oder eine Grabkammer in Betracht "Das halte ich für eine gute Idee", sagte Michael Kastl dazu. Die Angehörigen hätten zwar kein Recht auf eine Aschegrube, aber die derzeitige Vorgehensweise sei ihnen schwer zu vermitteln, meinte Rosina Eckert.

Arno Schlembach (CSU) verwies auf eine naturnahe Bestattungsform in Hohenroth, die man auch in Münnerstadt anwenden könnte. Zu klären sei bei der Baumbestattung noch, ob es ein Schild beispielsweise auf einer Stele geben soll, oder ob sie ganz anonym ist, meinte Rosina Eckert.

Jetzt gehe es erst einmal um die Entscheidung, ob Baumbestattung gewünscht wird, erinnerte der Bürgermeister. Das war der Fall, ein Friedwald allerdings wird es nicht geben. Es müssten nicht unbedingt alte Bäume sein, man könne auch junge pflanzen, meinte Rosina Eckert.

Bernd Hochrein, zuständig für das Friedhofswesen in der Stadtverwaltung bekräftige, dass eine angebotene Baumbestattung besser sei als Friedwälder. Für die Aschegrube könne man ohne großen Aufwand eine aufgelassene Gruft nutzen. Er schlug vor, bei Baumbestattungen die Fläche in Abschnitte einzuteilen. Der Trend gehe ganz klar zu solchen Bestattungsformen. Heute betrage der Anteil der Urnen mehr als 80 Prozent, vor 30 Jahren seien es keine zehn Prozent gewesen.

Jürgen Eckert (CSU) schlug vor, bei der angestrebten Satzungsänderung mit einzubeziehen, dass die Grabnutzer das Gras unmittelbar um das Grab selber schneiden müssen. Es gebe immer nur Ärger bei der Friedhofspflege, weil nach dem Mähen oft Gras auf den Gräbern liegt.

Bei der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 19. Oktober soll die neue Friedhofssatzung vorgestellt und vorberaten werden. Die Entscheidung über die Änderungssatzung soll der Stadtrat am 16. November fällen.