In normalen Jahren würden jetzt im Januar wieder die ersten Kurse im Bienenlehrstand des Imkervereins Münnerstadt und Umgebung auf dem Programm stehen. So hatte es der Vorsitzende Dieter Schölzke für 2021 geplant. Eigentlich sollte die Vereinsarbeit in diesen Wochen mit einem Honigkurs gestartet werden. Auch ein Königinnenkurs stand im Kalender. Beide Lehrgänge musste der Vereinsvorsitzende streichen.Die Corona-Pandemie bremst die Imker weiterhin aus. Die Aus-und Fortbildung für Bienenzüchter muss ebenso ruhen wie das gemeinsame Miteinander im Verein. Schon 2020 waren wegen der Einschränkungen fast alle Lehrgänge ausgefallen, jetzt fürchtet Schölzke um ein weiteres Jahr des Stillstands.Denn die Kursplanung braucht eine längere Vorlaufzeit. Momentan aber fehlt dem Vorsitzenden jegliche Planungssicherheit.

Doch es sind nicht nur der fachliche Austausch unter den Mitgliedern und das gesellige Leben, das dem Verein abgeht. Es sind die Einnahmen, die fehlen, erklärt Dieter Schölzke. Denn während die Vereinsarbeit ruhen muss, fallen die fixen Kosten weiterhin an. Der Imkerverein hat mit dem Bienenlehrstand nicht unerhebliche Werte geschaffen - und die kosten in der Unterhaltung Geld, Monat für Monat. Strom-, Heiz- und Wasserkosten fallen zwar durch den Lockdown in geringerem Umfang an, aber die Beiträge für die Versicherungen bleiben beispielsweise, erklärt Dieter Schölzke. Er habe zwar versucht, eine Stundung zu erreichen, ist mit diesem Wunsch aber auf taube Ohren gestoßen. So wird mit jeder Woche, die der Lockdown andauert, auch die finanzielle Situation schwieriger. Der Verein bräuchte eine Perspektive, wann es weiter gehen kann. Es sei ein Problem, dass alle Vereine betrifft, die ein eigenes Gebäude unterhalten, ist sich der Münnerstädter sicher.

"Momentan können wir noch ein paar Monate überbrücken", meint Dieter Schölzke. Wenn sich die Einschränkungen aber noch länger hinziehen, weiß er nicht mehr, wie er den Verein über die Runden bringen soll. Der Verein sei zwar frei von Schulden, erklärt der Vorsitzende. Aber da in den vergangenen Jahren in die Erweiterung der Anlage investiert wurde, verfüge er nicht mehr über dicke Rücklagen. Der Verein braucht mittelfristig eine Perspektive, wann er wieder Einnahmen erwirtschaften kann, um die anfallenden Kosten zu decken.

Für gemeinnützige Vereine sei es zudem fast unmöglich, an staatliche Überbrückungshilfen zu kommen, meint Schölzke. "Wir arbeiten alle ehrenamtlich". Gefördert werden seines Wissens nach nur hauptamtliche Stellen. Was er vermisst in diesen Tagen, ist eine Anlaufstelle oder ein Leitfaden, der Vereinen hilft, Wege und Mittel zu finden, die Corona-Folgen abzumildern. In dieser Beziehung ist er auch von der Stadt, dem Stadtrat oder dem Landkreis enttäuscht. Er hätte sich von dieser Seite eine Unterstützung gewünscht, beispielsweise in Form einer Aufstellung über Fördermöglichkeiten. "Aber es kommt nichts", sagt Schölzke. Einzig von der kommunalen NES-Allianz sei er angeschrieben worden, dass es ein Förderprogramm für Kleininvestitionen gibt. Aber das nütze ihm momentan nicht, weil selbst für kleine Anschaffungen das Geld fehlt.

Bürgermeister Michael Kastl versteht den Wunsch von Dieter Schölzke nach einem Leitfaden. Das Thema sei jedoch so komplex, dass die Stadt nicht tätig werden könne. "Wenn es aber konkrete Fragen zu gewissen Problemen gibt, klären wir diese gerne", sichert Michael Kastl zu. Man werde in solchen Fällen auch gerne die nötigen Kontakte vermitteln.

Für die finanziellen Einbußen durch die Corona-Pandemie gibt es also vorerst keine Lösung beim Imkerverein. Umso erleichterter ist Dieter Schölzke, dass die Mitglieder dem Verein weiterhin die Treue halten. Der Vorsitzende kann sogar einen leichten Mitgliederzuwachs verbuchen. Den Kontakt zu den Aktiven hält der Verein über eine What´s App-Gruppe. In dieser besteht die Austauschmöglichkeit in allen Fragen der Imkerei. Die Futtermittelabgabe an Bienenzüchter erfolgt möglichst kontaktlos über vorab vereinbarte Termine.

Die Arbeit an und mit den Bienen - der Verein hat im Bienenlehrstand eigene Völker - kann trotz Pandemie weitergehen. Der Verein unterliegt nach Auskunft Schölzkes der Nutztierverordnung. Und diese erlaubt die Versorgung der Völker unter Einhaltung der notwendigen Corona-Bestimmungen.