Am Ende blieb es still. Nach einer ausführlichen Diskussion über das Hallenbad unterbreitete Bürgermeister Michael Kastl (CSU) einen Vorschlag: Er würde Kontakt mit dem früheren Sanierungsbeauftragten der Stadt, Dag Schröder, aufnehmen. Dann würden sie den Abriss des Hallenbades mit Neugestaltung des Areal nach dem ursprünglichen Plan vorantreiben. Wer das möchte, solle jetzt einen Antrag stellen.

Es meldete sich niemand. Damit wird das Areal in eine Machbarkeitsstudie zusammen mit dem BBZ und der ehemaligen Landwirtschaftsschule eingebunden. Ein Argument, das gegen den ursprünglichen Plan des Abrisses spricht: sämtliche Parkplätze vom alten Schützenhaus bis zum Hallenbad würden wegfallen - genau gegenüber der Grund- und Hauptschule.

Er wisse sehr wohl, dass das ein sehr emotionales Thema ist, sagte das Stadtoberhaupt. Er wolle ganz sachlich damit umgehen. Im letzten Jahr hatte es zwei Bürgerentscheide gegeben, gewonnen hatten die Abrissbefürworter. Bereits 2015 hatte der Stadtrat beschlossen, das Hallenbad abzureißen und das Areal auf Grundlage einer Planung des damaligen Sanierungsbeauftragten Dag Schröder neu zu gestalten. 2018 wurde dann aber das Büro Federlein beauftragt, eine Planung durchzuführen. Der Grund: Dag Schröder hatte sich mit Stefan Schlicht und Christoph Lamprecht zusammengetan, das gemeinsame Büro aber später wieder verlassen. Das Büro Schlicht und Lamprecht ist nun Sanierungsbeauftragter, die Urheberrechte für die Hallenbad-Planung liegen allerdings bei Dag Schröder.

Michael Kastl bezeichnete die zweite Planung von Stefan Federlein als sehr solide und sehr gelungen. Beim Bürgerentscheid stimmten die Münnerstädter aber ab, dass das Hallenbad abgerissen und das Areal nach der vom Stadtrat beschlossenen Planung hergerichtet wird. Das ist jedoch die von Dag Schröder. Die Folge: die Stadt hat derzeit keinen Förderbescheid und kann das Hallenbad somit gar nicht abreißen. Eine Lösung wäre es, Kontakt mit Dag Schröder aufzunehmen, er befürchte aber dann Streit im Stadtrat, so der Bürgermeister. In der letzten Wahlperiode hatte es im Gremium diesbezüglich Unstimmigkeiten gegeben.

"Wir brauchen eine Machbarkeitsstudie für das BBZ1 und das BBZ2", betonte Michael Kastl. Das Hallenbadareal sollte in die Analyse, was dort umsetzbar ist, gleich mit eingebunden werden. Egal ob dort ein Parkplatz oder ein Blockheizkraftwerk entsteht, wird die ursprüngliche Planung - eine Grünfläche - umgesetzt, dann ist das wegen der Fördermittel für 25 Jahre bindend. "Bis zum Schützenhaus fallen alle Parkplätze weg, da kann man kein Auto mehr hinstellen." Zunächst soll in die Landwirtschaftsschule (BBZ1) die Städtische Musikschule einziehen. Trotzdem will Michael Kastl eine Machbarkeitsstudie für das ganze Areal. Der Bürgermeister bedankte sich bei Stefan Federlein für dessen Planung. Er hätte selbst nicht gedacht, dass das Thema Urheberrecht so bedeutsam wird. Das Schlimmste, was jetzt passieren könnte, wären Probleme deswegen.

Klaus Schebler (Neue Wege) sah das ein bisschen anders. Man könnte das in zwei Teilbereiche unterteilen, schlug er vor. Man könnte das Gebäude ja abreißen und die Neugestaltung später angehen. "Die Frage ist, was wir wollen", entgegnete der Bürgermeister. Sollten auf dem BBZ-Areal Etagenwohnungen entstehen, würden Parkplätze gebraucht. "Ich möchte vermeiden, dass wir uns was verbauen."

Weil die Bindungsfrist des Bürgerentscheids bald ausläuft, betonte Klaus Schebler: "Mir geht es nicht um ein paar Monate, sondern um die Umsetzung des Bürgerwillens." Oliver Jurk (CSU) wollte wissen, ob Michael Kastl schon Kontakt zu Dag Schröder gesucht hat und erntete ein ganz klares: "Nein!" Das sei politisch sehr brisant. Er befürchte, dass sich der Stadtrat wieder in zwei Lager spaltet, wenn der Plan von Dag Schröder eins zu eins umgesetzt wird. Er verwies darauf, dass es in der letzten Wahlperiode einen gültigen Förderbescheid für den Abriss gab - das Gebäude blieb aber stehen.

"Die Bindungsfrist an den Bürgerentscheid endet nächste Woche aber dann kommt das Moralische", sagte Klaus Schebler, der den Abriss will. "Wir alle sollten den Bürgerwillen akzeptieren." Es sei richtig, dass der Bürgerwille zählt, bestätigte der Bürgermeister. "Aber wir müssen uns über das ganze Sanierungsgebiet unterhalten. Das Gesamtkonzept muss am Ende stimmen."

Rückendeckung bekam der Bürgermeister von Arno Schlembach (CSU). Natürlich müsse man den Bürgerwillen beachten, aber die Stadt habe hier die Chance, etwas anderes zu gestalten, was viel besser gefällt. Es könnten Synergieeffekte mit dem BBZ erzielt werden. Michael Kastl zählte die vielen anderen Baustellen auf. "Wir wollen das Beste für Münnerstadt herausholen, da muss alles auf den Tisch", betonte er. "Sonst nehmen wir uns Handlungsmöglichkeiten."

Der Landkreis habe ja schon Untersuchungen am alten BBZ in Auftrag gegeben, als es um die Frage eines Neubaus oder einer Sanierung ging. Diese Unterlagen werde die Stadt bekommen, so der Bürgermeister. Inzwischen ist das alte BBZ samt Landwirtschaftsschule in das Eigentum der Stadt übergegangen, die nach den Herbstferien darüber verfügen kann, weil dann das neue BBZ öffnet. Michael Kastl geht davon aus, dass die Machbarkeitsstudie zeitnah erledigt werden kann. So blieb es dabei, ein Beschluss war in der Angelegenheit nicht nötig.