Noch gibt es im Stadtrat keine Entscheidung, ob das Gremium die Ausweisung von Mountainbike-Strecken im Stadtgebiet befürwortet oder nicht. Doch in der jüngsten Sitzung wurde sehr deutlich, dass dieses Leaderprojekt nicht bei allen Stadträten gut ankommt. Vor allem Stadtrat Hubert Holzheimer äußerte massive Bedenken gegen ein solches offizielles Wegenetz für diesen Trendsport. Er fürchtet, dass dann noch mehr Radler in den Wäldern unterwegs sind, als dies ohnehin schon der Fall ist. Anders Fabian Nöth. Er teilt die Meinung der Initiatoren - Landkreis und Naturpark Bayerische Rhön - dass dadurch der Verkehr auf einige markante Wege kanalisiert wird - eine Meinung, die auch von Bürgermeister Helmut Blank vertreten wird.

Diskutiert wurde das Thema, weil die Fraktionen von Freien Wählern, Forum aktiv und SPD einen Antrag dazu gestellt hatten. Eine Entscheidung fiel nicht, weil Helmut Blank in der Sitzung bekannt gab, er wolle zuvor nochmals mit den Münnerstädter Jagdgenossen reden. Allerdings meinte er auch: "Ich bin in dieser Sache leidenschaftslos" , egal wie die Entscheidung falle. Er wolle deshalb intensiv beraten lassen.

Noch Gespräche geplant

Danach möchte er eine Informationsveranstaltung für die Gesamtstadt anbieten, in der das Projekt von den Verantwortlichen vorgestellt werden kann. Dann erst hält er eine Entscheidung für sinnvoll. Leo Pfennig (Freie Wähler) drängte darauf, dass dies zeitnah und noch vor der Sommerpause geschieht.

"Ich weiß, dass dies ein großes Spannungsfeld ist", erklärte Blank. Er sieht aber in den Strecken eine Möglichkeit für den örtlichen Tourismus. Es gehe um die touristische Vermarktung der Stadt. Ohnehin gebe es bereits jetzt im Internet zahlreiche GPS-Strecken im Raum Münnerstadt, die Mountainbiker eingestellt hätten. Mit einem offiziellen ausgewiesenen Wegenetz könne man die Aktivitäten kanalisieren, glaubt Blank.

Jagdgenossen dagegen

Stadtrat Hubert Holzheimer (Forum aktiv) ist Jäger, Jagdpächter und Hotelier. In seinem Sinne ist die Ausweisung nicht. Und er verwies darauf, dass sich im östlichen Stadtgebiet die Jagdvorstände und in Münnerstadt die Jagdgenossenschaft bereits gegen solche Mountainbike-Strecken ausgesprochen haben. Holzheimer erinnerte zudem daran, dass die Situation in den Nachbargemeinden Maßbach und Nüdlingen ähnlich kritisch bewertet wird und sich dort der Gemeinderat gegen Mountainbike-Routen ausgesprochen hat.

"Ich stelle die Sinnhaftigkeit in Frage", meinte Hubert Holzheimer. Als Jagdpächter habe er sich bereits mit vielen Freizeitaktivitäten arrangiert. Aber er ist dagegen, diese noch zu forcieren.

Den Freizeitverkehr in der Natur hält er mittlerweile für zuviel. Holzheimer weiß, dass man dies nicht verbieten kann, er will aber auch nicht, dass durch die gezielte Bewerbung ausgewiesener Touren noch mehr Radler in die Wälder geholt werden. Völlig unverständlich ist für ihn, dass eine der Strecken im Münnerstädter Tal mitten durch ein Naturschutzgebiet führen soll. "Das ist eine Katastrophe."

Gemeinsame Aktion

Holzheimer geht nicht davon aus, dass die Mountainbike-Strecken touristisch ein Gewinn sind. Er glaubt eher, dass sie reine Durchfahrtstrecken werden. Holzheimer: "Ich weiß nicht, warum wir uns das antun sollen."

Fabian Nöth sieht in dem Projekt dagegen eine Chance. Er geht davon aus, dass Strahlungen und Burglauer ohnehin zustimmen werden. Dann werde man nur wegen der städtischen Ablehnung in Münnerstadt die Route nicht unterbrechen. Er findet gut, dass beide Landkreise jetzt etwas gemeinsam angehen und auch das Vorland vom Rhöntourismus profitieren könne. Es sei eine kostenlose Möglichkeit für die Stadt.

Für Radwege-Lückenschluss

Münnerstadt solle lieber mit seiner Natur werben, findet Hubert Holzheimer. Die sei einmalig, was ihm Gäste in seiner Pension auch immer wieder bestätigen würden. So kommt jährlich eine Gruppe von Naturfreunden in sein Haus, weil sie hier eine besondere Schmetterlingsart, die Bläulinge, beobachten wollen. "Diese Leute suchen Natur und keinen Rummelplatz."

Auf Abenteuersuche

Wermerichshausens Ortssprecherin Ulla Müller glaubt ebenfalls nicht daran, dass das ausgewiesene Wegenetz naturverträglich ist. Die im östlichen Stadtgebiet ausgewählten Alternativstrecken sind ihrer Meinung nach für die Trendsportler unattraktiv. "Die wollen gar keine Kanalisierung, die wollen Abenteuer", ist ihre Meinung.

Stadträtin Rosina Eckert (Forum aktiv) schlug in der Sitzung vor, der Stadtrat solle lieber das Lebenswerk des verstorbenen Stadtrats Peter Will fortführen und sich für den Lückenschluss im Radwege-Netz zwischen den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld im Bereich Münnerstadt einsetzen. Sie glaubt: "Extremsport passt nicht zu unserem Tourismuskonzept."

Ihre Fraktionskollegin Rita Schmitt findet, der Stadtrat müsste grundsätzlich über die Tourismusförderung reden. "Wir wollen die Leute ja im Ort halten." Deshalb sollen sie nicht einfach durchfahren.