Wasser und Abwasser werden ab dem kommenden Jahr teurer. Sowohl die Grund- als auch die Kubikmeter-Preise gehen in die Höhe, beschloss der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung in der Mittelschule. Der dreijährige Kalkulationszeitraum für das Trinkwasser läuft zum Jahresende ab und deshalb müssen die Gebühren neu festgelegt werden.

Defizit von 44000 Euro

In diesen drei Jahren hatte sich ein Defizit von gut 44 000 Euro angesammelt. Sie entstanden, wie Bürgermeister Matthias Klement erklärte, unter anderem durch die Erhöhung der Strompreise und den Bau einer Verbindungsleitung zwischen Maßbach und Poppenlauer sowie einer Leitung nach Volkershausen. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, den Preis für einen Kubikmeter Wasser von 1,56 auf 1,94 Euro zu erhöhen und es bei der Grundgebühr von 30 Euro zu belassen. Nach längerer Diskussion entschied der Marktgemeinderat bei fünf Gegenstimmen jedoch, dass der Kubikmeter-Preis nur auf 1,75 Euro erhöht wird, dafür steigt die Grundgebühr auf 50 Euro.

Anlage zur Stromerzeugung?

Auf Nachfrage teilte Sabine Röder, die in der Verwaltungsgemeinschaft Maßbach für Wasser und Abwasser zuständig ist, mit, dass die Trinkwasseranlagen über 220 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen. Achim Bieber (Bürgerblock Poppenlauer) schlug deshalb vor, zur Stromerzeugung eine eigene Anlage zu bauen.

Defizit auch beim Abwasser

Für das Abwasser läuft der vierjährige Kalkulationszeitraum zum Jahresende ab. Das Defizit beträgt 72 148 Euro. Hauptursache dafür ist, so Bürgermeister Klement, dass der Klärschlamm seit 2017 nicht mehr auf Äcker aufgebracht werden darf und deshalb verbrannt werden muss. Der Preis dafür stieg von 100 Euro pro Tonne auf jetzt 150 Euro. Unter anderem deshalb muss auch die Abwassergebühr erhöht werden.

Die Verwaltung hatte eine Erhöhung von bisher 1,20 Euro pro Kubikmeter auf 1,77 Euro und eine Beibehaltung der Grundgebühr von 30,67 Euro (diese krumme Zahl stammt noch aus der Zeit der Umrechnung von Mark in Euro) vorgeschlagen. Der Marktgemeinderat beschloss dann aber bei einigen Gegenstimmen eine Erhöhung der Abwassergebühr auf nur 1,55 Euro pro Kubikmeter, dafür wird aber der Grundpreis auf 50 Euro erhöht. Der Kalkulationszeitraum wird auf drei Jahre verringert.

Freibad mit Verlust

Der Marktgemeinderat genehmigte ohne lange Diskussion den Jahresabschluss 2019 des Freibades. Das Bad hat danach einen Verlust von 134 616 Euro gemacht, die aus dem Haushalt ausgeglichen werden.

Auch die geplante Generalsanierung und Erweiterung der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätte in der Dora-Müller-Straße in Maßbach stand auf der Tagesordnung. Architektin Constanze Frank-Spindler (Büro atelier a11 in Remptendorf) erläuterte die Pläne. So ist neben dem Altbau ein Neubau geplant. Der Krippen-Bereich ("völlig in Ordnung") soll erhalten bleiben. Ein neuer Gruppenraum und ein neuer Speiseraum sollen dazu kommen. Die Baukosten betragen rund vier Millionen Euro. Die Gemeinde übernimmt 85 Prozent davon. Sie bekommt dafür einen Zuschuss vom Freistaat in Höhe von rund zwei Dritteln. Sie muss also rund eine Million Euro aufbringen. Achim Bieber (Bürgerblock Poppenlauer) wiederholte seine Frage auf einer früheren Sitzung zu diesem Thema, ob nicht ein kompletter Neubau billiger wäre. "Definitiv nein" entgegnete die Architektin. Bürgermeister Klement ergänzte, dass die Gemeinde dann an den Freistaat Zuschüsse zurückzahlen müsse, die sie früher für den Bau des Kindergartens bekommen hat, "das hat uns die Bezirksregierung deutlich gemacht".

Luftfiltergeräte schwer zu beschaffen

Die Anschaffung von über 20 mobilen Luftfilter-Geräten für die Klassenzimmer der Schulen und die Kindergärten hatte der Marktgemeinderat in der Sitzung am 27. Oktober beschlossen, wenn das Gesundheitsamt das für richtig hält. Auf Nachfrage von Achim Bieber teilte Bürgermeister Klement mit, dass es gar nicht so einfach ist, angesichts des großen Bedarfs eine so große Menge zu besorgen. Beim Hersteller dürften nur fünf Stück gekauft werden, "die Nachfrage ist riesig, die Produktion kommt kaum nach".

Der Bürgermeister teilte mit, dass die Photovoltaik-Anlage, die das Unternehmen ENBW zurzeit zwischen Maßbach und Volkershausen baut, im April oder Mai nächsten Jahres betriebsbereit sein soll. Auf einer Fläche von 30 Hektar sollen hier 28,1 Megawatt Strom produziert werden. Mit den Solaranlagen und den Windrädern auf der Fläche der Verwaltungsgemeinschaft könnten 45 000 Haushalte mit Strom versorgt werden, "das ist schon beeindruckend", so Klement. Die Bürger aus der Verwaltungsgemeinschaft sollen sich im Rahmen einer Bürgerbeteiligung an der Anlage beteiligen und Anteile zeichnen können.

Vorhang für Thoraschrank

Klaus Bub, der sich um das Heimatmuseum in Poppenlauer und um die Synagoge in Maßbach kümmert, bekam eine Mail aus Holland. Darin wird ihm der Vorhang für einen Thoraschrank, der aus Poppenlauer stammen soll, angeboten. Der Händler verlangte 10 500 Euro. "Sollen wir das weiter verfolgen, Spender suchen?", wollte Bürgermeister Klement wissen. "Das ist ein Wucherpreis mit dem Wissen um den ideellen Wert", meinte Felix Neunhoeffer (SPD) und Susanne Ziegler (Grüne/FBuU) schlug vor, dem Verkäufer ein Angebot zu machen und zu signalisieren "wir haben Interesse, aber mehr als 3000 Euro können wir uns nicht vorstellen". Eine förmliche Entscheidung wurde nicht getroffen.