Mit gerade mal 14 oder stolzen 405 PS tuckerten sie an Mariä Himmelfahrt aus Gemeinden in der engeren und weiteren Nachbarschaft zur frisch gemähten Dippach-Wiese an der Mauer neben dem Kloster Maria Bildhausen: Liebevoll gepflegte und nur noch gelegentlich für Veranstaltungen aus der Scheune geholte, Jahrzehnte alte Traktor-Oldtimer ebenso wie hochmoderne PS-strotzende Geräte, die jeden Tag auf Äckern und Feldern ihren Dienst tun. Zum Freiluft-Wortgottesdienst mit Maria Krines, der Seelsorgerin in Maria Bildhausen, waren neben den Traktorfahrern und ihren Familien auch zahlreiche Radler, Autofahrer und Wanderer gekommen.

Nicht mit dabei waren jedoch die Mitglieder einer hessischen Traktor-Wallfahrergruppe. Sie steuern jedes Jahr in einem großen Konvoi ein Kloster an, doch dieses Jahr fiel ihre Ausfahrt aus Sicherheitsgründen der Corona-Pandemie zum Opfer. "Deshalb haben wir einfach beschlossen, im Rahmen des Wortgottesdienstes und der Kräutersegnung anlässlich Mariä Himmelfahrt auch ohne die Hessen eine Traktorsegnung zu veranstalten", sagte Erika Pascher, die Maria Krines beim Gottesdienst assistierte.

Kräuterbüschel gesegnet

Viele Gottesdienstbesucher hatten ihre Kräuterbüschel zur Segnung mitgebracht, während die Büschel der einzelnen Hausgruppen von Maria Bildhausen am Altar befestigt waren. Als Altar diente ein einfacher landwirtschaftlicher Anhänger mit einem großen Schirm als Regenschutz, der aber zum Glück nicht gebraucht wurde. "Dies ist ein ganz besonderer Gottesdienst, um Ihre Fahrzeuge und Traktoren segnen zu lassen und unter den Schutz Gottes zu stellen", sagte Maria Krines und forderte die Fahrzeugführer auf: "Hupen sie mal alle." Das ließ sich kein Traktor- oder Autofahrer zweimal sagen, und deshalb schallte ein weithin hörbares Hupkonzert durch die Flur.

Die Lieder, die die Gottesdienst-Teilnehmer sangen, waren speziell für diesen Anlass ausgesucht worden. "Erde singe, dass es klinge, laut und stark ein Jubellied... Kreaturen auf den Fluren, huldigt ihm mit Jubelruf!", "Großer Gott wir loben dich" oder "Maria, dich lieben, ist allzeit mein Sinn". Für musikalische Begleitung des Gottesdienstes sorgte die Alphornbläsergruppe "Schwarze Berge" aus der Rhön.

Interessante Modelle waren vor Ort

Nicht nur für landwirtschaftliche Fachleute interessant waren die Traktoren. Mehrere der Marke Eicher waren vertreten, darunter auch starke Tiger. Ein echter Oldtimer ist der Bautz-Traktor. Denn schon seit 1962 baut die Firma keine Traktoren mehr, sondern konzentriert sich auf Erntemaschinen. Der große Valtra-Traktor dagegen ist ziemlich neu. Mehrfach vertreten war die Firma Fendt, die seit 1930 Traktoren baut (der erste war das "Dieselross" mit gerade sechs PS). Mehrere Fendt-Traktoren standen auf der Dippach-Wiese. Einer mit einer Ladepritsche vor dem Führerhaus und mit zwei bequemen Sesseln bot dem Landwirtsehepaar einen Logenplatz.

Mit Weihwasser besprengt

Maria Krines segnete all diese Traktoren und besprengte sie mit Weihwasser. Sie vergaß aber auch nicht die zahlreichen kleinen Spielzeugtraktoren und Landmaschinen, die Nachwuchs-Landwirte mitgebracht und neben die Fahrzeuge ihrer Väter platziert hatten. Und natürlich weihte sie auch zahlreiche Kräuterbüschel, denn gerade das gehört zu Mariä Himmelfahrt.

Dass bei diesem Wortgottesdienst auf die strenge Einhaltung der Corona-Abstands- und -Hygieneregeln geachtet wurde, war selbstverständlich. Die Traktorfahrer waren gebeten worden, auf ihren Fahrzeugen sitzen zu bleiben. Die Bewohner von Maria Bildhausen waren wegen Corona gar nicht auf die eigentliche Dippach-Wiese gekommen, sondern verfolgten den Gottesdienst etwas abgeschirmt vom Weg jenseits des Dippach-Flüsschens aus.

Magische Zahl

Mit der Kräuterweihe am 15. August erinnert die katholische Kirche an die legendäre Grabesöffnung Mariens. Statt des Leichnams fanden die Apostel dort Rosen und Lilien, vor dem Grab wuchsen die Lieblingskräuter der Gottesmutter. Seit dem 7. Jahrhundert feiert die katholische Kirche den 15. August als die Aufnahme Marias in den Himmel. Traditionell werden vor allem im ländlichen Raum Kräuter gesammelt und daraus Büschel gebunden, die am Hochfest geweiht werden.

Ein Feiertag ist der 15. August in Deutschland nur im Saarland und in vielen bayerischen Gemeinden. Die Zahl der Kräuter im Strauß soll "magisch" sein, mindestens sieben Kräuter (Zahl der Wochen- oder Schöpfungstage) muss er also enthalten. Aber auch neun (dreimal drei für die heilige Dreifaltigkeit, zwölf (Zahl der Apostel), 14 (Zahl der Nothelfer) und mehr sind möglich. Nach der Weihe finden die Buschen ihren Platz im Haus, meist im sogenannten "Herrgottswinkel". Fast jede einzelne Pflanze hat eine bestimmte Bedeutung: Die Mitte bilden Rose (Maria) und Lilie (Josef). Rosmarin soll zum guten Schlaf verhelfen, Salbei zu Wohlstand, Weisheit und Erfolg. Wermut verspricht Kraft, Mut und Schutz, Minze Gesundheit. Arnika schützt gegen Feuer und Hagel. Für Glück und Liebe steht die Kamille, Getreide für das tägliche Brot. (Quelle: www.katholisch.de und Internet-Lexikon Wikipedia).